Yberseh - kostenlose E-Books und Literatur von Alexander Rossa, phantastisch, Mythen, Fantasy, Kurzprosa, Texte, Leseseite, Reader, Geschichten, Bücher, Existentialismus, Emotionen, Abenteuer

Als der Morgen in Berlin anbrach, war es Memba, die zuerst erwachte.
Neben ihr lag Marani und schlief noch fest.
Da es nicht sonderlich dunkel im Zimmer war, konnte sie ihn recht gut neben sich erkennen. Sie beobachtete den schlafenden Mann eine Weile.
Er gefiel ihr ausgesprochen gut.
Hier in Terra, da sah sie zwar auch ganz gut aus, war aber bereits eine Frau in reifem Alter. Wären sie noch in Karakum gewesen, dann hätte Marani sicher nicht gezögert, sie eifrig zu umwerben. Doch das waren sie leider nicht. So lag sie nun neben ihm und sah den Mann einfach nur an. Sie wollte ihn eigentlich gestern schon verführen. Doch er hatte sie kaum beachtet. Dabei würde sie gerne mit ihm schlafen und ihn tief in sich spüren.
Vorsicht liess sie ihre Hand unter seine Bettdecke gleiten.
Er hatte nur seine weiten Shorts an. Ohne ihren Blick von ihm zu lassen, streichelte sie vorsichtig über den Stoff. Ihre Finger spüren sein Geschlecht.
Sie lies ihre Finger eine Weile dort liegen, wanderten dann aber mutig weiter zu seinen Oberschenkeln. Sie waren warm und weich.
Memba spürte ein deutliches Verlangen nach mehr.
Gerne würde sie mit ihren Lippen seinen noch schlafenden Körper erforschen.
Doch das war ihr verboten. Noch war es das.
Plötzlich raunte Marani etwas im Schlaf.
Blitzartig zog Memba ihre Hand zurück.
Ihre Augen glänzten, als hätte man sie gerade dabei erwischt, eine verbotene Praline gestohlen zu haben.

Durch die hektische Bewegung gestört, erwachte Marani und schlug seine Augen auf.
Er sah Memba direkt in das Gesicht.

»Was ist?! Ist irgend etwas?«, fragte er sie und sah sie schlaftrunken und verwirrt an.

»Nein, nein, es ist nichts. Ich wolle dich nur wecken. Wir müssen uns fertig machen.«, stotterte Memba unsicher.

»Aber es ist doch noch so früh. Was treibt dich nur so zeitig schon an?«, nörgelte Marani müde.

»Wir wollen Marshas Hund abholen. Püppi bedeutet Sicherheit gegen die Umbrae Mortis. Danach wollen wir noch einmal zu der Forschungseinrichtung gehen. Wir müssen heraus finden, was die Ambalosis tatsächlich hier vorhaben. Sie sind mit der offenen Erstürmung ein ziemlich hohes Risiko eingegangen. Das muss einen guten Grund haben.«

Memba warf ihre Bettdecke zur Seite und stand auf.
Sie war nur mit einem dünnen Hemd bedenkt. Marani konnte deutlich ihre nackten Rundungen und ihre Scham unter dem Hemd erkennen.
Er musste sich räuspern.
Memba war sich ihrer Nacktheit natürlich vollkommen bewusst.
Marani, der alte Narr, er sollte nur sehen, was ihm entging.
Sie huschte aus dem Zimmer und begab sich unter die Dusche.

Als sie danach wieder im Zimmer ankam, war Marani bereits fertig angezogen und sah aufmerksam zum Fenster hinaus.
Memba zog sich an, bemerkte dabei aber, wie er immer wieder versuchte, einen Blick auf ihre Brüste zu erhaschen.
Er war also doch so eine Art Mann, dachte sich Memba und lächelte ihn frech an.

Es klopfte an der Tür. Marsha und Tina standen davor.
Marani hatte beide geweckt, als Memba unter der Dusche gewesen war.
Das seltsame Quartett gönnte sich nur etwas Zeit für einen starken Kaffee und machte sich dann sogleich auf den Weg, um Püppi abzuholen.
Die gegenseitige Begrüssung von Marsha und Püppi war ausgesprochen intensiv. Sie fiel für Marshas Gesicht ziemlich feucht aus.
Als Tina und Marani Püppi das erste Mal sahen, erschraken sie nicht wenig.
Er war ein ziemlich grosser Hund. Zudem wirkte Püppi trotz seiner niedlichen Schlappohren ziemlich grimmig und grau.

Dann kehrte die kleine Gruppe mit großem Hund zu der Forschungseinrichtung zurück.
Aus einiger Entfernung beobachteten sie unauffällig das Treiben vor dem Tor.
Es war kein Feuer oder Rauch mehr zu sehen. Nur wenige Menschen waren zu erkennen.

»Wenn wir mehr erfahren wollen, dann werden wir wohl in das Forschungszentrum hinein müssen.«, bemerkte Memba leise.

Marani und Tina waren über diesen Gedanken nicht wirklich erfreut. Immerhin hatte es sie einige Mühe gekostet, dort lebend heraus zu kommen.
Memba bemerkte das zögerliche Verhalten der beiden.

»Zumindest sollten wir versuchen, ein ganzes Stück näher heran zu gelangen. Wir können von hier so gut wie nichts dort unten einsehen.«, kam sie den beiden entgegen.

Marsha pflichtete ihr bei. Sie wollten sich am Rand des kleinen Waldes nahe an das Grundstück heran schleichen. Vielleicht würde ihnen von dort sogar ein Blick über die Mauer gelingen. Doch Marani gab sogleich zu Bedenken, dass es vor der Übernahme der Einrichtung durch die Invasoren der Ambalosis eine Menge Überwachungskameras und eine aufmerksame Wachmannschaft gab. Die beiden Xyrale hofften nun, dass durch die feindliche Übernahme der Anlage, einige dieser Kameras zerstört waren.
Doch es gab keinen anderen Weg, sie mussten einfach erfahren, was dort in der Anlage vor sich ging.

Anfangs kamen sie auch wirklich gut voran. Auch waren keine aktiven Kameras zu erkennen. Durch einen kleinen Riss in einer der Betonmauern, konnte Marsha fast den gesamten Vorplatz zur Anlage einsehen.
Dort standen einige Fahrzeuge. Ebenso konnte sie einige Schatten auf dem hellen Betonboden erkennen, zu denen Objekt und Licht als Bezug fehlten.

»Sie haben Umbrae Mortis dabei.«, flüsterte sie den anderen zu.

Tina sah Memba an. Ihr Gesichtsausdruck war besorgt.
Sie hasste diese Schattenwesen.

Memba sprach einige Laute zu Püppi, der ihr genau zuhörte und offenbar auch antwortete.

»Das ist faszinierend. Diese Xyrale, sie können offenbar tatsächlich mit Hunden sprechen.«, meinte Marani erstaunt.

Püppi sass derweil nicht mehr, sondern stand auf seinen vier Beinen und war plötzlich höchst aufmerksam. Er war angespannt.

Marsha beobachtete in der Zwischenzeit weiter das Treiben auf dem Vorplatz.
Das Tor zur unterirdischen Anlage, es schob sich langsam und behäbig auf.
Es kamen einige Menschen heraus. Offenbar waren es ambalosische Agenten. Ihnen folgten etwa 1,40 Meter grosse, humanoide Gestalten mit einer unnatürlich bleichen Haut. Diese Gestalten unterhielten sich seltsam lallend.

Marsha war entsetzt.
Vor lauter Schreck wäre sie fast nach hinten, auf den Boden gefallen.

»Memba, die Schatten dort hinten auf dem Vorplatz, sie..., sie sind nur Transportmittel. Transportmittel, verstehst du...?«, zischte die junge Frau Memba an.
Ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen.

Memba verstand natürlich sofort, was Marsha meinte.
Jeder Xyral kannte die alten Legenden über schreckliche Wesen, die mit Hilfe der Schatten, tatsächlich zwischen den Erdäen reisen konnten.

»Esgana Cães? Wirklich? Du hast sie gesehen? Ich dachte immer, sie wären nur ein alter Aberglaube.«, gab Memba zurück.

»Nein, dort sind sie. Ich habe einige von ihnen mit eigenen Augen gesehen. Sie sehen genauso aus, wie man sie in den Geschichten immer beschrieben hatte. Memba, was sollen wir jetzt nur machen? Püppi ist in Gefahr!«

Das Marsha offenbar eine ungünstige Entdeckung gemacht hatte, das war Tina und Marani natürlich nicht verborgen geblieben. Sie baten Marsha, doch bitte endlich auch eingeweiht zu werden, was es denn nun mit diesen seltsamen Wesen auf sich hatte.

»Die natürlichen Feinde der Umbrae Mortis sind Hunde. Hunde hassen diese Schattenwesen und stellen ihnen jederzeit und überall nach. Die ambalosischen Agenten nutzen die Schatten für das Abweiden von Xyralum in Terra. Sie bringen Unmengen an Umbrae Mortis in dieses Erdäum. Offenbar mögen die Menschen Terras jedoch Hunde sehr gerne um sich haben, so dass sehr viele Hunde in diesem Erdäum leben. Es gibt in den alten Geschichten der Xyrale Hinweise auf Wesen, die eine Art Symbiose mit den Umbrae Mortis eingegangen sind. Diese Wesen werden Esgana Cão oder Hundewürger genannt. Die Schatten lassen die Hundewürger mit durch die Erdäen reisen. Sie tolerieren sie, weil diese Wesen sich auf die Jagd von Hunden spezialisiert haben. Die Hundewürger ernähren sich von Hunden. Immer wenn sich Hunde den Schatten nähern, treten diese Kreaturen vom Schatten, in das Licht und fallen gnadenlos über die Hunde her.«

Mit ungläubigem Gesichtsausdruck hörten Tina und Marani den Ausführungen von Marsha zu. Marani wälzte sich vorsichtig an den Spalt in der Mauer heran und blickt hindurch. Er wollte sich diese ominösen Hundewürger selbst einmal sehen.

Dort standen tatsächlich diese kleinen, extrem blassen Menschen auf dem Vorplatz.
Sie erschienen ihm etwas dicklich und hatten leicht vorstehende Unterkiefer.
Ein säuerlicher Geruch hing zudem in der Luft.

»An diesem Geruch kann man sie ganz gut erkennen, Marani. Die Esgana Cãos haben unglaublich spitze, nach hinten gebogene Zähne und können ihren Unterkiefer aushaken, so wie man es von den Schlangen auch kennt. Ihre Unterkiefer sind fast gummiartig. Daher lallen sie beim Sprechen derart auffällig. Haben sie erst einmal einen Hund erblickt, so fallen sie augenblicklich über ihn her. Sind es kleinere Hunde, auf die sie es abgesehen haben, dann haken sie einfach ihren Unterkiefer aus. Danach blähen sie ihren Hals mit Luft auf und verschlucken die Hunde komplett mit allem, mit Haut, Fell und Knochen. Bei grossen Hunden gehen sie jedoch etwas anders vor. Sie fallen sie an und schlagen ihre Zähne blitzschnell in die leicht verletzbaren Hundekehlen, um diese brutal aus dem Hals heraus zu reissen. Es umgibt diese Würger stets ein unangenehm saurer Geruch. Ihre Verdauung erfordert es, dass sie von Zeit zu Zeit die unverdaulichen Überreste der Hunde hervor würgen und diese erbrechen. So jedenfalls hat man es mir vor Jahren einmal erzählt.«, berichtete Marsha weiter.

»Auch wenn sie Hunde bevorzugen, so sollten sich jedoch auch Menschen vor ihnen in Acht nehmen. Sie verschlingen hin und wieder gerne auch kleine Kinder, wenn sie sehr ausgehungert sind. Ein einziger, kleiner Biss von so einem Hundewürger kann auch für Menschen durchaus auch tödlich sein, da er fast immer das Blut seines Opfers vergiftet. Die Umbrae Mortis sind für sie eine perfekte Tarnung. Sie treten aus dem Schatten heraus und schlagen einfach blitzschnell und extrem brutal zu. Die Hunde haben fast überhaupt keine Chance.«, warnte Memba.

»Das sind ja richtig niedliche Kerlchen.«, knurrte Marani zynisch vor sich hin, während er weiter das Treiben auf dem Vorplatz beobachtete.

»Was sollen wir nun tun? Die Hundewürger werden Püppi rasch wittern. Er wird unsere Anwesenheit verraten. Wir bringen ihn, als auch uns in Gefahr.«, meinte Memba.

»Vorsicht... Ruhe, sie kommen näher.«, flüstere ihnen Marani zu.

»Wir müssen verschwinden und zwar schnell.«, sagte Marsha und flüsterte Püppi etwas zu.

Der Hund reagierte nervös.
Sofort brach der Vierbeiner auf, um im nahen Waldstück zu verschwinden.
Doch kaum war er los gerannt, hörte man jenseits der Mauer einen lauten, quälend schrillen Schrei.

Die kleine Gruppe erschrak.
Man hatte Püppi offenbar bemerkt.

Sofort lief die kleine Gruppe dem Hund nach, um ebenfalls in den Wald zu fliehen. Doch auf halbem Weg beobachteten sie, wie aus einigen Schatten des Waldes weitere Hundewürger in das Licht traten und sofort Püppi entgegen stürmten.
Offenbar hatten sich einige Umbrae Mortis zwischen den Schatten des Waldes verborgen gehalten, um die Forschungsanlage zu schützen.

Püppi schlug einige Haken, um den Hundewürgern zu entkommen.

Doch diese Kreaturen waren extrem gerissene Jäger. Trotz ihrer eher geringen Grösse und etwas üppigen Körperfülle, waren sie unglaublich schnell und endig.
Immer näher und näher kamen sie dem armen Hund.
Sie stiessen dabei immer wieder diese schrillen Laute aus.
Marsha konnte Püppi nur noch helfen, indem sie die Kraft des Xyralums einsetzte. Doch dann würde sie sich den Schatten als Xyral zu erkennen geben und war selbst in Lebensgefahr. Sollte sie nun einfach dabei zusehen, wie Püppi von diesen Monstern zerfleischt wurde? Nein, das wollte und das konnte sie auch nicht.

So stoppte Marsha sofort ihre Flucht und konzentrierte sich auf das Xyralum der Umgebung. Auch Tina und Marani brachen ihre Flucht ab, als sie erkannten, dass Marsha etwas gegen den Angriff unternahm. Doch hatten sie keine Ahnung, was nun wirklich geschehen würde.

Plötzlich erhob sich auf der fernen Strasse eines der dort geparkten Autos in die Luft.
Es näherte sich den Hundewürgern rasch.
Gerade als sich der erste Hundewürger auf Püppi stürzen wollte, krachte der Wagen auf zwei der gefährlichen Angreifer und begrub diese unter sich.
Weitere Hundewürger folgten nach.
Marsha bewegte mit Hilfe des Xyralums, das inzwischen deutlich angeschlagene Auto erneut in die Höhe. Sie liess den Wagen wild auf der verlassenen Weide herum wirbeln, als wäre das Fahrzeug eine Art Keule aus Blech. Sie erschlug auf diese Weise immer wieder einige der Angreifer. Doch bei jedem weiteren Schlag verlor der Wagen einige Fahrzeugteile, die dann kurz darauf, krachend zu Boden gingen.

Püppi nahm seine Chance wahr und hastete die Weide hinauf, um die Strasse zu erreichen. Er rannte um sein Hundeleben.
Kaum war er auf der Straße angekommen, liessen auch die letzten Hundewürger von ihm ab. Sie eilten zurück in Richtung Wald, um den Schutz der Schatten zu suchen.
Mindestens ein Dutzend von den Esgana Cães lagen, durch Marshas ungewöhnlichen Angriff erschlagen auf der Wiese, verteilt zwischen einigen Autoteilen.
Püppi war gerettet.

Jetzt erst liess der hübsche Xyral das völlig zerfetzte Auto achtlos auf den Boden krachen, um selbst wieder die Flucht auf zu nehmen.
Doch die garstigen Schatten, sie hatten die Anwesenheit eines Xyrals und den betörenden Duft des Xyralums natürlich sofort bemerkt.
Ein schwarzes Schattenmeer kroch den Flüchtenden aus Richtung Wald und Forschungsanlage entgegen und näherte sich ihnen rasch.
Auch das Tor zum Vorhof der Forschungsanlage öffnete sich.

»Los, Marsha! Wir müssen verschwinden! Los, los, los...!«, schrie ihnen Memba zu.

Sie war nicht stehen geblieben, sondern immer weiter in Richtung Strasse geflohen.
Marani und Tina standen noch immer am Hang, als hätten sie Wurzeln geschlagen.
Sie waren zwar schon einige ungewöhnliche Naturphänomene gewöhnt. Jedoch das hier, das war auf für sie zu viel des Ungewöhnlichen.

Plötzlich waren Schüsse zu hören.
Offenbar wurden sie nun auch von ambalosischen Agenten verfolgt.

Augenblicklich waren Tina und Marani wieder bei der Sache und hasteten Marsha nach. Erst jetzt nahmen sie das schwarze Meer der Schatten wahr, das sie bereits fast erreicht hatte.

»Wir schaffen es nicht. Marsha. Wir schaffen es nicht...!«, riefen sie.

Wieder waren Schüsse zu hören.
Auf der Straße hörte man Schreie.
Offenbar war die Auseinandersetzung nun auch von anderen Menschen bemerkt worden.
In der Ferne hörte man das Gebell von Hunden.

Immer näher und näher kamen die Schatten.
Tina stürzte zu Boden.
Marani wollte ihr auf helfen.
Marsha hatte Memba fast erreicht.
Ein Schatten hatte Tina am Fuß erwischt.
Die Umbrae Mortis waren blind vor Gier. Er begann an ihrem Fuß zu saugen, obwohl sie fast völlig ohne Xyralum war. Doch der Geruch des Xyralums, er war überall, und die Gier, die ihn antrieb, sie war unermesslich.
Tina spürte, wie ein feiner Schmerz ihr Bein hoch kroch. Er kroch ganz langsam immer höher und breitete sich allmählich ihrem ganzen Körper aus.
Marani hob sie hoch und wollte sie erneut tragen, so wie er schon einmal getan hatte.
Doch der Schatten blieb an ihr haften.

Wieder waren Schüsse zu hören.

Marani ging zu Boden.
Schon hatte er ebenfalls einen Schatten bei sich, der sich an seiner Hand fest gesaugt hatte.

Oben von der Strasse tauchten plötzlich mit lautem Gebell einige Hunde auf, die sich, ohne zu zögern, auf die grosse Überzahl von Schatten stürzten.
Sofort bildete sich eine Schneise in dem Meer der Schatten.
Auch die Schatten von Marani und Tina liessen sogleich von ihren beiden Opfern ab und zogen sich etwas zurück.
Marani stand auf und wollte weiter zur Strasse fliehen.
Doch er musste erkennen, dass Tina bereits zu geschwächt war.
Der Schatten hatte schon zu lange an dem Körper der jungen Frau gesaugt.
Marani hob sie erneut hoch und trug sie keuchend den Hang hinauf.
Seine Schulter schmerzte wieder.
Er hoffte, dass sich die Wunde nicht erneut öffnete.

Marsha und Memba waren inzwischen auf der Strasse angekommen.
Hinter sich hörten Marani und Tina plötzlich das laute Geheul von Hunden.
Die Menschen auf der Strasse, sie schrien wieder vor Angst und Entsetzen.
Einige der grässlichen Hundewürger waren erneut aus den Schatten, ins Licht gewechselt, um ihre Schattenherren vor den Hunden zu schützen.
Dabei leisteten sie ganze Arbeit.
Die herbei geeilten Hunde, sie starben reihenweise.
Mit jeder der brutal heraus gerissenen Kehlen, nahm das laute Gebell der Meute ab.
Die Hunde hatten gegen die Hundewürger kaum eine Chance.
Die Schatten formierten sich neu.
Nahezu wahnsinnig vor lauter Gier nach Xyralum, näherte sich das schwarze Meer aus Schatten erneut den Menschen.
Viele der entsetzten Schaulustigen auf der Strasse flohen, andere weinten, wagten aber dabei nicht, ihren Blick zu senken.

Als Marani und Tina bei den beiden Xyralen angekommen, sahen sie sich gegenseitig an. Sie hatten Tränen in den Augen und waren völlig entkräftet.
Tina war noch immer geschwächt.
Schüsse waren zwar nicht mehr zu hören. Die ambalosischen Agenten hatten sich wieder zurück gezogen, weil es zu viele Schaulustige gab.
Doch die Schatten waren offenbar nicht mehr aufzuhalten.
Sie näherten sich der Strasse und damit auch den entsetzten Menschen.
In der Ferne hörte man die Sirenen der verständigten Ordnungshüter.
Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bevor an diesem Ort erneut die Hölle los brach. Da war sich Marsha sicher.

Plötzlich höre sie ein lautes Bellen.
Es war Püppi, der hechelnd an der Strassenecke stand.
Richtig, der Hund hatte recht. Sie mussten rasch fliehen.
Die Anwesenheit eines erfahrenen Hundes und den Xyralen, sie war einfach zu gefährlich an diesem Ort. Es war zu früh, für eine grosse Schlacht.
Sie waren einfach unvorbereitet, noch zu schwach und nicht organisiert.
Es war daher nur vernünftig, sich jetzt schnellstens aus dem Staub zu machen.

So gab Marsha den anderen der kleinen Gruppe ein Handzeichen, ihr zu folgen und rannte zu Püppi, ohne sich weiter um zu sehen.
Es hatten sich inzwischen viele ziemlich aufgebrachte Menschen an diesem Ort versammelt. Nicht sehr schwer war es unter diesen Bedingungen für die kleine Gruppe, unentdeckt zu verschwinden.
Sie hasteten fort, in Richtung ihrer Unterkunft.
Die Gruppe musste genug Distanz zu den Schatten aufbauen, damit diese das Xyralum der Xyrale nicht mehr wahrnehmen konnten.
Auch haftete der Geruch an Tina und Marani, da sie dem Xyralum einige Zeit unmittelbar ausgesetzt waren.

Als sie in dem kleinen Hotel ankamen, mussten sie zunächst einmal den Gastwirt davon überzeugen, dass Püppi überhaupt in dem Gasthaus erlaubt war.
Erst als Marani dem Wirt einen Hunderter zu steckte, schien dieser mit dem Hundegast einverstanden zu sein. Aber nur so lange, wie dieser keine anderen Gäste stören würde.
Das war keine leichte Anforderung, bedachte man, dass Püppi ziemlich gross war.

Alle seufzten erleichtert, als sie schliesslich oben im Hotelzimmer angekommen waren und die Tür endlich hinter ihnen geschlossen war.

»Wir müssen sehr aufpassen. Die ambalosischen Agenten wissen nun, dass Xyrale in der Nähe sind. Sie werden nach uns suchen.«, meinte Memba.

»Ja, wir müssen unbedingt eine Art Wache einteilen. Auch sollten wir spätestens morgen eine neue Unterkunft suchen. Etwas, das sicherer ist. Wir brauchen zudem Hilfe. Die Sache hier, sie ist einfach zu groß für uns alleine. Offenbar richten sie hier in Berlin eine große Operationsbasis ein.«, pflichtete Marsha ihr bei und wirkte deutlich aufgeregt.

Sie schaltete den kleinen Fernseher ein und meinte: »Vielleicht berichten sie etwas über den Vorfall. Wir müssen wissen, was dort weiter geschehen ist und wie die Öffentlichkeit mit diesem Ereignis umgeht. Es wird den ambalosischen Agenten überhaupt nicht gefallen, dass sie auf einmal so viele Zeugen in Terra haben. Also hat unsere Aufklärungsaktion doch zumindest etwas Gutes gebracht. Sie müssen nun vorsichtiger sein und kommen mit ihrer Invasion und Ausbeute in diesem Land nicht mehr so schnell voran.«

Im Fernsehen wurde zunächst kein Beitrag über die Vorfälle gebracht.
Memba hatte die erste Wache übernommen und stand am Fenster, um die Strasse vor der Gastwirtschaft zu beobachten.
Tina kümmerte sich um Maranis Schulter.
Memba sah dabei immer wieder kurz zu den beiden hinüber.
Offenbar war sie ein wenig eifersüchtig.

»Die Wunde hat sich nicht wieder geöffnet. Aber du musst besser aufpassen Marani. Eine Infektion hat man sich schnell eingefangen.«, teilte Tina ihrem Patienten mit.

Dann kam ein Sonderbericht im Fernsehen.
Man berichtete über Verletzte in Berlin. Ein ungewöhnliches Naturphänomen war in der Nähe einer Forschungseinrichtung für Agrarforschung in Berlin beobachtet worden, bei dem einige Anwohner verletzt worden waren. Es würde allerdings keine Gefahr mehr bestehen. Dann wurde ein Mann befragt, den Tina und Marani nur zu gut kannten. Es war tatsächlich der kleine Professor, der den Zuschauern versicherte, dass doch alles in Ordnung wäre und die Naturphänomene nichts mit den Forschungsarbeiten in dem Institut zu tun hatten. Man würde lediglich neue Düngersorten für die Landwirtschaft erforschen. Das sei ein stark nachgefragter Wachstumsmarkt, so meinte er jedenfalls. Alles sei ganz harmlos. Mit einem lächelnden Gesicht des kleinen Professors im Abspann, wurde der Bericht dann auch schon wieder aus geblendet.

Tina und Marani sahen sich erstaunt an.
Unglaublich.

»Kennt ihr den Typen?«, fragte Memba.

»Ja, das tun wir in der Tat. Es ist unser ehemaliger Boss. Er ist der Leiter unserer Antiterrorgruppe im Kampf gegen diese Invasion. Er war es, der uns angeworben hatte.«, antwortete Marani mürrisch und sah Memba dabei an. Das blanke Entsetzten war in seinen Augen deutlich zu erkennen.

»Offenbar hat er die Seiten gewechselt, euer lieber Boss. Dieser Mann, er ist ein Xyral. Er leitet die ambalosischen Agenten an. Wahrscheinlich ist er für die Invasion sogar verantwortlich, dieser miese Kerl.«, schnaubte Marsha wütend dazwischen.

Püppi lag auf dem kleinen Teppich vor der Zimmertür und schlief. Allerdings schliefen Hunde nur selten so richtig tief und fest. Mit einem Ohr war so ein Hund stets bei der Sache und hörte auf alle ungewöhnlichen Geräusche. Damit stellte er fast schon eine echte zweite Wache auf Posten dar. Püppi war zudem besonders aufmerksam. Ihm steckte noch die Bedrohung durch die Hundewürger in den Knochen.

»Ja, offenbar haben die ambalosischen Agenten in Terra bereits ganze Arbeit geleistet. Sie haben die wichtigsten Posten bereits unterwandert. Wahrscheinlich werden sie bald damit beginnen, ihre ausgehungerten Schattenherden zu formieren, um sie das Xyralum Terras im großen Stil abweiden zu lassen. Daher schaffen sie auch diese Esgana Cães herbei. Sie sollen die Schattenherden gegen aufdringliche Hunde schützen. Jetzt ergibt das alles langsam einen Sinn.«, meinte Memba und beobachtete dabei aufmerksam die Strasse weiter.

Marsha nickte nur: »Wir benötigen Internet. Die restlichen Xyrale Terras, sie müssen informiert werden. Auch brauchen wir einen guten Plan. Wir sollten die Hundewürger erledigen und die Herden am Abweiden des Xyralums stören. Auch müssen wir schnell ein Mittel finden, die ambalosischen Agenten daran zu hindern, in die Menschen hinein zu reisen.«

»Ja, aber wir brauchen auch etwas Essbares. Ich sterbe vor Hunger.«, warf Tina ein und zog dabei eine missmutige Grimasse.

Sofort war Püppi hellwach, sprang auf und sah hechelnd seine Herrin Marsha an.
Er war eben ein typischer Hund. Wenn es etwas zu Essen gab, es um Essen im Gespräch ging, war er immer sofort mit dabei und stets hellwach.
Alle lachten. Es war ein befreiendes Lachen.
Gut war es, endlich auch einmal wieder lachen zu können.
Memba blickte vorsichtig zu Marani, der ihren Blick erwiderte. Endlich hatte er sie bemerkt.
Marani hatte sie in der Tat bemerkt. Sie konnte es kaum fassen.
Wenn Memba lachte, dann war sie einfach noch viel hübscher, als sie es ohnehin schon war. Ihre Augen strahlten ihn nun regelrecht an. Das sie nicht mehr blutjung war, bemerkte Marani in diesem Augenblick überhaupt nicht.

Marsha brach mit Püppi umgehend auf, um einen Laptop für das Internet und etwas Essbares für die kleine Widerstandsgruppe zu organisieren. Sie wollte vor Einbruch der Dämmerung zurück im Gasthaus sein. In diesen Zeiten war es für einen Xyral in einer so feindlichen Umgebung, einfach viel zu unsicher, zumal sich auch noch einige gefährliche Hundewürger in Berlin aufhielten.

Der Nachmittag verlief ruhig. Die Nachrichten im Fernsehen berichteten kaum mehr etwas über dieses angebliche Naturphänomen. Augenzeugen wurden ebenfalls nicht gezeigt. Offenbar wurde der Vorfall hinter den Kulissen von ambalosischen Agenten heftig herunter gespielt.

Mit dem Untergehen der Sonne war Marsha tatsächlich wieder in das Gasthaus zurück gekehrt und hatte alles organisiert, was sie erledigen wollte.
In der Zwischenzeit hatte sich Tina jedoch bereits einen Schokoriegel in der Gastwirtschaft gekauft, um ihren Hunger etwas zu stillen. Die Küche jedoch, sie hatte am Nachmittag leider geschlossen.
Marsha brachte Pizza und Mineralwasser mit. Obwohl das Essen nur noch mässig warm war, fielen alle sogleich darüber her. Sie hatten alle den ganzen Tag kaum etwas gegessen. Natürlich waren sie sehr ausgehungert. Selbst Püppi bekam etwas von der Pizza ab.

Nach dem Essen versuchte Marsha Kontakt zu anderen Xyralen herzustellen. Zwar war die kleine Gruppe nun nicht mehr ausgehungert, doch fühlten sie sich nicht wohl.
Es herrschte nun ein richtiger Krieg, und das wurde ihnen mehr und mehr bewusst.

Nach einiger Zeit hatte Marsha zwei weitere Xyrale erreicht, die inzwischen auch schon von ambalosischen Agenten bedroht wurden. Es würde sicher sehr schwer werden, eine ganze Armee gegen die Invasion aufzustellen, zumal man niemanden mehr vertrauen konnte.

Als es schon spät am Abend war, nur eine Kerze brannte noch im Zimmer, hatte die kleine Gruppe noch immer keine Idee.
Dunkel war es in dem kleinen Zimmer. Alle waren müde.

Plötzlich kam eine leuchtende Kugel durch die Wand in das Zimmer geflogen.
Diese kleine Sphäre schwebte etwa einen Meter über dem Boden.
Es war ein Licht der Hoffnung. Die Menschen Terras, sie kannten diese Lichter nur aus alten Märchen. Den beiden Xyralen waren derartige Phänomene nur aus dem Umfeld der Hexerei bekannt. Doch eine Erklärung hatten sie alle nicht.
Daher waren sie ganz aufgeregt und ihre Herzen klopften vor Angst.
War das wieder eine Teufelei der ambalosischen Agenten?

Doch wirkte dieses schwebende Licht so zart und zerbrechlich, als dass man glauben mochte, dass es etwas Böses im Sinn haben könnte.
Das Licht der Hoffnung näherte sich Marani.
Erst als sein Schein das Gesicht des Hellsehers ein wenig erhellte, hielt es schwebend inne. In Maranis Kopf formte sich eine weibliche Stimme, die aus der Ferne zu ihm drang. Zunächst verstand er nicht, was sie zu ihm sagte, doch dann wurde sie immer lauter und klarer. Die anderen im Raum, sie konnten die Stimme nicht hören. Doch an dem Gesicht von Marani war deutlich abzulesen, dass offenbar etwas mit ihm geschah.
Die drei Frauen beobachteten angespannt das Treiben.
Was sollten sie auch anderes tun?

»Gerd, bitte fürchte dich nicht. Ich bin nicht hier, um dir zu schaden. Die Menschen kennen dich als Marani, und so will auch ich dich ansprechen. Du bist in grosser Gefahr. So bin ich hier, um euch zu berichten, was es zu berichten gibt.«, verstand Marani die Stimme in seinem Kopf.

Dann schien es ihnen, als würde das Licht der Hoffnung zu allen laut sprechen, was jedoch nur eine Illusion war. Die Sphäre drang in die Köpfe aller Menschen im Zimmer ein und erklärte sich auf diese Weise allen.
Während das Licht der Hoffnung zu ihnen sprach, war es völlig still im Raum.
Nicht einmal die Kerze auf dem Tisch flackerte. Die Stimme, sie klang jedoch schwach und schien sehr entfernt. Eine weite Reise hatte das Licht der Hoffnung zurück gelegt. Zahlreich waren die Störungen und die Einflüsse zahlloser Erdäen auf seinem Weg gewesen. Doch die Sphären, sie erreichten stets ihr Ziel.

»Ihr seid alle in grosser Gefahr. Eine Föderation abtrünniger Xyrale und hoch entwickelter Erdäen versucht alles Xyralum und all die Hoffnung dieser Welt für immer an sich zu reissen. Sie sind bereits hier, und sie werden jeden Tag stärker. Um sie aufhalten zu können, muss es einen Bund zwischen Xyralen und Eingeweihten geben. Die Übersinnlichkeit und das alte Wissen um die elementaren und latent vorhandenen Kräfte des Menschen, sie müssen eine Renaissance erfahren. Führt eure Mitmenschen von der Dunkelheit des Nichtwissens hinein in das Licht der Erfahrung und Anwendung. Dieses Erdäum ist euer Erdäum. Niemand hat mehr Einfluss auf die Geschehnisse in und um Terra, als seine Menschen. Die Invasoren finden ein Erdäum der Schlafenden vor und haben leichtes Spiel. Es ist die Zeit gekommen, um die Menschen aufzuwecken und sie zu einen.«, sprach das Licht.

Marani fand als erster die Möglichkeit, dem Licht der Hoffnung zu antworten. Offenbar war die Gabe der Hellsichtigkeit tatsächlich sehr ausgeprägt bei ihm.

»Warum sollten wir dir trauen? Wie sollen wir Millionen Menschen in kurzer Zeit erwecken? Sollten wir es uns gelingen, wie sollen die Menschen lernen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und in kurzer Zeit zu kultivieren? Das ist doch alles Irrsinn.«, entsandte Marani seine Gedanken.

Plötzlich sahen ihn die drei Frauen ziemlich verärgert und anklagend an. Da bemerkte er, dass sie seine Gedanken nicht hören konnten und wiederholte seine Fragen noch einmal laut. Die Frauen nickten zustimmend.

»Ob ihr mir trauen könnt oder nicht, diese Entscheidung kann ich euch nicht abnehmen. Doch einer der Xyrale hier im Raum kennt einen Mann mit dem Namen Jan. Dieser Mann hat uns sein bereits Vertrauen geschenkt.«, klang das Licht der Hoffnung in ihren Köpfen.

Marsha war sofort hellwach.
Jan? Was hatte Jan mit der ganzen Sache zu tun?
Eigentlich sollte er sich in seiner Kellerwohnung selbst bemitleiden oder leere Flaschen aus dem Müll suchen. Marsha war erstaunt.

»Ihr habt alle Möglichkeiten bei euch, diese Aufgaben zu erfüllen. Die Herrschaft Terras, sie liegt in euren Händen. Noch liegt sie dort. Damit das so bleibt, müsst ihr schnell handeln. Jene mit dem Namen Tina unter euch, sie hat eine Fähigkeit, um alle Menschen dieses Erdäums zu erreichen. Sie kann alles Wissen und alle Erfahrungen zu den Menschen transportieren, ohne das die Schatten es erfahren. Sie lebt ein Bündnis mit dem Wasser. Schatten sind frei von Wasser. Menschen bestehen weitgehendst aus Wasser. Ihr solltet darin eine Stärke erkennen. Nutzt das Bündnis zum Wasser und die Hellsicht. Verbündet euch mit den Xyralen und Kulturen anderer Erdäen. Es sind Xyrale unter euch. Sie werden reisen können, um schneller zu sein, als die Föderation. Lasst die Menschen den alten Pfad neu für sich entdecken. Nur über den alten Pfad werden wir eine Chance haben, die Föderation in ihre Schranken zu weisen.«

Das Licht der Hoffnung wurde schwächer. Kaum noch war seine Stimme in den Köpfen der Menschen wahrzunehmen. Tina versuchte sich zu konzentrieren.

»Wie soll ich das anstellen? Noch niemals zuvor habe ich mich so weit hinaus gewagt. Das Bündnis zum Wasser, es ist mehr eine Ahnung, deren Ursprung mir völlig unbekannt ist? Was und wer ist es, das Wasser? Nur eine einfach Frau bin ich, eher unsicher und voller Fehler.«

Doch ihre Gedanken, sie waren nur für Marani zu hören, der sie traurig ansah.
Die beiden Xyrale konnten sie nicht hören.
Sie sahen Tina erwartungsvoll an.
Doch inzwischen war das Licht der Hoffnung kaum noch zu erkennen.

Ganz entfernt und leise drang seine Stimme zu Tina vor: »Du musst dir selbst vertrauen. Nur so kannst du die Heirat mit dem Wasser vollenden.«

Marani und die beiden Xyrale konnten diese letzte Botschaft schon nicht mehr wahrnehmen. Sie war nur für Tina bestimmt.
Das Licht der Hoffnung war verschwunden.

In Tinas Augen sammelten sich Tränen.
Die Verantwortung sollte nun sie tragen?!
Sie war verzweifelt und voller Angst. In ihrer Brust pochte das Herz, und es fühlte sich unangenehm an. Sie sollte das Wasser heiraten.
Dabei fürchtete sie sich mehr vor dem Wasser, als das sie es mochte.
Das Wasser schien zu leben, eine eigene Intelligenz und einen eigenen Willen ausgeprägt zu haben. Tina war dieser Kraft nicht gewachsen.
Das ganze Erdäum Terra, es bestand überwiegend aus Wasser. Alle Lebewesen lebten überwiegend durch und mit dem Wasser, und sie waren selbst, auch aus ihm. Auch die Luft, welche die Lebewesen dieser Welt atmeten, sie war angereichert mit Feuchtigkeit.
Tina war doch nur eine einfache Frau?
Sie war nicht besonders kräftig, nicht wirklich mutig, und sie hatte auch nur einen einfachen Schulabschluss.
Memba kam näher und nahm Tina vorsichtig in ihre Arme, um sie zu trösten.

»Aber, aber liebe Tina. Du bist doch nicht alleine. Wir alle hier sind bei dir, um dir zu helfen. Das Licht schien viel über uns und den Konflikt zu wissen. Es wird nicht sein Vertrauen in uns und vor allem auch dich setzen, wenn du nicht auch in der Lage wärst, diese Aufgabe zu bewältigen. Immerhin hängt viel davon ab. Wir alle zusammen werden das schaffen. Es ist zur Zeit unsere einzige Spur in Richtung einer Lösung.«, meinte Memba.

Marsha nickte zustimmend. »Richtig, Memba, das Licht, es wusste von Jan. Auch wenn dieser alte Xyral zur Zeit in Selbstmitleid versinkt und sich hängen lässt, so kenne ich ihn gut genug, um ihm zu vertrauen. Jan ist geheimnisvoll. Er war einer der mächtigsten Xyrale seiner Zeit. Auch wenn er nun eher alt und ohne kindliche Phantasie ist, um noch das Xyralum kontrollieren zu können, so verfügt er über eine Menge Wissen und Erfahrung. Vielleicht hat er das Licht geschickt. Wir sollten versuchen, den vorgeschlagenen Weg zu gehen. Erst kürzlich war ich bei ihm, um ihn um Hilfe zu bitten. Vielleicht hat sich Jan inzwischen besonnen und versucht uns auf diese Weise zu helfen. Ist doch möglich, oder?«

»Wo ist er dieser Jan, wenn er so ein edler Kerl ist? Das wird seine Welt von fremden Mächten erobert und er schickt flüsternde Lichter, die alles nur noch komplizierter erscheinen lassen.«, spottete Marani.

Püppi lag vor der Tür, streckte sich und gähnte.
Der Hund hatte auf das Licht der Hoffnung überhaupt nicht reagiert.
Für Marsha war das ein ziemlich sicheres Zeichen, dass diese ominöse Lichtkugel keine schlechten Absichten gehegt hatte.
Sie sah Memba fragend an. Doch sie war unsicher.
Immer wieder blickte sie zum Fenster hinaus, obwohl eigentlich Marani Wache halten sollte.

»Bitte streitet nicht. Es ist meine eigene Entscheidung. Ich muss mich dazu entschliessen, dem Wasser zu vertrauen und mich mit ihm zu vereinen. Ihr habt alle keine Ahnung von der Macht und den Möglichkeiten, die dieses Element in sich trägt. Alle Erfahrungen aus der gesamten Vergangenheit der Menschheit dieser Welt sind in ihm verborgen und abrufbar. Das Wasser ist einer der Götter dieser Welt. Es hat die Macht alles zu zerstören, neues Leben zu ermöglichen oder es zu unterbinden. Ich muss einen Weg zu ihm finden, um es dazu zu bewegen, uns zu helfen. Es ist etwas ganz anderes, Wasser zum Kochen zu bringen, als mit ihm ein starkes Bündnis einzugehen. Was habe ich ihm schon anzubieten?«, offenbarte sich Tina der Runde.

»Du hast recht, mein Kleines. Wir müssen Risiken eingehen, um diese Invasion aufzuhalten. Es ist Krieg. Der Feind ist stark und skrupellos. Wir sollten es zumindest versuchen.«, meinte Memba.

Marani sah sie an.
Ihm fielen ihre makellosen, vollen Lippen auf.
Vielleicht lag es am Kerzenlicht?
Immer mehr hatte er Blicke für die Schönheit Membas.

»Wie sollen wir nun weiter vorgehen? Was können wir tun, um dir zu helfen, mit dem Wasser Kontakt aufzunehmen?«, wollte Marsha wissen.

»Eigentlich müsst ihr nichts tun. Ich muss nur hinaus an einen Ort, den man nicht sogleich einblicken kann. Überall ist Wasser. Wenn es mit mir verhandeln möchte, dann wird es verhandeln. Möchte es mich töten, dann wird es mich töten. Beliegt es ihm, alle Menschen dieser Welt zu vernichten, dann wird es dieses umsetzen, ohne einen weiteren Augenblick Zeit zu verlieren.«, erklärte Tina.
Sie sah dabei nicht wirklich glücklich aus. Ihre Hände zitterten.
Sie fürchtete sich und ihre Augen waren inzwischen rot vom Weinen.
Auch Marsha fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, eine derart machtvolle Urgewalt überhaupt mit in ihre Pläne ein zu beziehen. Doch versuchte sie, es sich nicht anmerken zu lassen.
Marani hielt von allem ohnehin nicht viel. Alles schien so unwirklich zu sein, wäre da nicht der Schmerz seiner verwundeten Schulter. Sie schmerzte bei einer ungünstigen Bewegung immer wieder einmal.

»Dann lasst uns aufbrechen. Wir gehen in den Hinterhof. Dort gibt es nur ein kleines Fenster zur Küche dieser Gastwirtschaft. Auch können wir die Zugänge gut kontrollieren. Wir sollten die Umbrae Mortis und die ambalosischen Agenten nicht unterschätzen.«, meinte Marsha und sah in die Runde.

An dem Tonfall konnte Püppi hören, dass die Gruppe nun wohl aufbrechen wollte.
Er stand auf und streckte sich.
Marsha verständigte sich mit ihm auf Hundeart.
Püppi zog daraufhin ängstlich seinen Schwanz ein und setzte sich ungewöhnlich brav vor die Tür.

»Offenbar bereitet ihm der Gedanke an dieses Element ebenfalls einiges an Sorgen.«, meinte Marani leise und musste verhalten Schmunzeln.

»Das ist nicht witzig.«, fuhr ihn Memba giftig an und boxte ihn sanft in die Seite.

Die Gruppe begab sich in den Hinterhof und vermied es dabei, Aufsehen zu erregen.
Es gab zwei Zugänge, die sie überwachten.
Marsha und Tina stellten sich mitten in den Hof, der von Häusern umschlossen war.
Es war dunkel. Durch das Fenster zur Küche schien etwas Licht.
Ohne dieses Licht wäre es völlig finster gewesen.
Der Himmel war leicht bedeckt. An einigen klaren Stellen am Himmel konnte man die Sterne zwischen den Wolken erkennen.
Püppi war unruhig.
Auch Memba war nervös.
Es war nicht gut, in der Dunkelheit hier herum zu stehen.
Es waren zu viele Umbrae Mortis in der Stadt. Es konnte bereits einige dieser Kreaturen hier ausharren und nur auf einen günstigen Augenblick warten, um sie anzugreifen.

»Na, dann fange doch einfach an. Ich weiss nicht, was du vor hast. Leg' einfach los.«, flüsterte Marsha Tina zu.

Die zwei Köche in der Küche hatten bisher keinerlei Notiz von ihnen genommen.
Offenbar hatten die beiden an diesem Abend viele Gäste und daher auch ganz andere Sorgen.

Tina nickte Marsha kurz zu.
Dann öffnete sie ihre beiden Hände und atmete tief ein.
Sie schien sich auf den Kontakt zu konzentrieren.
Marsha trat ein wenig zurück. Sie wusste nicht, was geschehen würde.
Das wusste keiner von ihnen an diesem Abend.
Plötzlich wurde die Luft um Marsha und Tina deutlich kühler. Ihr warmer Atem begann zu kondensieren. Zunächst löste er sich in der Luft auf. Doch dann war zu beobachten, dass sich ein feiner Nebel um die beiden Frauen herum bildete.
Tina nahm Kontakt auf.
Ihr Flehen und Ersuchen, es verteilte sich in die unzähligen Wassertropfen des feinen Nebels. Trafen sich zwei Tropfen, so gaben sie die Information weiter. Auf diese Weise infizierte Tina immer mehr Wasser um sich herum, mit ihren Gedanken, ohne das auch nur ein Laut von ihr zu hören war.
Der Nebel stieg immer weiter zum Himmel hinauf und verband sich dort mit den Wolken. Doch auch Marsha spürte etwas.
Offenbar hatten die Nebeltröpfchen sich mit ihrem Schweiss verbunden und einen Kontakt zu dem Wasser ihres Körpers hergestellt.
Sie spürte auf einmal, wie ein Meer an Gefühlen in ihr gewaltige Wogen zu schlagen begann.

Wolken über dem Hinterhof verbanden sich und senkten sich allmählich.
Erste Regentropfen fielen herab.
Der Boden im Hof und die beiden Frauen, sie wurden nass.
Ganz tief hingen die Wolken nun in den Hof hinein.
Fast wie ein Arm, so erstreckte sich ein schmaler Ausläufer dieser Wolken bis zu Tina, um sie fast vollständig ein zu hüllen. Es schien fast, als würde sie von einem Finger dieser Wolke berührt werden.

Über das Wasser der Wolken und das Wasser des Nebels war die zierliche Frau mit dem Himmel und den Wesenheiten, die um sie herum waren, verbunden.
Das Wasser umschloss alles. Es war allem Lebendigen vor Ort nahe und berührte sie.
Man konnte sich dem feuchten Element kaum entziehen, da natürlich auch der feine Nebel in der Atemluft seine Menschen sicher erreichte.
Tina und Marsha waren nach kurzer Zeit, bis auf die Haut gehend, nass.
Überall schien nun Wasser zu sein und sich über ihren Köpfen wie ein Wirbel zu drehen. Ganz langsam und behäbig drehte sich die Wolke.
Tina zeigte sich jedoch von allem zunächst ziemlich unbeeindruckt und war völlig auf ihren Kontakt konzentriert. Es lag eine eigenartige Energie in der Luft und man konnte fast meinen, es wäre eine fremde Wesenheit vor Ort. Offenbar hatte Tina die gesuchte Aufmerksamkeit des Wasser gewonnen.

Die Menschen in ihrer Nähe spürten plötzlich ganz intensiv das Leben in sich. Aufgewühltheit und tiefe Trauer lösten sich in schneller Folge ab.
Eine seltsame und kaum zu definierende Form der Verzweiflung erfasste die Gruppe.
Fast schien es ihnen, als würde das Wasser sie anflehen und regelrecht um mehr Beachtung buhlen.
Doch es war doch nur Wasser.
War Wasser tatsächlich überhaupt in der Lage dazu?

In Marshas nassem Gesicht vermischten sich ihre Tränen mit dem kalten Nass.
Der Kontakt mit dem Wasser, er war unbeschreiblich.
Fast erschien es Marsha, als hatte das Wasser den Kontakt zu den Menschen regelrecht ersehnt. Über so viele Jahre hinweg war es durch die Leitungen, Rohre und Wasserhähne gepresst worden. Die Menschen hatten es verstrahlt und achtlos mit ihrer Chemie belastet. Es hatte über eine so lange Zeit hinweg vollkommen unbeachtet, riesige Mengen an Leid, Blut und Schmutz transportieren müssen. Es war für die Menschen eben nur schnödes Wasser gewesen. Dabei war es eines der grundlegenden Elemente für alles Leben.
Es war eine Prämisse für das Leben in Terra selbst.
Wasser war tatsächlich dazu in der Lage, Mitleid zu empfinden.
Es war sogar dazu verdammt, diesen Schmerz und das Leid für alle Zeiten zu speichern und mit sich zu tragen. Es hielt unbeschreibliche Mengen an Informationen für das Leben in Terra bereit. Doch das Leben in Terra, es war einfach nicht in der Lage gewesen, diese Informationen abzurufen und für sich nutzen.

Aber nun, an diesem eher unscheinbaren und gewöhnlichen Abend, da stand plötzlich eine zierliche Menschenfrau in einem schäbigen, schmutzigen Hinterhof einer grauen Stadt der Menschen und suchte bereitwillig Kontakt. Einfach so und ganz spontan schritt sie heraus und suchte Kontakt.

Das viele Wasser, es verursachte inzwischen ein ziemlich lautes Rauschen, das den arbeitenden Köchen in der Küche des Gasthofs natürlich nicht entging. Einer von ihnen wollte wegen dem offensichtlich schlechten Wetter, das Fenster schliessen.
Mit geöffnetem Mund blickte er jedoch nun aus dem Fenster.
Es schien fast so, als wollte er einfach nicht glauben, was er dort sah.
Er rief seinen Kollegen herbei, der ihm allerdings nicht gehorchte.
Es war einfach zu viel Arbeit an diesem Abend.
Doch das schien den Koch, der am Fenster stand und staunte, nicht zu stören.
Das ungewöhnliche Naturphänomen im Hinterhof, es hatte Besitz von ihm ergriffen. Inzwischen hatten ihn der feine Nebel und das Wasser erreicht.
Auch er schien durch die Flut der Gefühle, wie gelähmt zu sein.

Tina hielt den Kontakt aufrecht und kommunizierte auf ihre spezielle Weise eine ganze Weile mit dem Wasser.
Plötzlich begann sie zu lächeln.
Ihr Gesicht strahlte förmlich.
Sie blickte die langsam rotierende Regensäule hinauf.
Offenbar verlief ihr Versuch, eine dauerhafte Verbindung mit dem Wasser ein zu gehen, ganz gut.
Marsha jedoch, sie verlor allmählich an Kraft.
Sie stand Tina auch am nächsten.
Diese seltsame Energie, diese Flut an Emotionen und die Kälte des Wassers, alles das, es setzte ihr deutlich zu. Marsha fror und versuchte, sich langsam von der Wassersäule zu entfernen.
Sie tastete sich an der Hauswand entlang, um in den trockenen Flur zu gelangen.
Doch plötzlich und ganz unerwartet griff ihre Hand ins Leere.
Sie versuchte vergeblich, Halt in einer schwarzen Fläche an der Wand zu finden, um nicht zu stürzen. Doch diese schwarze Fläche, sie begann sich zu bewegen.
Marsha spürte, wie etwas an ihrer Hand zu saugen begann.

»Umbrae Mortis!«

Sie schrie verzweifelt um Hilfe. Doch es war durch das tosende Wasser im Hof einfach zu laut, als dass ihre Freunde die Hilferufe hören konnten.
Sie spürte, wie der Schatten mehr und mehr wertvolles Xyralum und Lebensenergie aus ihr heraus saugte. Dieses gierige und gleichmässig wiederholende Saugen, es wurde von einem brennenden Schmerz begleitet, der Marsha Tränen in die Augen trieb.
Sie begann bereits zu schwanken.
Ein zweiter Schatten, er näherte sich von oben.
Schon hatte er ihre Schulter erreicht.
Er saugte sich ebenfalls sofort fest.
Plötzlich spürte Marsha eine bleierne Müdigkeit in sich, die sich rasch in ihrem Körper ausbreitete. Sie war verzweifelt.
Doch niemand konnte ihre Hilferufe hören.
Es war einfach viel zu laut. Fast niemand konnte sie vernehmen.

Mit lautem Geheul schnellte Püppi plötzlich mutig mitten durch die rotierende Wassersäule, direkt vorbei an Tina, unmittelbar zu seiner geliebten Herrin.
Das Gehör des treuen Hundes, es war um ein Vielfaches leistungsfähiger, als das eines Menschen. Er hatte den Hilferuf seiner Herrin gehört.
Sofort fiel er, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, über die beiden Schatten an der Hauswand her.
Diese liessen augenblicklich von der jungen Frau ab und stoben regelrecht auseinander.
Sie flohen hastig die Hauswand hinauf, um dem verhassten Hund zu entkommen.
Marsha sank kraftlos zu Boden.

Tinas Aufmerksamkeit, sie war durch die Störung von Püppi geweckt.
Die Wassersäule brach in sich zusammen.
Das Wasser klatschte nun laut auf den gepflasterten Boden.
Jetzt bemerkten auch die anderen, was geschehen war und eilten herbei, um zu helfen. Doch da sank plötzlich auch Tina in sich zusammen.
Sie war ebenfalls völlig entkräftet.
Marani beeilte sich, zu ihr zu gelangen.
Püppi leckte Marsha bereits mit seiner warmen Zunge durch das nasse Gesicht.
Dann schüttelte er sich, um sein Fell trocken zu bekommen.
Die junge Frau lächelte.

»Das waren Späher. Diese miesen Kreaturen, sie sind entkommen. Sie werden wohl sogleich ihre Herren informieren.«, fluchte Memba, die inzwischen ebenfalls bei Marsha angekommen war.

Sie half dem Xyral behutsam auf die Beine.
Marshas Arm und ihre Schulter, sie fühlten sich nahezu taub an.
Dort spürte sie fast nichts mehr, was Marsha sehr verunsicherte.
Ihre Beine zitterten.
Die junge Frau war schon oft in ähnlicher Situation gewesen, und immer empfand sie dieses Gefühl der Taubheit beängstigend. Es fühlte sich an, als wäre etwas vom leibhaftigen Tod in den Körper eingedrungen.

»Wenn diese Monster nicht zu primitiv dazu sind...«, ergänzte Marsha mit unsicherer Stimme.

Der Koch stand noch immer am Fenster.
Er war inzwischen allerdings ziemlich blass um die Nase.
Auch er schien wieder zu sich gekommen zu sein.
Er schüttelte mit dem Kopf.

»Wa...wa...was war denn das? Was geht denn hier vor? Wer seid ihr?«, stammelte er halblaut vor sich hin.

Sein Kochkollege rief ihn bereits zum wiederholten Mal. Offenbar hatte er es inzwischen reichlich satt, die vielen Gäste ganz alleine zu bekochen.

»Ja, ich komme gleich! Du wirst doch wohl auch einmal ein paar Augenblicke ohne mich auskommen können!«, schrie der verwirrte Koch entnervt zurück.

»Das war nur ein etwas ungewöhnliches Gewitter. Mehr war da nicht. Also ich habe nicht mehr gesehen. Oder hat hier jemand mehr gesehen?«, meinte Marani scheinheilig zu dem Koch und hatte dabei, die vor Kälte zitternde Tina im Arm.

»Nein, ich habe auch nur einen ziemlich üblen Regen gesehen. Bei so einem Gewitter sollte man besser zu Hause bleiben. Da kann man ja wieder einmal sehen, warum die Leute so etwas empfehlen.«, bestätigte Memba genauso scheinheilig.

Marsha war inzwischen schon zurück in das Haus gegangen.
Sie wollte sich möglichst rasch trockene Kleidung anziehen.
Danach verschwanden sie alle im Haus und hofften, dass der Koch schweigen würde. Glauben würde ihm ohnehin niemand.

Als sie wieder im Zimmer angekommen waren, überschütteten sie Tina mit Fragen.

»Hat es geklappt? Konntest du etwas erreichen?«, fragte Marani.
Memba wollte wissen, was sie gefühlt hatte.
Nur Marsha schwieg und beeilte sich, wieder voll einsatzfähig zu werden.
Püppi sass vor der Tür und wirkte unruhig.
Marsha wusste, dass sie alle möglichst rasch aus dem Gasthaus verschwinden mussten.
In Kürze würde es hier vor lauter Umbrae Mortis, ambalosischen Agenten und Esgana Cães nur so wimmeln. Dieser kleine Professor, er war ein erfahrener Xyral und sicher kein Narr. Sicher würde er kein Risiko eingehen und eine Gruppe aus Xyralen und übersinnlich Begabten einfach entkommen lassen.
Tina war noch nicht fit. Ihre Lippen waren noch ganz blau vor lauter Kälte.
Sie versuchte aber dennoch die Fragen zu beantworten.

»Ja, ich hatte Kontakt, und es hat sich positiv entwickelt. Das Wasser wird mir helfen. Es hat eine große Abneigung gegen die Schatten, da es Wesenheiten sind, die ohne Wasser leben können. Sie sind ihm fremd, und es kann sie nicht kontrollieren. Das Wasser, es kann gegen die Umbrae Mortis direkt nicht viel ausrichten.«

»Das habe ich mir fast gedacht. Doch gegen die Hundewürger und die ambalosischen Agenten wird das Wasser wohl doch angehen können. Das ist doch so, oder?«, wollte Memba wissen.

Tina nickte nur und war aufgeregt.

»Das ist alles viel schwieriger, als es erscheint. Was denkt ihr euch bloss? Ja, ich habe das Wasser gefühlt. Es ist ein Teil von mir, von euch und fast allem auf der Erde, in Terra oder wie immer auch ihr es verdammt noch einmal nennen wollt.«, wurde Tina unerwartet laut.

Sofort war es still im Raum.
Alle sahen sich betroffen an.

Der zierlichen Tina liefen Tränen durch das Gesicht. Sie litt offenbar sehr unter der Erfahrung mit dem Wasser. Das Wasser hatte sie tief berührt und innerlich massiv aufgewühlt.

»Wir haben dafür jetzt keine Zeit, um zu streiten. Los, wir müssen verschwinden und zwar schnell.«, durchbrach Marsha plötzlich die Stille im Raum und öffnete dabei die Tür.

Püppi schob sich sogleich auf den schmalen Flur.

»Warte, ich packe nur noch schnell den Laptop zusammen.«, meinte Memba.

Marani nickte nur kurz, nahm Tina erneut in den Arm und ging mit ihr in den Flur.

»Ja, aber beeile dich. Wir haben keine Zeit mehr. Sie werden bald hier sein.«, gab Marsha forsch zurück.

Wenige Augenblicke später waren sie alle auf der Strasse.
Es war dunkel.
Das gefiel den beiden Xyralen in der Gruppe überhaupt nicht.
Doch sie mussten hier verschwinden. Sie konnten nicht bleiben.

Schnellen Schrittes folgte die Gruppe der Strasse, bis zur nächsten U-Bahn-Station.
Sie waren nicht so wirklich unauffällig.
Zudem war Püppi ein ziemlich grosser Hund.
Immer wieder kamen mürrische Bemerkungen von den Passanten.
In der Stadt mochten viele Menschen einfach keine Hunde.
Marsha war sich sicher, nach einer intensiven Begegnung mit einer Gruppe Hundewürgern und den Umbrae Mortis, da würden diese Leute das wohl grundlegend anders sehen.
Doch darauf wollte es die junge Frau an diesem Abend möglichst nicht ankommen lassen.

Inhaltsverzeichnis

  • Um was es geht...

    Dieses kostenlose Fantasy E-Book Abenteuer beschreibt unsere Welt als ein Erdäum unter vielen, das in ein grenzenloses Multiversum aus parallel existierenden Welten eingebunden ist. Nur jene Wesen können die Grenzen zwischen den Erdäen überwinden, die in der Lage dazu sind, das sagenumwobene...

    Weiterlesen: Um was es...

  • Melanies Bericht

    Mein Name ist Melanie, bin heute 28 Jahre alt, und ich komme aus Mannheim. Ich habe lange Zeit meinen Mund gehalten. Angst vor der Wahrheit hatte ich. Doch ich will nicht mehr schweigen. Von diesem Vorfall müssen die Menschen einfach erfahren. Es geht vielleicht um die Sicherheit dieses Landes,...

    Weiterlesen: Melanies...

  • Schlimmster Traum

    »Wer bist Du?«, hörte ich eine Stimme. Ich sah mich um. Dort stand eine junge Frau und sah mich an. »Kennen wir uns nicht?«, fragte ich unhöflich zurück. Doch ich war über diesen Anblick so erstaunt, dass ich an Höflichkeit nicht denken konnte. Das Gesicht der Frau, es kam mir sehr bekannt vor....

    Weiterlesen: Schlimmster...

  • Die fehlender Erinnerung (1)

    Es war ein kühler Morgen im frühen Herbst. Kaum ein Mensch war auf der Straße. Alles war noch still. Nur an dem Flaschencontainer an der großen Kreuzung, dort bewegte sich etwas. Es war Jan. Er suchte nach leeren Pfandflaschen. Jan war ein Mann in den Fünfzigern. Zudem war er ein Mann, der stets...

    Weiterlesen: Die fehlender...

  • Der Fluch Karakums (2)

    Die Sonne drang nur spärlich durch die Wolken und tauchte die Stadt in ein unwirkliches Licht. Es war schwül. Nebel hing zwischen den Häusern. Die Luft war aufgeladen. In der Ferne hörte man immer wieder lautes Krachen. Blitze überzogen ständig den Horizont und tauchten die entfernten Vororte der...

    Weiterlesen: Der Fluch...

  • Getrennte Wege (3)

    Als er seine Augen schloss, suchte er Kontakt. Jan hatte fast alles vergessen. Es war schon verdammt lange her, dass er auf diese Art Kontakt gesucht hatte. Noch länger war es her, dass er die Erdäen bereiste. Doch die Worte von Marsha, sie hatten in ihm die Sorge um die Menschen entfacht. Warum...

    Weiterlesen: Getrennte...

  • Auf geheimer Mission (4)

    Marsha fühlte sich leer. Sie hatte einen Freund verloren. Zudem wurde sie von diesen unheimlichen Männern bedroht. Sie kannte Baruns Mörder nicht. Auch kamen sie nicht aus Baruns Erdäum. Doch noch bedrohlicher war der Umstand, dass sie offenbar die Umbrae Mortis kontrollieren konnten. Niemand...

    Weiterlesen: Auf geheimer...

  • Der kleine Professor (5)

    Marshas Bewusstsein war auf geheimer Mission. Auch Jan war nicht mehr im Erdäum Terra. Doch die Menschen, sie waren dort, und sie waren fassungslos. Die Erde spielte ziemlich verrückt. Schwere Unwetter suchten immer wieder weite Landstriche heim. Erdbeben mit enormen Kräften zerstörten ganze...

    Weiterlesen: Der kleine...

  • Ein Mann und kein Mann (6)

    Als Jan erwachte, war es draußen bereits hell. In dem kleinen Haus roch es bereits nach Frühstück. Bina war schon lange wach und deckte gerade den alten Holztisch. Jan setzte sich auf. Er hatte ein wenig Kopfschmerzen. Offenbar waren sie eine der Nachwirkungen des Tees vom Vorabend. Als er etwas...

    Weiterlesen: Ein Mann und...

  • Der Feind im Nebel (7)

    Finsternis, sie hatte sich ausgebreitet. Die Schatten des Todes nahmen inzwischen die gesamte Strasse ein. Barados stand noch immer am Fenster. Er fühlte sich bedroht. Betroffen verfolgte er das grausame Schauspiel. Im Hintergrund versuchte der alte Karam ebenfalls an das Fenster zu gelangen....

    Weiterlesen: Der Feind im...

  • In der Falle (8)

    Alles war ruhig, als Bina mit den drei Burschen aus dem Dorf bei der Hütte ankam. Ihren angeschlagenen Peiniger, den schleppten die beiden Freunde von Naham noch immer mit sich. Da der unwissende Jan noch immer ohnmächtig war, wusste nur Bina von der Möglichkeit, dass lauernde Umbrae Mortis auf...

    Weiterlesen: In der Falle...

  • Das Haus der Vernunft (9)

    Als Jan seine Augen öffnete, da befand er sich an einem hellen Ort. Er hatte eigentlich eine Art Nichts erwartet.Doch er lag nun an einem Ort, umgeben von gleissendem Licht.Er war sich selbst bewusst. Jan war in dem Körper eines Mannes erwacht, der noch älter war als jener, in dem er zuvor...

    Weiterlesen: Das Haus der...

  • Der Feind in Terra (10)

    Als Marsha ihre Augen öffnete, sah sie sich sich unsicher um. Es war kalt. Sie fror. Marsha lag auf einem Rasen. Der Nebel war auf seinen schmalen Blättern zu Morgenreif erstarrt. Neben ihr lag Püppi auf dem Boden und leckte sich andächtig seine Pfoten. Offenbar war die junge Frau nach ihrer...

    Weiterlesen: Der Feind in...

  • Das Licht der Hoffnung (11)

    Jan hatte einige Tage im Haus der Vernunft bei Naya verbracht. Die große Raubkatze hatte ihm sehr viele ihrer Gedanken übertragen. Aber dennoch erschien alles im Haus der Vernunft unendlich friedvoll und angenehm. Es gab an diesem Ort auch einige andere Raubkatzen. Doch inzwischen hatte Jan...

    Weiterlesen: Das Licht der...

  • Esgana Cão (12)

    Als der Morgen in Berlin anbrach, war es Memba, die zuerst erwachte. Neben ihr lag Marani und schlief noch fest. Da es nicht sonderlich dunkel im Zimmer war, konnte sie ihn recht gut neben sich erkennen. Sie beobachtete den schlafenden Mann eine Weile. Er gefiel ihr ausgesprochen gut. Hier in...

    Weiterlesen: Esgana Cão (12)

  • Bina in Not (13)

    Bina wusste nicht, was sie tun sollte. Der Morgen war inzwischen heran gebrochen. Einige Vögel zwitscherten im Wald. Die beiden unheimlichen Männer standen noch immer vor ihrem Haus und wollten den unwissenden Jan sprechen. Viel wahrscheinlicher war es jedoch, dass sie ihn nur töten wollten.»Ich...

    Weiterlesen: Bina in Not...

  • Im Sinne d. Waagumals (14)

    Die U-Bahn war fast leer. Das war gut so. Wäre sie voll gewesen, hätte die kleine Gruppe sie wegen Püppi nicht nehmen können. Große Hunde in vollen U-Bahnen waren ein Problem, hatten man für sie keinen Maulkorb dabei. Da half es auch nicht, für sie einen ermässigten Fahrschein zu besitzen. Die...

    Weiterlesen: Im Sinne d....

  • Ohne Ausweg (15)

    Obwohl es auf dem zugigen Bahnsteig ziemlich eng war, hatten die Männer sie schon bald eingekreist. Püppi bellte. Marsha konnte ihn kaum halten. Memba sah sich panisch um. Marani versuchte Tina zu schützen. Dann fasste einer der Männer Memba an der Schulter an. Sie dreht sich um und schlug gekonnt zu. Der...

    Weiterlesen: Ohne Ausweg...

  • Der Sonnenaufgang (16)

    Es war weit nach Mitternacht, als Bina meinte, dass die Umbrae Mortis wohl wieder wieder fort wären. Die Schatten waren nicht in das Haus gelangt. Sie hatten offenbar Glück gehabt. Auch schwebte das Licht der Hoffnung völlig ruhig in der Luft und war mehr nur noch zu erahnen, als dass man es sehen...

    Weiterlesen: Der...

Autor Kontakt

Nutzungsbedingungen

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG

Yberseh ist ein rein privates Projekt von

Alexander Rossa
Durlacher Strasse 100
68219 Mannheim
Mail (mail @ alexanderrossa.de)

Yberseh auf Facebook