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»Das menschliche Auge, es entspricht einer Digitalkamera
mit einer Auflösung von etwa 576 Megapixel.«

 

Es ist Abend.
Ich stehe am Fenster und blicke hinaus.
Meine Füße schmerzen.
Meine Nase juckt ein wenig.
Der Nacken ist verspannt.
In meinen Ohren höre ich Rauschen.
Das wird das Blut sein, das durch die feinen Adern gepresst wird.
Schon eine ganze Weile stehe ich hier.
Die Sonne geht bereits unter und taucht den sichtbaren Horizont in ein rötliches Licht.

Kühle Luft atme ich ein.

Meine Bronchien, sie kitzeln ein wenig, als die Luft an ihnen vorbei reibt.
Sie ist angereichert mit den vielen Gerüchen des Tages.

Am Abend mag ich die Luft nicht.
Sie ist meistens sehr widerlich und scheint richtig abgenutzt zu sein.
Ich empfinde sie als ein Gemenge aus Abgasen, dem Schweiß und Geruch vieler Menschen und Gestank von Fäkalien.
Diese Luft scheint mit dem Tod angereichert zu sein, den man bei jedem Atemzug, von sich weisen muss. Nur selten schaffen es im Sommer die Blumen, diesen ekelerregenden Mief, mit ihrem betörenden Duft zu überlagern.
Erst zu ganz später Abendstunde entlädt die Natur dieses Luftgemisch und erfrischt sie auf eine nahezu magische Weise.
Dann fühlt man sich wieder freier und voller Energie, atmet man sie gerne ein und sucht nach den lebendigen Düften.
Doch an diesem Abend ist sie wieder einmal nicht mehr, als die unachtsam verschmierte Unterschrift, des zur Neige gehenden Alltags.

Meine Augenlider fühlen sich schwer an.
Beide Augen brennen und tränen leicht.
Sie haben viel an diesem Tag sehen müssen.
Das wollten sie nicht, doch sie mussten.
Ich bin müde, fühle mich ausgelaugt und ausgenutzt.

Auf die Dächer der Häuser blicke ich nun mit ihnen.
Die Dämmerung lässt die Steingebilde düster und schattig erscheinen. Hinter einigen Fenstern brennt Licht.
Viele Lichter erscheinen mir warm und einladend, andere dagegen, kalt und grell.
Nur eine Straße führt von meinem Haus weg.
Viele Autos stehen an den Seiten geparkt, sauber wie aufgereiht, wie Perlen an einer Perlenkette.
Man hört das Rauschen der Stadt und ein Motorengeräusch.
In weiter Ferne sieht man die roten Rücklichter eines sich entfernenden Fahrzeugs.

Das schwache Abendrot lässt die graue Fassade meines Hauses in oranger Farbe leuchten.
Es ragt ein wenig über die anderen Häuser hinaus, die dort unten bereits im abendlich Schatten, auf die Nacht warten.
Nur ganz leicht und eher schwach angedeutet, hat sich das Rot des Abends, auf das Mauerwerk des Hauses gelegt, in dem ich wohne.
Endlich einmal sieht es schön und einladend aus und nicht nur schmutzig und kalt.
Ist es Traurigkeit, oder ist es Angst, die meinen Brustkorb eng werden lässt?

Schon atme ich die Luft wieder aus.

Nun ist sie warm. Kein Kitzeln der Bronchien ist zu spüren.
Mit dem Ausatmen fühle ich etwas Entspannung.

Meine Augenlider schliessen sich.

Inhaltsverzeichnis

  • Über den Erlebenden

    Ein kostenloses E-Book über das Erleben des Lebens und zur Achtsamkeit. Hektik, Stress und Termine bestimmen unser Leben. Der Alltag rauscht an uns vorbei. Viele Menschen nennen das schlicht und einfach »Leben«. Doch nehmen wir offensichtlich nur einen kleinen Bruchteil von unserem wirklichen...

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  • Der Plan. (1)

    Eigentlich geschieht in meinem Leben ziemlich viel. Es ist ein Leben, bestehend aus vollen Tagen, das führe ich. Doch lebe und erlebe ich es auch? Am Tag, wie auch in der Nacht, erfahre ich Leben und nehme ich es wahr. Die Summe meiner Wahrnehmungen, deren Verarbeitung und meine Schlüsse aus...

    Weiterlesen: Der Plan. (1)

  • Ein Tag. (2)

    »Glück nur in grossen Dosen.«   Ich erinnere mich. Der Tag hatte heute mit einem Einheitsgrau begonnen. Ein typischer Herbsttag liegt hinter mir. Von früh bis spät habe ich mich nur im Auftrag anderer Menschen abgehetzt. Dabei habe ich kaum Zeit gefunden, um etwas zu essen oder einen Schluck zu...

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  • Ein Morgen. (3)

    »Ich sehe mich um und stelle fest, ich bin alleine.Warum habe ich eigentlich noch eine Hose an?« Ich liege in meinem Bett und sehe die Zimmerdecke. Draußen höre ich ein Rauschen auf der Straße. Es regnet wohl. Wind hört sich anders an. Mir schmerzen die Knochen. Offenbar habe ich falsch gelegen. Ich...

    Weiterlesen: Ein Morgen. (3)

  • Eine Stunde. (4)

    »Die sanfte Berührung durch eine andere Welt,sie bricht die Grenzen zum eigenen Weltbild aufund lässt die Sonne, bis in dein Herz erstrahlen.«   Wenn ich voller Schwermut bin und auf den Augenblick konzentriert, dann fühle ich mich meinem Ich ganz nahe. In diesem Augenblick spüre ich alles das, was...

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  • Eine Minute. (5)

    »Alles das, was Du so sehr begehrst, es liegt auf der anderen Seite Deiner Furcht.« Es ist Morgen. Ich öffne die Tür. Die Klinke ist unerwartet kühl. Ja, fast schon kalt ist sie sogar. Das Öffnen der Tür erscheint mir heute ungewohnt schwer. Ich spüre ein leichtes Jucken und Brennen in der...

    Weiterlesen: Eine Minute....

  • Eine Sekunde. (6)

    »Das menschliche Auge, es entspricht einer Digitalkamera mit einer Auflösung von etwa 576 Megapixel.«   Es ist Abend. Ich stehe am Fenster und blicke hinaus. Meine Füße schmerzen. Meine Nase juckt ein wenig. Der Nacken ist verspannt. In meinen Ohren höre ich Rauschen. Das wird das Blut sein, das...

    Weiterlesen: Eine Sekunde....

  • Ein Traum. (7)

    »Ein Traum ist das blasse Abbild von was und von wem?« Nach der Leere kommt das Licht, dann das Bild. Nicht immer kommt das Licht, aber immer das Bild. Ein Raum öffnet sich vor mir. Es ist das Büro. Ungewöhnlich hell ist es. Nur den leeren Schreibtisch kann ich sehen und die hellen Rahmen der...

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  • Eine Vision (8)

    »Engel haben Flügel, mit denen sie in unsere Träume und Visionen fliegen können.« Nach der Leere kommt das Licht, dann das Bild. Nicht immer kommt das Licht, aber immer das Bild und gelegentlich, da folgt ihm ein Es. Auf dem Sofa sitze ich im Wohnzimmer. Es ist dunkel. Ich erkenne es, auch wenn es...

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  • Ein Buch. (9)

    »Warum glauben, wenn man wissen könnte...« Es ist mehr, als nur das Tippen von Worten und das Treffen einer Aussage in einer Datei oder auf einfachem Papier. Das kreative Schreiben ist eine echte Aufgabe und das Arbeiten zwischen den Welten. Der Autor sitzt beim Schreiben auf der Grenze zwischen...

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