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Inzwischen hatten Milk und ich von Thorwald erfahren, dass die Beschädigungen des Damms erfolgreich von den Druiden repariert wurden. Die Löcher waren wieder geschlossen. Jedoch war das Ausmaß der Schäden in dieser Welt erheblich größer, als ursprünglich erwartet. Auch waren weitaus mehr Lebensformen anderer Welten in diese Welt gezogen worden, als von den Druiden zuvor vermutet.

Thorwald sprach davon, dass diese neuen Probleme zwar sehr gravierend, aber wenigstens noch halbwegs überschaubar waren. Man müsse nur lange genug warten, und die natürliche Auslese würde die meisten unerwünschten Lebensformen von ganz alleine auslöschen. Die überlebenden, starken Lebensformen wären dann sehr leicht aufzuspüren und könnten dann systematisch ausgeschaltet werden.

Im Verlauf des gesamten Vortrags von Thorwald wurde mir immer unwohler, da diese Worte unmissverständlich bedeuteten, dass die Druiden planten, alle fremden Lebensformen auf dieser Welt tatsächlich einfach so zu töten und auszulöschen.

Ich fragte naiv in die Runde, ob es nicht doch möglich war, diese Lebewesen wieder in ihre Heimatdimension zu bringen. Jürgen erklärte schmunzelnd, dass dieses nur wieder neue Löcher oder Risse in die Mauer zwischen den parallelen Welten reißen würde. Man stände dann wieder vor dem gleichen Problem, wie zu Anfang dieser ganzen Misere.

Mir wurde diese ganze Sache plötzlich einfach zu viel und sah das Milk, während dem gesamten Gespräch, einen völlig abwesenden Eindruck auf mich gemacht hatte.

Ich wurde mir nun darüber bewusst, dass diese Druiden ihre wahnsinnige Macht zum skrupellosen Vernichten ganzer Massen an Lebewesen einsetzen wollten. Tatsächlich war für sie alles nur ein nettes Spiel, ein willkommener Zeitvertreib, um Magie und Macht. Dieser Druidenzirkel bestand aus den wahren Teufeln dieser Welt und waren um Vieles schlimmer, als dieser alte Zwerg Kir.

Langsam und kaum merklich bewegte sich Milk auf die Holztür zu. Es war für mich ganz offensichtlich, er wollte fliehen, sein eigenes Leben retten, oder es zumindest verteidigen. Jedoch würde eine Flucht vor den mächtigen Druiden schierer Wahnsinn sein, da ihre Macht alles bisher Dagewesene überstieg. Doch Milk wagte es tatsächlich. Er riß die Tür auf und rannte hinaus, wo er sich sofort in seine, mir inzwischen schon vertraute Kugelform verwandelte. Jedoch war Thorwald wieder einmal schneller und schnitt ihm den Weg ab. Die Kugel Milk schoss sofort in den Boden, um sich unter Thorwalds Füßen hindurch zu graben.

Inzwischen war auch ich nach draußen gerannt und sah, wie Thorwald seine knorrigen Hände auf den Boden legte. Nach einigen seltsamen Beschwörungen, spaltete sich grollend der Boden und Thorwald griff einfach nach Milk, der sich inzwischen schon ziemlich weit nach unten gebohrt hatte. Nun wurde ich selbst von hinten kräftig gepackt. Der Druide Jürgen warf mich brutal zu Boden. Wir beide rangen eine Weile miteinander, bis auch er einige beschwörende Worte ausrief. Ich schlug ihm dabei derbe auf seine Nase und trat ihm in seine Weichteile, so dass ich mich schließlich befreien konnte.

Dann rannte ich den Waldweg entlang, bis ich zu dem abgestellten Mercedes kam. Plötzlich leuchteten vor mir die Scheinwerfer auf und die Beifahrertür wurde aufgerissen. Gehetzt blickte ich mich um und sah, wie der Druide Jürgen auf eine gigantische Spinne stieg. Wahrscheinlich war sie das Produkt seines magischen Spruchs zuvor. Dieses acht beinige Ungetüm setzte sich sofort in Bewegung und nahm ohne Verzug die Verfolgung zu mir auf. Mit einem Aufschrei des Entsetzens und der Angst sprang ich in den geöffneten Mercedes, der dann auch sofort anfuhr. Ich blickte auf und sah in die klaren Augen der jungen Mira.

Wir konnten Jürgen auf seiner Höllenspinne mit dem Wagen gut auf Distanz halten, obwohl wir nicht übermäßig schnell voran kamen. Aber der Weg war sehr schmal, was uns von Nutzen war. Ich hoffte aber dennoch, dass wir bald die Straße erreichen würden, um diese beiden grässlichen Verfolger endlich abschütteln zu können. Doch es sollte wieder einmal anders kommen.

Wir sahen plötzlich auf dem Weg vor uns, einen umgestürzten Baum liegen. Mira legte eine Vollbremsung hin, wir rutschten auf dem weichen Waldboden zum Stillstand, und ich sprang sofort aus dem Wagen. Der Baum war nicht sehr groß, aber unerwartet schwer. Ich schaffte es einfach nicht alleine, ihn vom Weg herunter zu bekommen. Doch schon war Mira an meiner Seite, und wir zogen gemeinsam den Baum auf die Seite. Die Anstrengungen waren für uns beide enorm, und wir keuchten beide nach Luft, während wir die großen, behaarten Spinnenbeine um die Biegung tasten sahen. Endlich im Wagen wieder angekommen, hatte der fiese Druide uns schon fast erreicht.

Mira fuhr sofort an, während ich sorgenvoll zurückblickte und beobachtete, wie die Riesenspinne mit einem ihrer tastenden Beine auf unseren Kofferraum trat. Dabei verursachte sie ein lautes, kratzendes Geräusch, das Mira aufschreien ließ. Das Auto sackte durch das Gewicht des Untiers am Heck nach unten, und Mira schrie erneut hysterisch auf. Sie gab plötzlich Vollgas, die Reifen drehten auf dem feuchten Boden durch. Dann gab es einen starken Ruck, und wir schossen halsbrecherisch den schmalen Weg entlang. Die Spinne jedoch, sie hatte durch diese gewagte Aktion ihren Halt verloren und kam ins Wanken. Ich konnte noch beobachten, wie der Druide Jürgen schreiend, immer wieder auf sie einschlug, bis dieses makabere Szenario von der Dunkelheit der Nacht geschluckt wurde.

Wir erreichten schließlich die Straße und beschleunigten in Richtung Süden, um in die große Stadt zu gelangen, die Milk und ich einst gemieden hatten. Nach einiger Zeit ohne Verfolger waren wir uns sicher, dass wir den Druiden mit seiner Spinne abgehängt hatten. Der Schreck lag uns beiden aber immer noch sehr in unseren Knochen. Wir konnte es kaum fassen, dass wir diese alten Druiden früher einmal »unsere Freunde« genannt hatten. Die Straße fanden wir zum Glück nur wenig versperrt vor, und kamen relativ gut voran. Ich war in tiefen Gedanken um meinen Freund Milk und wünschte ihm sehr, dass auch ihm seine Flucht geglückt war. Thorwald hätte ihn ansonsten bestimmt unverzüglich getötet. Ja, ohne zu zögern würde Thorwald ein ganzes Volk vernichten, da war ich mir inzwischen sicher.

Während Mira sich auf die schmutzige Straße konzentrierte, blickte ich stumpfsinnig aus dem Fenster, da ich nicht einmal annähernd wusste, wie nun alles weitergehen sollte. Würden wir jemals wieder normale Zustände vorfinden?

Ich wusste es nicht und war mir sicher, dass auch die kesse Mira darauf keine Antwort hatte. Ich gab ihr einige Anweisungen, da ich den Weg zur Stadt besser kannte, als sie.

Nach langer Fahrt hielten wir an einem großen Haus, da wir nach brauchbaren Gegenständen für uns suchen wollten. Auch hing meine ganze Kleidung fast in Fetzen an mir herunter. Ganz unbehaglich wurde mir, als mir schließlich bewusst wurde, dass wir beide noch immer unbewaffnet waren. In dieser Gegend wimmelte es nahezu von fremden Wesenheiten. Ohne Waffen waren wir denen völlig hilflos ausgeliefert.

Wir stiegen aus und begaben uns, über die Gartenwiese hinweg, zur Eingangstür. Sie war fest verschlossen. Ich öffnete sie mit einem gewaltigen Fußtritt, so dass sie krachend gegen die Wand schlug. Während Mira das Erdgeschoss durchsuchte, in dem sich Küche, Wohnzimmer, Bad und Esszimmer befanden, durchsuchte ich die Schlafzimmer im Obergeschoss und den Dachboden. Außer einige Küchenmesser, fanden wir keine Waffen. So war das eben in Deutschland. Hier hatten die Menschen keine Waffen. Sie waren einfach nicht erlaubt.

Wären wir in den Vereinigten Staaten gewesen, würden wir nicht vor so einem Problem gestanden haben. Was ich früher für gut und wünschenswert empfunden hatte, empfand ich heute als eine Art Fluch. So hatte sich inzwischen alles geändert. Jedoch konnten wir uns beide wenigstens neu einkleiden und erbeuteten auch genügend Essbares in Konserven. Auch einige volle Bierdosen hatte ich gefunden, was meine Laune wesentlich verbesserte. Unsere neue Kleidung leider etwas zu groß, aber sie schien ziemlich robust zu sein. Auch fand ich einen schwarzen Anzug in einem der Schränke, musste aber dann lachen, als ich daran dachte, wie die Affenmenschen oder diese kriegerischen Zyklanden staunen würden, wenn ich in einem schwarzen Anzug mit Krawatte vor ihnen stehen würde. Man konnte deutlich hören, wie Mira unsere Beute im Fahrzeug verstaute.

Eilig begab ich mich zu ihr, um ihr zu helfen, damit wir schleunigst weiterfahren konnten. Im fahrenden Auto fühlten wir uns am sichersten. Gerade als wir die Türen des Mercedes wieder geschlossen hatten, tauchten einige der bekannten Zyklandenkrieger auf und verteilten sich um den Wagen herum.

Mira startete den Wagen sofort, als einer der Krieger ihr Seitenfenster einschlug und sie mit einem beeindruckenden Breitschwert bedrohte. Wow, war das eine beeindruckende Waffe, die er da durch das Fenster geschoben hatte. Die Klinge war riesige und aus robustem Metall, dazu reich verziert.

Sie schien rasierklingenscharf und dazu einige satte Kilogramm schwer zu sein. Ein Kampf gegen diese Recken war ohne Waffen vollkommen aussichtslos, so dass wir demütig ausstiegen und uns ohne Gegenwehr an unseren Armen fesseln ließen. Die Krieger schulterten uns und beluden sich auch mit unserer Beute, bevor sie in unerwartet hoher Geschwindigkeit in Richtung Südwest aufbrachen, um schließlich zu einem nahegelegenen Waldgebiet zu kommen.

Im Wald bewegten sie sich sehr geschickt, und ich erinnerte mich an meine Flucht aus dem Lager der Zyklanden. Mit der Zeit verlor ich wieder einmal die Orientierung, obwohl der frische Morgen bereits dämmerte. Leider konnte ich keinerlei Orientierungspunkte finden, was wohl auch daran lag, dass wir nur sehr unsanft getragen wurden.

Nach einiger Zeit verlangsamten die Krieger ihre Geschwindigkeit und hielten kurz darauf an. Einer von ihnen, er war wohl der Anführer, schlich alleine in einen dichten Tannenwald hinein, um wenige Augenblicke später mit einem anderen Krieger wieder zurückzukehren. Man wechselte einige dieser fremdartigen Zyklandenworte.

Dann begab sich die ganze Gruppe mit unseren Sachen und uns auf den Schultern, in den Tannenwald hinein. Die Äste der Nadelbäume zerkratzen mir das Gesicht. Auch Mira schrie inzwischen immer wieder auf, so dass ich annehmen konnte, daß es ihr ähnlich ging. Die kleine Gruppe näherte sich einer Lichtung, auf der man einige Lagerfeuer glimmen sehen konnte. Dort angekommen, wurden wir unsanft auf den Boden geworfen.

Eine mir sehr bekannte Stimme rief: »Los, bindet ihnen die Fesseln ab!«

Die Krieger befreiten mich daraufhin unverzüglich von den Fesseln. Ich drehte mich um und sah in das Fratzen artige Gesicht von Kir, der mich unerwarteter weise anlächelte. Dabei war ich mir nicht sicher, ob ich sein Lächeln oder sein Grimmen hatte besser finden sollen. Doch ich erkannte immerhin die offene Geste. Er streckte die alte Hand zu mir aus, um mir auf meine wackeligen Beine zu helfen. Ich schreckte jedoch verständlicherweise zurück, da ich mich noch sehr gut an die Schmerzen seiner Nadelblitze in meiner Hand erinnern konnte und stand somit lieber selbst auf.

Inzwischen war auch Mira wieder auf die Beine gekommen und ich stellte brummend vor: »Mira, dieser Zwerg ist Kir, der miese Boss dieser hässlichen Monstertruppe hier, die sich selbst Zyklanden nennen.«

Mira blickte mich nur ein wenig ängstlich an und wäre wohl lieber in Ohnmacht gefallen. Ich spürte dann, wie sich eine kleine Hand auf meine Schulter legte und drehte mich erschreckt um. Nun jedoch, wäre ich jedoch fast ohnmächtig geworden, denn hinter mir stand eine wunderschöne, blonde Frau mit katzenartigen Augen, die eine faszinierende Magie ausstrahlten. Es war meine geliebte Patricia.

Wir umarmten und küssten uns leidenschaftlich, während Kir die noch immer scheue Mira, an eines der Feuer einlud, um etwas zu essen. Patricia und ich gesellten uns ein wenig später dazu und erzählten einander unsere Erlebnisse.

Nachdem wir alle unseren Erzählungen beendet hatten, schwiegen wir betroffen, und bei Mira konnte man kleine Tränen in den Augen blitzen sehen. Kir stand auf und ging, ohne ein Wort zu sagen, ein kleines Stück in den Wald hinein. Er wollte wohl ein wenig alleine sein, da die neuen Nachrichten für seine Krieger und ihn entweder den Tod oder die ewige Verbannung bedeuteten. Verbannung in dieser für ihn so grausamen und fremden Welt war für ihn schlimmer, als der Tod.

Zudem war er sich darüber klar, dass er diese Tatsache wohl bald seinen Männern mitteilen musste. Eine wahrlich nicht einfache Aufgabe, selbst für einen so großen Kriegsherrn und Magier, wie er es war. Schließlich waren ihm diese furchtlosen und tapferen Männer immer treu ergeben gewesen. Es waren letztlich Kameraden, auch wenn sie meistens nur das Leiden und den Tod als gemeinsame Konstante, stets um sich herum hatten.

»Ich hatte schon gedacht, dich niemals wiederzusehen.«, meinte ich unterdessen zu Patricia. Doch auch sie schien sehr betroffen zu sein, da sie sich nun zwischen den Feuern der Welten und der Druiden sah. Sie musste sich entscheiden, welcher Welt sie dienen wollte. Würde sie den Druiden zur Seite stehen, war es ihre Aufgabe, alle hier im Lager, auf der Stelle zu töten. Immerhin waren die Druiden ihre Erschaffer. Sie war das Werk Thorwalds, der sie erschuf, um ihm treu zu dienen. Konnte sie einfach ihren Herrn verraten? Sie bedachte allerdings auch, dass man sie ursprünglich dazu erschaffen hatte, um Leben zu retten und Gutes zu tun. Doch die Druiden folgten nicht mehr diesem Weg. Ihre schier grenzenlose Macht hatte sie korrumpiert und ihren Anstand verdorben. Würde sie sich jedoch gegen die Druiden stellen und dabei helfen, die Welten von diesen gewissenlosen Bestien zu befreien, so musste sie mit dem Tod des letzten Druiden rechnen, selbst auch zu sterben.

Dieses war die uralte Bedingung jener Magie, mit der sie erschaffen wurde. Sie konnte nur weiter bestehen, wenn sie einen der mächtigen Druiden überleben ließ, um von ihm ihre Lebensenergie zu ziehen. Es konnte auch nur die Lebensenergie sein, die eine Beziehung zu dieser Welt hatte, in der sie erschaffen wurde. Daher half es ihr auch nicht, daß Kir ihr angeboten hatte, nach dem Tod des letzten Druiden, etwas von seiner Kraft zu überlassen. Er stammte nicht aus dieser Welt.

Es war ein wirklich trauriger Morgen, an dem niemand von uns sehr viel sprach. Auch drangen nur ganz vereinzelt feine Sonnenstrahlen durch den dichten Nadelwald, so dass es überall auch noch frustrierend kühl und düster war.

Es war erst gegen Mittag, als sich Patricia, Kir, Mira und ich wieder an das kleine Feuer setzten. Wir besprachen unsere jeweiligen Positionen und planten gemeinsam unser weiteres Vorgehen. Patricia hatte sich entschieden und teilte uns mit, dass sie sich unserer Seite anschließen wollte. Sie meinte, dass sie eine neue Gemeinschaft bilden sollten, um den bösartigen Druiden wenigstens ein wenig entgegensetzen zu können. Man sollte versuchen, möglichst viele dieser fremden Lebensformen, mit ihren jeweiligen Stärken und Fähigkeiten, in dieser Gemeinschaft zu vereinen. Es ging schließlich um das nackte Überleben aller Gestrandeten auf dieser Welt.

Kir zögerte etwas und schien uns nicht richtig vertrauen zu wollen. Zu fremd war diese Welt und seine Wesen für ihn. Ich erzählte ihm von vielen einzelnen Pfeilen, die man einzeln leicht zerbrechen konnte. Doch bündelte man sie, so war es selbst einem starken Krieger nicht möglich, diesen Bund zu brechen. Er kannte diese Geschichte noch nicht, nickte doch zustimmend. Patricias Ansicht teilten wir dann doch schließlich alle, und Kir meinte dazu ergänzend, dass man ebenso versuchen sollte, die einzelnen Magien und Rituale der verschiedenen Völker zu vereinen, um daraus eine große machtvolle zu erhalten. So glaubte er, habe man zumindest eine winzige Möglichkeit, diese Gruppe der Druiden vielleicht doch zu besiegen. Eventuell konnte man auf diese Weise sogar den alten Zustand wieder herzustellen. Eine neue Gruppe Magier in dieser Welt zu erschaffen, um damit das Überleben von Patricia zu sicherzustellen, wäre eine denkbare Option. So einen magischen Bund konnte man zudem auch dazu einsetzen, um eine neues und geschütztes Gleichgewicht herzustellen.

Da man aber auch ständig mit feindseligen und primitiven Lebensformen rechnen konnte, blieb es für ihn unerlässlich, ein neues, großes Schutzheer aus den besten und mutigsten Kriegern aufzubauen. Die jeweiligen Anführer der verschiedenen Lebensformen, sie sollten den führenden Stab dieses neuen Heeres bilden und dabei alle die gleiche, paritätische Stimmberechtigung erhalten. Mira und ich sollten als Vertreter dieser Welt, ebenso dem Stab angehören.

Das war typisch für diesen Kir. Sofort dachte er an den Aufbau neuer Machtstrukturen, während die alte nicht einmal besiegt war. Allerdings war mir auch klar, dass es Regeln und Führung in dieser Welt gegen musste, wollte man ein lebenswertes Leben für alle sicherstellen. Alle waren daher mit Kirs Plänen zunächst einverstanden und gaben ganz besonders auch Patricia Recht. Sie befand sich in einer sehr üblen Lage, und wir nahmen alle die Größe des Opfers wahr, das sie für uns zu geben bereit war.

Doch die Druiden wurden immer stärker und planten bereits unsere Vernichtung, wie wir auch ihre Vernichtung planten. Daher beschlossen wir nicht länger zu warten, sondern gleich zu handeln. Kir informierte die Zyklanden über unsere grünen Beschlüsse und gab dem neu gegründeten Stab die Befehlsgewalt über die kläglichen Reste, des einst so gewaltigen Heers.

Wir blieben allerdings noch einige Tage in diesem düsteren Wald, um uns mit möglichste vielen Vorräten einzudecken, uns dabei zu stärken und um uns gegenseitig besser kennenzulernen. Glücklicherweise hatte man uns in diesem Wald offenbar nicht vermutet, so daß wir nicht von den Druiden oder anderen Feinden angegriffen wurden. Viele der schwachen und verletzten Zyklandenkrieger konnte sich daher ganz gut erholen.

Oft dachte ich in dieser Zeit an meinen Freund Milk und hoffte, dass ihn die Druiden nicht gefangen hatten. Sie hätten ihn sicherlich sofort getötet. Auch war ich natürlich viel Zeit mit Patricia zusammen. Wir unterhielten uns viel, vermieden es aber peinlichst, Zukunftspläne für uns zu schmieden. In dieser Zeit im Wäldchen vergaßen wir einfach für immer wieder kleine Augenblicke unsere schlechte Situation und genossen dabei diese kurzen Zeiten sehr. So geschah es, dass wir uns auch körperlich ein wenig näher kamen. Wir genossen die Nähe und küssten uns im Schatten der Bäume immer wieder. Dabei kam es immer wieder auch vor, dass wir uns gegenseitig streichelten und ich ihre festen Brüste zärtlich befühlte. Doch obwohl uns beide die Lust aufeinander immer wieder fest im Griff hatte, siegte doch stets die Vernunft, sich im Schatten dieser Krieger nicht mehr zu geben.

Eines Tages kam es dann zu einem unerwartet schnellen Aufbruch des Heeres. Wir mussten Ausschau nach weiteren Verbündeten halten. Sicher war das keine leichte Aufgabe, und sie steckte voller gemeiner Gefahren. Die Zeit war jedoch gegen uns, und wir alle fühlten das zunehmend.

Am Abend vor unserem Aufbruch entsandte der kriegserfahrene Kir in alle Richtungen erfahrene Späher, die am nächsten Morgen wohlbehalten wieder im Lager eintrafen und uns berichteten. Nur einer von ihnen hatte in südwestlicher Richtung für uns interessante Lebensformen entdecken können, die unsere Auswahlkriterien zu erfüllen schienen. Ein weiterer Späher berichtete auch von der blutigen Spur des Affenheers, das sich offenbar in Richtung Osten bewegt hatte.

Kurze Zeit später brach dann auch unser kleines Heer, aus immerhin etwa einhundert Zyklandenkriegern, Kir, Mira, Patricia und mir, nach Richtung Südwesten auf.

Nach einem halben Tagesmarsch trafen wir auch auf die uns gemeldeten Lebensformen. Es waren etwa zehn Humanoide, die sich jedoch sowohl auf vier Beinen, als auch auf zwei Beinen fortbewegten. So konnten sie mit allen vier Extremitäten zugreifen und arbeiten. Sie waren dadurch sehr wendig und schnell und sahen dabei fast so aus, wie wilde Menschen mit einem besonders großen Hinterkopf. Die seltsam anmutende Gruppe war mit kleinen Schwertern, als auch mit Pfeil und Bogen ausgestattet.

Vorsichtig umzingelten wir sie, ohne dass sie uns zu bemerkten. Zumindest glaubten wir das. Wir beschlossen das ich, als ebenfalls humanoides Wesen, zusammen mit Kir, zunächst allein mit ihnen in Kontakt treten und verhandeln sollten. Wir beide betraten daraufhin die Lichtung, auf der diese Wesen ganz offensichtlich ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Unser Erscheinen verwunderte die Wesen zu unserem Erstaunen kaum. Nur drei von ihnen brachen ihre Aktivitäten ab und kamen auf ohne Furcht uns zu. Wir waren unbewaffnet und hatten kleine Geschenke mitgebracht, die wir ihnen mit freundlichen Mienen anboten. Wie ich schon erwähnt hatte, war Kirs freundliche Miene dabei unser größtes Problem, da sie zum Fürchten war. Die Fremden nahmen uns unsere Geschenke interessiert ab und unterhielten sich in einer, mir tatsächlich noch halbwegs verständlichen Sprache. Ihre Worte klangen wie tiefstes Niederdeutsch aus dem süddeutschen Raum, jedoch mit vielen eingeflochtenen Zischlauten. Sie waren sich offensichtlich nicht ganz sicher, was sie mit unseren Geschenken anfangen sollten.

Ich begrüßte sie auf Hochdeutsch und meinte, dass wir in friedlicher Absicht kamen und dringend mit ihrem Anführer sprechen wollten. Verwundert blickten sie mich an. Doch sie schienen mich verstanden zu haben, da sie uns mit einem Lächeln im Gesicht mitteilten, dass es mit unserer friedlichen Absicht nicht so ganz glaubhaft für war, da man die vielen bewaffneten Krieger in der umliegenden Landschaft längst bemerkt hatte. Wir erklärten, dass dies nur eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen war, da man in dieser Welt bisher allerlei schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Kir erzählte ihnen von den Affenkriegern, und ganz plötzlich konnte man in den Gesichtern dieser merkwürdigen Wesen eine starke Erregung aufkommen sehen. Sie baten uns an ihre Feuerstelle, und wir nahmen ihr Angebot natürlich sofort dankend an. Da wir kaum mehr an eine akute Gefahr glaubten, ließen wir unser kleines Heer kreisförmig um das Lager der Fremden rasten. Patricia und Mira setzten sich zu uns an das Feuer, und wir fragten diese Wesen immer wieder nach einem Anführer. Auch erkundigten wir uns bei ihnen darüber, wie viele von diesen Kreaturen es noch in diese Welt verschlagen hatte. Daraufhin griff eines der eigentlich friedfertig aussehenden Wesen in einer irrsinnigen Geschwindigkeit zu seinem Bogen, setzte einen langen Pfeil an und entzündete ihn an dem Feuer vor uns. Kir wollte schon abwehrend aufspringen, doch ich hielt ihn zurück. Auch die fremdartigen Wesen beschwichtigten uns zur Ruhe und beteuerten Kir, dass man ihn nicht angreifen wollte. Der Bogen wurde mit knarrendem Geräusch gespannt, und der Pfeil wurde surrend hoch in die Luft geschossen.

Nur wenige Augenblick später war unser gesamtes Heer von mindestens fünfhundert dieser Kreaturen umzingelt. Viele von ihnen ritten Pferde ähnliche Geschöpfe, die mit einem ungewöhnlich kräftigen Körper und langen Hinterbeinen ausgestattet waren. Diese ermöglichten es ihnen, enorme kraftvolle Sprünge zu vollbringen. Allerdings sahen sie auch sehr komisch aus, da sie große, befellte Schlappohren an der Seite hängen hatte, die ihnen die Anmut von Riesenkaninchen verliehen.

Gerade als die ersten Zyklandenkrieger in wilder Panik zu ihren Waffen greifen wollten, gab Kir schreiend den Befehl, die Waffen stecken zu lassen. Daraufhin sonderte sich eine kleine Gruppe von Reitern ab und ritt langsam auf uns zu. Nein, wollte ich auch hier ehrlich sein, so war es mehr das Hoppeln riesiger Kaninchen, mit dem sie auf uns zu kamen. Bei uns angekommen, stiegen zwei dieser Wesen von ihren schlappohrigen Reittieren ab und gesellten sich zu uns, an das gemeinsame Feuer. Nachdem wir uns gegenseitig ausgiebig gemustert und anerkennend zugenickt hatten, setzten wir uns alle wieder auf den Boden, und es wurde noch einmal deutlich unsere friedliche Absicht betont. Man erklärte uns, dass wir es hier mit einer kleinen Gruppe des Volkes der Uhi zu tun hatten, die nur ein Teil einer friedlichen Truppenverlegung gewesen waren, als sie sich plötzlich hier, in dieser fremden Welt, wiederfanden.

Vor einigen Tagen hatten sie noch weitere Gruppen ihres Volkes gefunden, nur einige Bauern mit ihren schutzlosen Familien. Leider waren alle kaltblütig getötet worden. Bei ihren Mördern handelte es sich um eine affenähnliche und brutale Rasse, die gewissenlos über die wehrlosen Bauern hergefallen waren. Dieses konnte man aber auch nur anhand einiger zurückgelassener Leichen der Affen mutmaßen, da es keinerlei Überlebende dieser Angriffe gab.

Einige Spähtrupps berichteten zudem von einem gewaltigen Schlachtfeld in der unmittelbaren Nähe und vielen hässlichen, marodierenden Lebewesen, die gierig über die faulenden und inzwischen erbärmlich stinkenden Kadaver hergefallen waren.

Nachdem die Abgesandten der Uhi gesprochen hatten, erzählten wir unsere Geschichte, sowie alle Einzelheiten über unsere Mission. Dabei sahen wir, wie sich die Gesichter der Fremden zunehmend verfinsterten.

»Ich bin Uhibada und Anführer dieser Uhigruppe. Was ihr uns erzählt habt, stimmt mich sehr traurig. Es lässt die Möglichkeit, irgendwann wieder in unsere eigene Welt zu kommen, nahezu in Rauch aufgehen. Auch erscheint mir die Möglichkeit hier zu überleben, sehr gering, da diese schrecklichen Druiden offenbar sehr starke und erbarmungslose Ungeheuer sind. Eure Berichte sind sehr entmutigend, aber auch sehr ehrlich, und dafür danke ich euch.«, sagte ein sehr unscheinbar und fast schon etwas dümmlich wirkender Uhi in seinem eigenartigen Dialekt zu uns. Niemals hätte ich auch im Traum nur daran gedacht, dass gerade dieser unscheinbare Uhi der Anführer dieser Gruppe sei. Er hinterließ auf mich einen fast untersetzten Eindruck und war seinem Aussehen nach, der offenbar jüngste Uhi der Gruppe.

»Doch, ich glaube es gibt sehr wohl eine Möglichkeit, wieder in unsere Heimatwelten zurückzukehren. Der Druide, der sich selbst Thorwald nennt, besitzt ein kleines Notizbüchlein, in dem der machtvolle Zauber, der uns alle hierher gebracht und verbannt hat, aufgezeichnet ist. Auch war Mira bei dem Ritual anwesend gewesen und könnte uns vielleicht dabei hilfreich zur Hand gehen, diesen Zauber rückgängig zu machen.

Schwierig wird es nur sein, an Thorwalds Buch heranzukommen. Aber es ist wenigstens eine kleine Chance für uns und unsere Zukunft.«, meinte ich energisch, und alle sahen mich erstaunt an.

»Richtig, du hast recht Matze! Ich war bei dem Ritual ebenso dabei und bin sogar ein wichtiger Bestandteil von ihm.«, rief Patricia dazwischen.

Es ging ein leises Raunen durch die Gruppe am Feuer.

»Wir werden uns beraten und euch unsere Entscheidung mitteilen. Bis dahin lade ich euch ein, unsere Gäste zu sein. Zwar leben wir hier auch nur in aller Bescheidenheit. Aber was uns gehört, soll auch euch gehören, solange ihr unsere Gäste seid.«, sagte Uhibada, und wir nahmen dieses Angebot dankend an.

Es wurde uns reichlich Fleisch und ein Wein ähnliches Getränk angeboten, während einige der Uhikrieger uns ihre beeindruckenden Kampfkünste demonstrierten. Wir betrachteten dieses Schauspiel mit großer Bewunderung, da die Uhi einfach meisterliche Bogenschützen waren. Auch im Zweikampf erwiesen sie sich, als erstaunlich wendig und konnten auch sehr gut mit Axt und Breitschwert umgehen. Sehr interessant war jedoch ihre Fähigkeit, in bestimmten Situationen, eine besondere Art Schutzschild um sich herum aufzubauen, dass jedoch nur immer nur kurz stabil blieb und dabei leider auch den Kriegern einiges an Kraft kostete. Genau diese Fähigkeit erklärte aber auch, warum die Uhikrieger den Pfeil und Bogen als ihre Hauptwaffe einsetzten, da so ein Pfeil meistens sein Ziel unerwartet traf und sie damit den Schutzschild des Feindes umgehen konnten. Auch setzten sie verschiedene, scheinbar sehr effektive Pfeilgifte ein. Eines dieser Gifte lähmte sein Opfer für einige Stunden, ein anderes Gift tötet selbst nach einem leichten Streifschuss, in nur wenigen Sekunden. Ebenso waren die Sinnesorgane der Uhi erheblich empfindlicher angelegt, als bei den Menschen oder den Zyklanden. Daher war man bei unserer ersten Begegnung nicht sonderlich über unser Auftauchen überrascht, da man unser laienhaftes Anschleichen längst bemerkt hatte.

Wir erfuhren, dass ihre ungewöhnlichen Reittiere bis zu zehn Meter weit springen konnten und eine sehr stabile Haut besaßen, die von einem starken Pfeil lediglich nur oberflächlich angekratzt werden konnte.

Eine große Schwäche der Uhi jedoch war, dass diese Wesen fast überhaupt keinen Geruchssinn besaßen und ihre Küche aus diesem Grund grauenhaft zusammengestellt war und sehr fade schmeckte. Wir mussten uns sehr bemühen, uns diesen Makel nicht anmerken zulassen.

Nach einiger Zeit gesellte sich Uhibada wieder zu uns und informierte uns darüber, dass die Uhi sich beraten hatten und sich uns anschließen wollten. Schließlich hatte man kaum eine andere Wahl, auf dieser Welt und unter den Druiden bestehen zu können.

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das gesamte kleine Heer, und überall konnte man deutlich die Erleichterung spüren und auch immer wieder lautstark hören. So verbrachten wir schließlich den restlichen Tag und die folgende Nacht friedlich zusammen, an unseren kleinen Feuern.

Es wurden gemischte Wachen aufgestellt, doch es blieb, bis auf einen einzigen unbedeutenden Zwischenfall mit einem kleinen Raubtier, ruhig. Dieses Raubtier hatte eine Wache ziemlich wütend angefallen und ein paar üble Fleischwunden zugefügt. Das Tier wurde mit einem gezielten Pfeilschuss jedoch lediglich nur gelähmt und sollte in den ersten Stunden des neuen Tages geschlachtet werden. Der angefallene Zyklandenkrieger starb allerdings nach einigen Stunden, an seinen schweren Verletzungen.

Der neue Tag brach heran und ein lauter Schrei drang durch das noch immer sehr verschlafene Lager.

In dem Käfig, in dem dieses wütende Tier gefangengehalten wurde, lag ein toter Uhikrieger, der an der gleichen Stelle eine Pfeilverletzung aufwies, wie man dem gefangenen Tier zugefügt hatte. Es wurde auch festgestellt, dass der Uhi an einer beträchtlichen Menge des gleichen Pfeilgiftes gestorben war. Uhibada ließ die ganze Umgebung absuchen, da er an eine hässliche Magie glaubte, dessen Ursprung im Lager, oder ganz in der Nähe zu suchen war. Zwischenzeitlich hatten die Zyklanden anstandslos die gesamte Lagerbewachung übernommen. Allerdings blieb die Suche nach dem Mörder ergebnislos, und das Heer rüstete sich schon bald wieder zum Aufbruch, einem Aufbruch in eine ungewisse Zukunft.

Gegen Mittag schließlich war es dann so weit. Dieses seltsam anmutende Heer zog weiter nach Richtung Südwesten. Aus einigen Dörfern erbeuteten sie eine ansehnliche Menge brauchbaren Materials, wie Lebensmittel in Dosen, Benzin, Eisen, Haushaltsgegenstände, aber auch einige Waffen, die man aus einem Waffenladen geplündert hatte. Erst wollten die wilden Zyklanden an diesem Geschäft vorbeiziehen, ohne es weiter zu beachten. Als ich ihnen jedoch erklärte, dass dieses alles sehr brauchbare und wirkungsvolle Waffen waren, und ich ihnen dann noch demonstrierte, wie man die vielen Pistolen und Gewehre einsetzte, waren sie gleich mächtig interessiert. Nachdem einige von ihnen mit den Waffen ausgestattet waren, ließen sie sich ein wenig von mir einweisen. Danach stopften sie sich Munition in ihre Taschen und behangen sich mit den modernen Waffen der Menschen. Auch Mira und ich taten es ihnen sofort nach und fühlten uns dann, mit den Waffen in der Hand, schon erheblich sicherer.

Ich dachte darüber nach, vielleicht eine Kaserne oder etwas Militärisches in der Umgebung zu finden. Denn dort würden sicher bessere Waffen zu finden sein.

Gegen Abend kam es wieder zu einem Zwischenfall, der dem Ereignis des Vortages sehr ähnelte. Ein Geschöpf, welches einem Tiger ähnelte, fiel wieder einen der Zyklandenkrieger an und tötete ihn. Dieses Geschöpf wurde nun jedoch einfangen, gebunden und in einen tragbaren Käfig gesperrt. Bei dieser merkwürdigen Aktion wurden auch zwei Uhikrieger leicht verletzt. Nur die ausgeprägte Wendigkeit dieser Krieger ließ es jedoch zu, dass dieses aggressive und flinke Geschöpf überhaupt eingefangen werden konnte. Um eine weitere Flucht zu vermeiden, ließ Uhibada den Käfig zusätzlich durch erfahrene Männer bewachen. Er hoffte natürlich auch, dass es uns durch dieses Vorgehen vielleicht gelingen würde, die fremde Magie zu entlarven, die er hinter dieser Sache vermutete.

Es dauerte auch überhaupt nicht lange, bis wir dazu eine Gelegenheit bekamen. Doch dieser wären wir besser aus dem Weg gegangen. Wir konnten heimlich beobachten, wie sich aus dem seltsamen Raubtier ganz langsam ein Uhikrieger formte. In dieser gefesselten Form, sah dieser ziemlich bemitleidenswert aus. Kir riet jedoch gleich ab, ihn sofort von den Schnüren zu befreien und wollte ihn lieber vorher eingehend verhören, um vielleicht etwas über den Mittelpunkt dieser Magie heraus zu bekommen.

Doch das Befragen des Kriegers blieb erfolglos. Der Uhikrieger schwieg beharrlich. Uhibada gefiel es gar nicht, dass einer seiner Krieger gefangen gehalten wurde, wie ein wildes Tier. Er war sehr geneigt, ihn wenigstens aus dem Käfig zu befreien. Doch er wusste auch, dass einer von Kirs Kriegern durch diesen Uhikrieger sterben mußte. Das alles war für das frische Bündnis nicht gerade förderlich, und so beugte er sich widerstrebend der Entscheidung, den gefesselten Uhi noch etwas im Käfig zu belassen. So hatte man Gelegenheit, ihn weiterhin eindringlich zu verhören und auch zu beobachten.

Auch Patricia meinte, dass es unter den gegebenen Umständen wichtig war, den Ursprung dieser Magie zu erforschen, um sie vielleicht für unsere Zwecke und gegen die Druiden einsetzen zu können. Vielleicht wollte man sogar ganz bewusst mit dieser Magie einen Keil in das frische Bündnis treiben. Mira und ich sahen das genauso, wie Patricia und stimmten ebenfalls einem längeren Verhör und einer längeren Beobachtung zu.

Bei Einbruch der Dämmerung schlug unser Heer sein Nachtlager auf. Schon bald sah man überall in der Umgebung Zyklanden und Uhikrieger an ihren Rauch armen Feuern sitzen und müde in die Glut starren. Ich dachte darüber nach, an was diese Wesen jetzt wohl gerade dachten und ob sie von ihrer Heimat und ihren Familien träumten, die sie vielleicht niemals wiedersehen sollten.

Kir und Uhibada waren die ganze Zeit über damit beschäftigt, unseren Rätsel umwobenen Uhikrieger weiter zu vernehmen. Doch dieser brachte kein einziges Wort über seine harten Lippen. Aber die beiden erfahrenen Kriegsherren bemerkten, dass mit diesem Krieger etwas nicht stimmte, da der Uhi einen unnatürlichen kühlen Blick besaß, vergleichbar mit dem Blick eines Reptils. Schließlich stimmte Uhibada endlich zu, dass Kir den Krieger mit seiner Magie zum Reden bringen sollte. Kir wusste aber zu gut, dass Uhibada sich nur dazu entschieden hatte zuzustimmen, da er testen wollte, ob der kleine Zwerg Kir tatsächlich eine eigene Magie beherrschte und so mächtig war, wie er angab. Uhibada wollte wissen, mit wem er sich verbündet hatte und dieses konnte man ihm wirklich nicht übel nehmen.

Kir murmelte nur ein paar Worte, hob seine Arme theatralisch in die Luft, und es schossen sofort wieder diese feinen, hellen Lichtblitze aus seinen Fingerspitzen. Diese stoben sogleich auf den ominösen Krieger zu. Die spitzen Blitze drangen, wie damals auch schon bei mir, direkt in die Haut der Arme ein und wanderten langsam zwischen dem Fettgewebe und der Haut entlang. Dabei rotierten sie heftig, und der Uhikrieger schrie dabei ganz entsetzlich. Es verging nur wenig Zeit, bis der Leidende auf dem Boden lag und sich unter seinen tobenden Schmerzen wand.

Da zog Kir die grellen Blitze wieder zurück, und die Wunden an den Armen verheilten ebenso schnell wieder, wie früher bei mir.

Uhibada sah diesem Schauspiel mit staunendem Gesicht zu und ließ Kir jedoch anstandslos gewähren.

»Willst du jetzt endlich reden?«, fragte Kir den Übeltäter. Doch dieser gab nur ein ängstliches Wimmern von sich. Kir ließ sich daraufhin einen Eimer mit kaltem Wasser bringen und schüttete diesen dem Uhikrieger mitten in sein Gesicht. Daraufhin fragte er noch einmal. Doch der Krieger schwieg. Kir dachte eine Weile angestrengt nach und gab dann den Befehl, den Mann endlich frei zu lassen.

Wenige Augenblicke später saß dieser dann, vor Nässe und Angst zitternd, in Freiheit vor ihm. Doch auch ein weiteres Fragen in Freiheit blieb erfolglos, so dass Kir und Uhibada das Zelt vorerst verließen, um sich über ihr weiteres Vorgehen zu beraten.

Das Zelt mit dem schweigsamen Krieger ließen sie weiterhin gut bewachen, und Kir bat Patricia, einen magischen Schild um die Jurte zu legen, da er nicht noch mehr seiner Krieger verlieren wollte.

Kir und Uhibada waren sich nicht ganz sicher, ob von dem Krieger immer noch eine Gefahr ausging. Es bestand immerhin tatsächlich aber auch die Möglichkeit, dass er tatsächlich nichts über seine Verwandlung wusste. Aber jede auch nur kleinste Information über die Verwandlung war wichtig für das Bündnis, da eine Lebensform, die magische Kräfte verfügte und schon zwei Krieger getötet hatte, eine ernste Gefahr für das Heer darstellen konnte.

Mira ging, von reiner Neugier getrieben, zu der Jurte des verdächtigen Uhi und beobachtete den Mann durch das offene Zelt. Der Uhi bemerkte gleich die neugierigen Blicke und verließ die Jurte, um sich zur neugierigen Mira zu begeben. Kaum hatte er jedoch das Zelt verlassen, wurde er von Patricias Energiefeld erfasst und brutal zu Boden geschleudert. Er stand auf und versuchte erneut zu Mira zu gehen und wurde natürlich wieder weg geschleudert.

Die Wachen riefen dem Uhi zu, er sollte sich doch einfach wieder in der Jurte verkriechen und abwarten. Doch dieser ignorierte die Rufe der Wachen, baute sich vor dem Energiefeld demonstrativ auf und öffnete langsam seinen Mund. Aus dem Dunkel seines Rachens erschien ein kleiner, unscheinbarer Käfer und krabbelte auf die herausgestreckte Zungenspitze des Uhi. Der Käfer sah fast so aus, wie so ein einfacher Maikäfer, nur etwas kleiner, und er hatte eine helle, rötliche Farbe. Mira und die Wachen beobachteten dann mit Schrecken, wie sich so etwas, wie eine leuchtende Aura um den mysteriösen Käfer bildete. Einer der älteren Krieger rief laut nach Kir und Uhibada, doch noch bevor die beiden Männer an der Jurte ankamen, war der Käfer einfach aus Patricias Kraftfeld heraus geflogen und schwebte nun vorwitzig vor Miras Gesicht auf und ab.

Das Energiefeld hatte er ohne den geringsten Widerstand passieren können, was bei allen Schrecken auslöste. Mira sah diesen Käfer mit weit aufgerissenen Augen an. Der Uhi, der vorher den Käfer in sich getragen hatte, war in der Zwischenzeit kraftlos zu Boden gesunken und nun ohne Bewusstsein. Kaum waren Kir und Uhibada zu sehen, flog der Käfer unverzüglich auf Kir zu und setzte sich, ohne das dieser überhaupt darauf reagieren konnte, auf dessen faltige Stirn. Reflexartig schlug Kir mit der Hand nach dem Insekt. Doch eine nicht sichtbare, für ihn völlig unerklärliche Kraft hinderte Kir daran, seinen Arm näher, als vielleicht fünf Zentimeter an den Käfer heran zu lassen.

Gleichzeitig schrie der kleine Kir schmerzerfüllt auf, und dünnes Zwergenblut quoll in kleinen Rinnsalen aus seinen Augen und Ohren, sein Gesicht und dann auch den Hals herunter. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sank der Zwerg langsam auf seine Knie, hob jedoch unter größten Anstrengungen die andere Hand, aus der sofort unverzüglich grelle Lichtblitze auf den gefährlichen Käfer zu wirbelten. Doch sie durchdrangen das kleine Kraftfeld des Käfers nicht und wurden lediglich, ohne eine nennenswerte Wirkung zu erreichen, einfach von dem Feld absorbiert.

Uhibada, Mira und die Wachen, als auch einige herbeigeeilte Krieger und meine Wenigkeit, sahen diesem grauenhaften Kampf unseres Gefährten hilflos zu. Schreiend vor Verzweiflung schlug Kir immer wieder seine Stirn auf den harten Erdboden, da auf der Stirn dieser kleine Käfer ihn beherrschte. Die Erde begann stark zu beben, und ein dumpfes Grollen war zu hören, während sich Kirs kleiner Kopf plötzlich in ein blendendes, gleißendes Licht verwandelte. Dann brach Kir ganz in sich zusammen und man konnte erkennen, wie sich diese gleißende Kugel, die einmal Kirs Kopf war, regelrecht in den Boden hinein fraß. Plötzlich wurde es wieder völlig dunkel, und der Käfer surrte harmlos wirkend aus der Erdmulde, in der immer noch der Kopf von dem armen Kir steckte. Das begleitende Kraftfeld dieses Insekts war verschwunden, und der Käfer begann sich, um sich selbst zu drehen, als würde er tanzen. Immer schneller und schneller dreht er sich, so dass man ihn kaum noch erkennen konnte.

Zwischenzeitlich hatte sich Kir aus dem Boden befreit und schüttelte sich benommen den Schmutz aus seinen wenigen, borstigen Haaren. Zwar blutete er nicht mehr sehr stark aus Augen und Ohren, hatte aber eine neue Wunde an der Stirn bekommen, die wohl von diesem seltsamen Käfer stammen musste. Gerade als Kir herumfuhr, um seinen Angreifer erneut zu attackieren, flackerte das inzwischen schnell rotierende Wesen nur einmal kurz auf und schleuderte winzige rote Lichtkügelchen gegen den vor Wut rasenden Kir, die ihn hart auf seiner Brust trafen. Kir wurde sehr weit durch die Luft geschleudert. Krachend fiel er auf eines der Kriegszelte, dass unter der Wucht sofort zusammenbrach.

Davon völlig unbeirrt flog der Käfer zu dem zerstörten Zelt, wohl um seinen ungleichen Kampf fortzusetzen. Doch mit einem Mal sah man über der zusammengefallenen Jurte eine grünliche Wolke aufsteigen, die schnell größer wurde und sich zwischen den Käfer und dem Zelt auftürmte. Der ungeheure Käfer konnte nicht ausweichen, weil er eine zu hohe Geschwindigkeit hatte, flog in die grüne Wolke hinein und verschwand auch vollkommen in ihr. Nach wenigen Augenblicken einer betroffenen und mir gespenstisch erscheinenden Ruhe, verflüchtigte sich die Wolke wieder, und alle konnte, wenn sie genau hinsahen, den Käfer regungslos auf dem Boden liegen sehen.

Kir befreite sich stöhnend und immer wieder hustend aus den vielen Zeltleinen und stolperte zu dem regungslos erscheinenden Käfer. Mira und Uhibada taten es ihm gleich, und man begutachtete das Tier in dem Glauben, es sei tot. Doch gerade als Kir sich zu seinem leblosen Gegner bücken wollte, wurde er von einem hellen Blitz getroffen, der urplötzlich vom Himmel herab zuckte. Der arme Kir wurde schon wieder weit durch die Luft geschleudert und blieb danach regungslos und leicht vor sich hin qualmend, auf dem staubigen Boden liegen.

Durch die Wucht des Blitzes wurden auch Mira und Uhibada weg geschleudert, standen aber nach einigen Sekunden etwas benommen, aber gesund, wieder auf ihren Beinen. Doch was sie dann sahen, ließ sie nahezu erschauern. Der einst so kleine Käfer war nun auf eine Größe von mindestens fünfzehn Metern herangewachsen und bewegte sich, unter üblen, kreischenden Lauten, auf den noch immer völlig regungslosen Kir zu. Einige Krieger sahen ihre Zeit für gekommen und rannten nun auf das Monstrum zu, um ihn von ihrem Heerführer abzulenken. Auch Uhibada blieb nicht untätig und zog sein großes Breitschwert aus der Scheide, um damit sogleich auf eines der riesigen Beine des Ungetüms einzuschlagen. Doch selbst seine kräftigsten Hiebe blieben fast wirkungslos und kratzten höchstens etwas an der dicken Beinpanzerung des Riesenkäfers.

Auch einige inzwischen abgeschossene Pfeile prallten einfach an dem mordenden Käfer ab, ohne ihn auch nur ein wenig von seinem Angriff abzulenken. Völlig verzweifelt schrie die junge Mira um Hilfe. Ich selbst konnte mich gerade noch vor einem der mächtigen Insektenbeine retten, das gnadenlos auf mich herab sauste, als der Käfer versuchte, sich zu drehen. Ich verschoss in großer Panik ein ganzes Magazin aus meiner Pistole, ohne das dieses Monster auf die Schüsse überhaupt reagierte. Uhibada hatte seinen ganzen Mut zusammengenommen und sich an einigen Beinhaaren dieses Ungetüms festgekrallt, um zu wagemutig und selbstlos zu versuchen, an dem Killerkäfer hoch zu steigen. Doch schon beim nächsten Auftreten des Beines verlor er seinen Halt und stürzte hart zu Boden.

Gerade als sich der Käfer zu Kir niederbeugen wollte, wahrscheinlich um ihn zu töten, erklang ein ohrenbetäubendes Krachen, und das gesamte Hinterteil des Käfers brach in den Boden ein. Auf der anderen Seite war inzwischen Patricia zu sehen, in deren Augen bereits ihre magische Energie bläulich leuchtete. Doch wie durch ein Wunder erlangte der Käfer seinen Halt zurück und bündelte seine gesamte todbringende Aufmerksamkeit nun gegen meine hübsche Patricia. Mit einem wütenden Kreischen schleuderte er wieder seine rote Lichtbälle. Nur waren diese Bälle nun, so wie der Käfer selbst auch, erheblich größer und erheblich gefährlicher geworden.

In der Zwischenzeit hatte sich jedoch um Patricia eine dünne, schwach leuchtende Aura gebildet, die diese Lichtbälle mühelos abprallen ließ, so dass diese in großer Geschwindigkeit hoch in den Himmel abgelenkt wurden und dann letztlich in der Dunkelheit der Nacht verschwanden. Patricia zeichnete inzwischen völlig ruhig mit ihrem rechten Zeigefinger einen Kreis in die Luft, der sich gleich materialisierte und auf hart den Boden fiel. Dort zerbrach er wie ein Spiegel in unendliche viele Teile. Er hinterließ aber in der Luft eine Art Loch, aus dem ein gleißendes Licht heraus strahlte.

Patricia winkte ein wenig lockend mit dem Zeigefinger, und das Licht floss fast wie Plasma aus dem Loch heraus. Wie Wasser aus einer Quelle, so ergoss es sich reichlich auf dem Erdboden. Die Lichtflut bewegte sich auf das wütend kreischende Ungetüm zu, das sich nun wieder in sein schützendes Energiefeld gehüllt hatte. Im gesamten Heerlager war es durch die allgegenwärtige Magie inzwischen taghell geworden, und die Krieger starrten ängstlich und verwirrt auf dieses überwältigende Kraftschauspiel der magischen Künste. Die strahlende Lichtmasse schmiegte sich alsbald um die Füße des Käfers und stieg langsam an seinem schützenden Energiefeld hoch, wie eine Schlange an ihrem Opfer. Der Käfer wandte sich nun von Patricia ab und wollte der Bedrohung ausweichen, doch diese beeindruckende Energiemasse hielt ihn ganz fest umschlungen, so dass der Käfer nach einigen Augenblicken von ihr völlig eingehüllt war. Schlagartig und ganz unerwartet brach die riesige Gestalt des Käfers in sich zusammen und nahm seine ursprüngliche, kleine Gestalt wieder an.

Durch den Verlust der Masse gelang es ihm, auf einem Stückchen Boden, der noch nicht mit dieser klammernden Energie bedeckt war, zum Liegen zu kommen. Nur eines seiner Beine hatte es erwischt und schien noch in der gefährlichen Lichtmasse festzukleben. Der kleine Käfer riß sich das unterste Beingelenk einfach ab, breitete seine dünnen Flügel aus, und flog hoch hinaus in den Nachthimmel. Patricia hatte die Flucht bemerkt, was wegen der Größe des kleinen Käfers nicht leicht war, schrie daraufhin laut auf und hob ihre beiden zierlichen Arme. Der Käfer war jedoch nicht mehr zu sehen.

Doch über dem Lager sah man plötzlich ein einen riesigen Schatten, ein gewaltiges Wesen kreisen, und man hörte mächtige Schwingen durch die Luft rauschen. Einige Augenblicke später verschärften sich die Konturen dieses Wesens, und ein riesiger Vogel, der einem schwarzen, übergroßen Albatros ähnlich war, landete direkt vor Patricia und hatte ein kleines, dunkelhäutiges Mädchen im Schnabel. Die Augen von dem schwarzen Vogel leuchteten in unheimlichen Rot, woran man erkennen konnte, dass es ein Geschöpf der Magie war. Patricia kreischte dann erneut laut auf, und der unheimliche Vogel legte, als hätte er einen Befehl seines Meisters bekommen, das bewusstlose Mädchen mitten in die gleißende Lichtmasse hinein und stieg sofort wieder in den nächtlichen Himmel hinauf. Man konnte dort oben nur noch seine roten Augen schwach leuchten sehen, bis auch diese wieder völlig verschwunden waren. Nur sein Kreischen von Zeit zu Zeit konnte man noch eine ganze Weile lang hören, bis schließlich auch dieses verschwunden war.

Patricia strich mit ihrer Hand sanft über das unnatürliche Loch in der Luft, was sich daraufhin wieder langsam zusammenzog und dann ganz verschwunden war. Die Lichtmasse auf der Erde legte sich ganz um das bewusstlose Mädchen, hüllte es ein, und die bläuliche Aura um Patricia herum, sie verschwand wieder völlig.

»Die Gefahr scheint gebannt zu sein!«, rief sie laut zu den noch immer völlig verschreckten Männern und rief danach Uhibada zu: »Das Wesen ist verletzt und in der Energie gefangen. Sorge dich nicht. Wir müssen uns schnell um Kir kümmern. Er wird sonst nicht überleben!«

Sie lief zu dem leblos auf dem Boden liegenden Kir und legte ihn vom Bauch, auf den Rücken. In der Zwischenzeit war auch Uhibada bei ihr angekommen und überzeugte sich davon, dass Kir an einer sehr schweren Brandverletzungen litt. Er nahm den kleinen Kir auf und trug ihn in eine der Jurten, legte ihn dort auf eines der weichen Felle und rief laut nach den Heilkundigen seines Uhi-Heeres.

Diese kamen unverzüglich herbei gerannt und gesellten sich zu dem Medizinmann der Zyklanden, der bereits dabei war, die Wunden seines Herrn zu versorgen.

»Er wird es nicht schaffen und uns unter den Fingern einfach weg sterben.«, sagte Uhibada zu Patricia, die sich zu Kir hinunter gebeugt hatte und ihm nun ihren rechten Daumen auf die verwundete Stirn drückte.

In der Stirnwunde begann daraufhin ein bläuliches Licht zu glimmen, und Patricia wandte sich zu mir: »Dieses Licht gibt ihm wenigstens etwas neue Lebenskraft, wird jedoch nur einen knappen Tag heilend glimmen können. Sollte Kir es nach diesem Tag nicht alleine schaffen, kann auch ich ihm nicht mehr helfen. Er ist wirklich sehr schwer verwundet. Die Magie des Käfers hat ihn durch das magische Feuer verbrannt. Es steht in den Sternen, ob sich die Wunden jemals wieder völlig schließen werden.« Sie gab den Heilkundigen daraufhin noch einige Anweisungen und ging dann mit mir nach draußen, wo Mira und Uhibada schon auf uns warteten.

Wir waren alle sehr schockiert und sahen uns deutlich betroffen das Mädchen an, das noch immer leblos in dem gleißenden Licht lag. Sofort fiel mir auf, dass dem Kind ein Zeh am Fuß fehlte und erinnerte mich sofort wieder an den abgerissenen Fuß des grauenhaften Käfers. Die Wunde am Kinderfuß blutete jedoch nicht und schien schon fast völlig verheilt zu sein.

Inhaltsverzeichnis

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