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Finsternis, sie hatte sich ausgebreitet.
Die Schatten des Todes nahmen inzwischen die gesamte Strasse ein.
Barados stand noch immer am Fenster. Er fühlte sich bedroht.
Betroffen verfolgte er das grausame Schauspiel.
Im Hintergrund versuchte der alte Karam ebenfalls an das Fenster zu gelangen.
Membas Vater hatte jedoch Schmerzen und stöhnte, weil sie ihn quälten.

»Oh, mein Gott, was ist denn das?«, stieß er sogleich entsetzt aus, als er die schwarzen Massen in den Straßen sah. Nur in der Mitte der schwarzen Flut, da konnte er noch einen kleinen, hellen Fleck erkennen.
In dieser Aussparung der Finsternis bewegten sich Memba, Marsha und der mutige Hund Püppi langsam in Richtung Westen. Die Umbrae Mortis versuchten immer wieder beharrlich an die beiden Mädchen heran zu kommen.
Doch Püppi war aufmerksam.
Er warf sich stets wütend dazwischen.
Die Gefahr war groß.
In der Ferne konnte man entsetzte Schreie einiger Anwohner vernehmen.
Der Angriff der Umbrae Mortis war nicht unbemerkt geblieben.
Der offene Krieg, er hatte begonnen.
»Ich muss etwas unternehmen.«, meinte Barados aufgebracht und verschwand plötzlich, während sein Vater weiter am Fenster ausharrte.

Karam war durch den Blutverlust geschwächt.
Er hatte furchtbare Angst um seine Tochter.
Sollte er Memba nun auch verlieren?
Dieser Gedanke war für ihn unerträglich.
Plötzlich schoss einer der nahen Schatten blitzschnell vor und erwischte Memba an ihrem Bein. Sofort saugte er sich fest.
Memba strauchelte und ging in die Knie.
Püppi preschte vor und fiel jaulend über den Schatten her.
Sofort ließ er von dem Mädchen ab. Doch schon schrie Marsha entsetzt auf.
Auch auf ihrer Seite schnellten immer wieder ausgehungerte Schatten vor, um ein Bein oder die Hüfte von ihr zu erwischen.
Püppi war völlig aufgebracht und tobte wie eine Furie, um die jungen Frauen herum.
Karam war regelrecht krank vor Angst um die Frauen.
Er bewunderte den Hund für seine Tapferkeit und seine Treue.
Aber er wusste auch, dass selbst Püppi nicht endlos Kraft hatte. Irgendwann würde er langsamer und nachlässiger werden.

Angetrieben von ihrer Gier nach Xyralum, strömten immer mehr und mehr Umbrae Mortis in die Straße. Sie schienen von überall her zu kommen.
Die Agenten der Ambalosis hatten Unmengen der Umbrae Mortis nach Karakum gebracht, um über sie, an das begehrte Xyralum zu gelangen.
Die Kreaturen der Finsternis verdunkelten inzwischen sämtliche Kraftorte des Erdäums. Den Menschen Karakums waren sie bereits seit einiger Zeit aufgefallen.
Für sie waren sie ein Ausdruck des Bösen und ein Omen für den nahenden Weltuntergang. Die Schatten des Todes, sie waren so sehr aus gehungert, dass sie bereits die Geistlichen und spirituellen Würdenträger sogar während des Tages angriffen.
Diese Menschen rochen nach Xyralum.
Da die Schatten nahezu blind vor lauter Gier danach waren, kam es immer wieder zu Übergriffen. Oftmals griffen sie schon an, wenn sich ein Mensch auch nur einem Kraftort näherte. Für so viele Umbrae Mortis in nur einem Erdäum war die Nahrung eben zu knapp und das Verlangen gewaltig.

Doch was sich den Menschen nun hier in diesem Straßenzug bot, erfüllte sie mit Grauen. Die beiden Xyrale auf der Strasse, sie mussten für die ausgehungerten Schatten einen regelrechten Festschmaus darstellen. Nur Püppi vermochte es noch, sie auf Distanz zu halten.

Karam stand weiterhin am Fenster und sah dieses schreckliche Schauspiel hilflos mit an. Plötzlich bemerkte er, dass einige Umbrae Mortis wendig durch die Luft flogen und ganz anders aussahen als jene, die hier auf der Straße ihr Unwesen trieben.
Wie riesige, schwarze Kugeln flogen sie durch die Luft und klatschten gegen die Dächer und Hausmauern.

Dann fiel eine dieser Kugeln direkt auf Püppi hinab.

Der große Hund jaulte laut auf und warf sich auf den Rücken.
Der Rüde versuchte den Schatten abzuschütteln.
Immer wieder hörte man ihn vor lauter Schmerz aufheulen.
Kaum hatte der Schatten den Hund angegriffen, fielen die anderen Umbrae Mortis über die beiden wehrlosen Frauen her.

Karam konnte sich das nicht mehr mit ansehen.
Mit einer Pistole der überwältigen Männer schoss er mitten in die Schattenflut hinein.
Doch die Schüsse zeigte keinerlei Wirkung.
Karam rief verzweifelt zu seiner Tochter, die inzwischen auf dem Boden lag und sich unter mehreren Schatten wand.
Er musste etwas unternehmen.
Doch die Schatten ignorierten den aufgebrachten Vater völlig.
Püppi hatte sich dann doch befreien können. Sofort sprang er zu den beiden Frauen und kämpfte verbissen gegen die Überzahl der Umbrae Mortis.
Karam war kein Narr. Er wusste, dass er nur noch Augenblicke hatte, um seine Tochter retten zu können.
Püppi heulte immer wieder auf.
Die Frauen schrien verzweifelt um Hilfe.
Doch niemand konnte etwas gegen die Schatten tun.
Dann hörte Karam in der Ferne lautes Hundegebell, das sich rasch näherte.
Er versuchte etwas zu erkennen.
Doch die Schatten versperrten ihm den Blick.
Inzwischen hatten sich gleich mehrere Schatten aus der Luft auf Püppi gestürzt und den armen Hund völlig unter sich begraben. Das Jaulen war verstummt.
Dann kam plötzlich Bewegung in das Meer der Schatten.
Lautes Gebell war zu hören.

Karam erkannte am Ende der Straße eine ganze Hundemeute, die sich sogleich wütend auf die Schatten stürzte. Die Umbrae Mortis stoben auseinander und gaben den Weg zu den Frauen frei. Die Hunde stürzten sich überall auf die Schatten und bissen wild um sich. Zwar konnten sie die Umbrae Mortis nicht erwischen, jedoch hatten die Hunde andere Waffen gegen sie. So war es der Geruch spezieller Drüsen des Hundes, der für die Schatten unerträglich war. Aber ganz besonders übel für die Umbrae Mortis war der Atem der Hunde. In ihm war etwas enthalten, was das Xyralum neutralisierte. Diese Eigenschaft liess jeden Schatten unverzüglich in Panik verfallen und fliehen.

Die Xyrale vermuteten, das diese Substanz etwas mit ihrer Fähigkeit zur Bilokation zu tun hatte. Hunde konnten also an mehreren Orten gleichzeitig sein.

Wie dem auch sei, in dieser Strasse bei den beiden Frauen und Püppi, dort zeigten sich die Qualitäten der Hunde in einer beeindruckenden Form.
So lichtete sich die Umgebung rasch.
Karam traute seinen Augen kaum.
Die beiden Frauen versuchten sofort, aber geschwächt, aufzustehen.
In der Ferne konnte man Barados erkennen.
Er hatte die Hunde aus dem Tierheim gestohlen und zu den Schatten geführt, um das Leben seiner Schwester und seiner Freunde zu retten.
Püppi lag regungslos auf dem Boden.
Schon glaubten die Menschen, sie hätten den Angriff überstanden, da schossen plötzlich zahllose Kugelschatten vom Himmel herab.
Sie attackierten sämtliche, der vielen aufbegrachten Hunde in der Straße.

Es brach eine bizarre Schlacht zwischen den Hunden und der Umbrae Mortis los.

Memba rettete sich in das Haus.
Marsha tat es ihr gleich, zerrte jedoch hartnäckig den leblosen Püppi hinter sich her.
Sie wollte ihn nicht einfach auf der Strasse liegen lassen.
Der Lärm der Schlacht, er war gewaltig. Die Hunde kämpften um ihr Leben.
Memba war bei ihrem Vater am Fenster angekommen.

»So etwas hat es noch nie gegeben? Niemals zuvor haben die Umbrae Mortis Hunde angegriffen. Diese Kugelschatten, sie sind mir völlig neu. Ich kenne sie nicht, Vater. Sie fürchten sich nicht vor den Hunden. Das ist unmöglich.«, keuchte Memba verzweifelt.

Karam nahm seine Tochter in die Arme.
Sie weinte.

Unten auf der Straße jaulten immer wieder Hunde auf.
Einige von ihnen, sie waren völlig von Schatten eingehüllt und wurde von ihnen zu Tode gesaugt. Doch kaum ließen die Schatten von ihnen ab, lösten diese sich langsam auf.
Sie gingen regelrecht ein.
Jeder tote Hund riss auf diese Weise, gleich mehrere Schatten mit sich in den Tod.
Marsha hatte Püppi inzwischen auf den Tisch gelegt.

»Sie greifen so lange an und stürzen sich in den Tod, bis auch der letzte Hund getötet wurde. Dann wird das finstere Volk wieder kommen, um uns zu holen, Memba.«, meinte Marsha aufgebracht. Sie blutete an ihrem Arm.

Beide Frauen wirkten sehr mitgenommen von dem Angriff der Schatten.
Fast hatten die beiden hübschen Xyrale ihr Leben verloren.

»Wir müssen fliehen und zwar schnell. Was ist mit Püppi? Ist er tot?«, keuchte Memba.

»Nein, aber es fehlt nicht mehr viel. Er atmet nur noch ganz schwach.«

Dann stürmte Barados herein.

»Euch geht es gut. Den Göttern sei gedankt. Ihr müsst verschwinden. Fast alle Hunde aus dem Heim, sie sind bereits den Schatten zum Opfer gefallen und tot.«

Memba sah ihn an.
Barados konnte deutlich die Angst in den Augen seiner Schwester erkennen.
Seine kleine Memba, sie war doch noch so jung.
Sie durfte an diesem Tag einfach nicht sterben.

Dann hörte Barados einen Schuss.

»Ich kann das nicht mehr mit ansehen. Nein, ich kann das nicht mehr.«, wiederholte sich Karam immer wieder selbst.

Er hatte auf einen der sterbenden Hunde auf der Strasse geschossen.
Er konnte es nicht mehr mit ansehen, die Tiere unter den Schatten so leiden zu sehen.

»Marsha, wir müssen weg. Püppi können wir nicht mitnehmen. Er ist einfach zu schwach.«, meinte Memba.

Alle waren sehr hektisch.

»Beeilt euch. Die Schatten, sie kommen wieder.«, rief Karam aufgebracht dazwischen.

»Ich werde Püppi nicht hier lassen. Sie werden ihn nicht bekommen. Das bin ich ihm schuldig. Entweder gehen wir mit ihm, oder ich bleibe hier.«, meinte Marsha richtig wütend.

»So sei doch vernünftig, Marsha. Wir sind so sehr geschwächt. Unser Xyralum wird kaum ausreichen, dass wir beide selbst reisen können.«, flehte Memba Marsha an.

»Dort auf dem Dach. Das stehen Leute.«, rief ihnen Karam zu.

Memba lief sogleich zum Fenster.

»Das sind Agenten der Ambalosis. Dieses Pack will offenbar sicher gehen, dass heute hier zwei Xyrale sterben werden.«

Memba blieb es aber auch nicht verborgen, dass alle Hunde inzwischen leblos auf der Straße lagen. Die Schatten drangen bereits von allen Seiten erneut in den Straßenzug ein.

»Marsha, dann gehen wir eben mit Püppi. Aber diese ambalosischen Monster, sie werden mich nicht bekommen. Lieber strande ich in irgendeinem unbewohnten Erdäum, als diesen abartigen Mördern ihren Wunsch zu erfüllen.«, meinte Memba entschlossen.

Daraufhin ging sie zu Marsha, die sich bereits an den Tisch gesetzt hatte. Sie nahm gleich neben ihr auf dem Tisch Platz.
Sie durften keine Zeit mehr verlieren.
Beide Frauen verdichteten das Xyralum um sich herum.
Immerhin waren es gleich zwei Xyrale und ein Hund, die sich auf die Reise begaben. Unmengen an Xyralum waren dazu nötig, sie von hier weg zu bringen.

Die Wände des Hauses begannen zu beben.
Es war jedoch nicht das Xyralum, was dieses Beben verursachte.
Es waren die Umbrae Mortis. Die völlig ausgehungerten Schatten witterten die hohe Konzentration Xyralum und wurden nahezu wahnsinnig vor Gier danach. Sie brachen wie ein Sturm von allen Seiten in das Haus ein. Fensterscheiben zerbrachen.
Barados und Karam schrien verzweifelt um Hilfe.
Doch die beiden Frauen hörten sie bereits nicht mehr.
Mauern stürzten ein.
Die Männer kämpften verzweifelt um ihr Leben.
Das ganze Haus war inzwischen innen, wie auch außen, ohne jegliches Licht und mit der schwarzen Masse der Umbrae Mortis gefüllt.
Beide Männer bekamen keine Luft mehr und drohten zu ersticken.
Doch Memba, Marsha und der verletzte Hund Püppi, sie waren bereits nicht mehr im Erdäum Karakum.


 

Inzwischen hatten im Erdäum Terra Sicherheitsbeamte den Bundeskanzler in Sicherheit gebracht. Marani und der kleine Professor hatten das Haus nach dem Anschlag ebenfalls verlassen.

Sie wurden auf Umwegen zu einer unterirdischen Einrichtung im Grossraum Berlin gebracht.

Dort trafen sie auf ein Team von Spezialisten.

Zum einen waren es Wissenschaftler, aber auch sehr weltlich erscheinende Leute waren dabei. Diese schienen, wie auch Marani selbst, zu dieser Einrichtung gebracht worden zu sein. Alle Beteiligten im Team verfügten über spezielle Fähigkeiten, die für den Umgang mit der Bedrohung nützlich sein konnten. Jedenfalls hofften die Wissenschaftler das. Sie selbst verfügten über nur sehr wenig Erkenntnisse zu der Bedrohung.

Über alle Jahre hinweg hatte sich die gesamte Wissenschaftsbranche von diesem ganzen übersinnlichen Quatsch, den wirr anmutenden Inhalten der alten Naturreligionen und der Möglichkeit der Hellsichtigkeit mit Vehemenz distanziert. Das war für sie eine probate Grundhaltung gewesen, um von den Kollegen ernst genommen zu werden.
Nun plötzlich stand jedoch fest, dass ihre schöne Welt, eben genau aus diesem Bereich des Seins heraus, böswillig attackiert und bedroht wurde.
Bei vielen Wissenschaftlern war die Stimmung daher extrem schlecht.
Doch es gab auch Ausnahmen. So waren es oft die jüngeren Generationen, die in der neuen Situation, eine echte Herausforderung sahen.
Genau diese Art Wissenschaftler bildete hier ein Team und arbeitete mit übersinnlich begabten Menschen zusammen. Sie konnten für die Fähigkeiten noch keine Erklärungen bieten. Doch sie akzeptierten sie und nahmen ihre Forschungsarbeit auf, um sie für die Menschheit nutzbar zu machen.

Professor Dr. Schmidt, den alle im Team nur den kleinen Professor nannten, er leitete diese ungewöhnliche Gruppe. Immerhin vereinte er beide Seiten des Teams in sich.

Tina gehörte ebenfalls zum Team. Sie war eine ältere Frau, die eine ganz besondere Beziehung zur Natur hatte. Tina war stets freundlich und fast schon mütterlich zu allen. Sie besass die Fähigkeit, mit Wasser in Kontakt treten zu können.
Bisher hatte man sie für eine geltungssüchtige Irre gehalten.
Doch heute wusste man es besser.
Man hatte mit ihrer Hilfe entdeckt, dass unser gutes, altes Wasser weitaus mehr zu sein scheint, als einfach nur das gewöhnliche Nass, das schnöde H2O, welches man trinken und in dem man baden konnte. Vor Tinas Zeit, da wusste die Wissenschaft bereits von vielen nicht geklärten Anomalien bei der Substanz Wasser. Doch inzwischen hat sich, dank Tinas Fähigkeiten, diese Zahl in schwindelerregende Höhen bewegt.
Bedenkt man nur, dass unsere Erde und auch der Mensch selbst, überwiegend aus Wasser bestehen, so ist es unverständlich, diese Substanz bisher nicht besser erforscht zu haben. Tina ging mit ihrer Fähigkeit ungewohnte Wege.
Sie sah in Wasser eine ganz eigene Form von Leben. Für sie war Wasser ein Informationsspeicher und Kommunikationsmedium mit einem eigenen Willen.
Mit dem Wasser lebten wir zusammen in einer Art überwältigender Symbiose.
Tina war sich da ganz sicher. Für Tina verband das Wasser alles Leben auf der Erde und war dadurch unglaublich machtvoll.
Tina meinte, dass Wasser niemals vergessen würde.
Alles Wissen dieser Welt ist seit Anbeginn im Wasser der Erde gespeichert, so war ihre Meinung. Es war in uns und um uns herum, in der Luft, wie auch in der Erde. Hatte jemand die Möglichkeit die Eigenschaften des Wasser zu kontrollieren, so hatte er damit die Möglichkeit, sich mit allem Leben auf der Welt zu verbinden.
Das war Tinas Ansicht.
Sicher hatte man viel über sie gelacht. Man hatte sie beschimpft und als eine alte, wirre Hexe gesehen.
Doch eines Tages lud sie dann einfaches Badewasser mit Emotionen und Gefühlsenergie auf. Als ein Unwissender sich danach in das Bad gesetzt hatte, da sprang er nach wenigen Augenblicken schreiend aus dem Wasser.
Er war auch nach Stunden nicht mehr zu beruhigen und völlig am Ende.
Sie hatte den armen Kerl durch das Wasser nahezu in den Wahnsinn getrieben.
Nach diesem Vorfall hatte es gleich weitere Experimente gegeben.
Jedes endete unglaublicher und spektakulärer, als das zuvor durchgeführte.
Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel und waren sehr verunsichert.

Doch neben Tina und den Wissenschaftlern, da gab es auch noch Gabriel.
Gabriel war ein junger Kerl um die Zwanzig. Er trat sehr ungepflegt auf.
Auch wirkte er stets müde und hatte ungewöhnlich dunkle Ränder unter seinen Augen.
Für einen jungen Mann in seinem Alter, war das eher ungewöhnlich.
Wenn man mit ihm sprach, dann bemerkte man rasch, das er extrem sensibel und sehr weich veranlagt war. Er selbst nannte sich »Medium« und sprach immer so sehr leise, dass man ihn kaum verstehen konnte.

Seine Fähigkeit bestand offenbar darin, mit den Seelen Verstorbener, die sich in einer sogenannten Zwischenwelt aufhielten, Kontakt aufzunehmen.
Solche Menschen gab es sicherlich viele und natürlich auch viele Spinner.
Doch Gabriel, er war anders. Er nahm auch Kontakt zu ganz anderen Wesenheiten auf. Allerdings gab es für ihn keine Dämonen, Teufel und andere Kreaturen aus der Welt des Aberglaubens. Er nahm Kontakt zu anderen Menschen in anderen Welten auf.
Es waren fremde Kulturen in fremden Umgebungen. Zumeist waren es ganz einfache Menschen.
Er sprach auch von unheimlichen Schattenwesen und Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Sie konnten zwischen den Welten reisen.
Erst als man sich sicher war, dass die Erde von Wesenheiten bedroht wurde, die man nicht fassen konnte, fiel der unheimliche Gabriel der Wissenschaft auf.
Hatte er zuvor zurückgezogen gelebt und war stets brav zu seiner Psychotherapie gegangen, war er nun im Spezialisten-Team der Bundesregierung unter der Leitung des kleinen Professors tätig und dort sogar recht angesehen. Er war hier ein wichtiger Mann.
Gabriel war in der Lage, privilegierte Informationen zu ersehen.
Diese Informationen waren so exakt, dass man ihn zum Auskundschaften des neuen Feindes einsetzen wollte.
Erste Tests ergaben, seine Fähigkeiten waren echt.
Er hatte tatsächlich irgendeinen Draht zu der realen Bedrohung.
Gabriels Leben war dadurch ebenfalls extrem bedroht.
Der junge Mann war zur Zeit der einzige Mensch, der in jenen Bereich sehen konnte, aus dem der Feind seine Angriffe steuerte.
Jedenfalls glaubte man das.
Er selbst, er wusste das, und er wusste auch, dass man nach seinem Leben trachtete. Daher konnte er so gut, wie nicht mehr schlafen und baute mehr und mehr ab.
Der kleine Professor machte sich große Sorgen um ihn.
Oft war Gabriel völlig geistesabwesend.
Er sprach dann von Tod, von Krieg und sterbenden Welten.
Hörte man ihm eine Zeit lang zu, konnte einem selbst Angst und Bange werden.

Jetzt gehörte auch Marani zum Team.
Er war Hellseher und konnte das zweite Gesicht der Menschen entlarven. 
Marani lebte sich einige Tage ein und wurde von den Wissenschaftlern regelrecht auf den Kopf gestellt.
Das war für Marani alles ein extremer Stress.
Oft dachte er daran wie es gewesen wäre, hätte er damals den Mann im Publikum, einfach ignoriert. Dann würde er jetzt noch bei seiner Tochter sein, auf der Bühne stehen und Geld verdienen.
Er vermisste seine Tochter sehr.
Fragte er nach ihr, versicherte man ihm immer nur, dass es ihr gut gehen würde.
Das war sehr unbefriedigend für Marani.

Dann sollte es nach dem Frühstück ein großes Briefing geben.
Dort saßen sie alle zusammen im Besprechungsraum unter der Erde.
Die Tür ging auf und der kleine Professor kam herein.

Er wirkte ziemlich schlecht gelaunt und sah aus, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen. Marani war jetzt schon einige Zeit hier, hatte ein paar Worte mit jedem gewechselt, aber so schlecht gelaunt hatte er den kleinen Professor noch nicht gesehen. Es musste etwas geschehen sein, was ihn verärgerte.

»Ich freue mich, dass wir alle jetzt hier endlich einmal zusammen gekommen sind. Ich weiß gut, dass es ist nicht leicht ist, unter der Erde und in diesem Bunker zu arbeiten. Aber es ist wieder etwas geschehen was beweist, dass es einfach notwendig ist.«, erklärte der Professor.

Sofort war die Aufmerksamkeit des Teams bei ihm.

»Meine Damen und Herren, es sind einige ziemlich neuartige Terroranschläge verübt worden. Die ersten Auswertungen zeigen uns, dass es sich offenbar um eine terroristische Vereinigung handelt, die es auf spirituelle Führer abgesehen hat. Es sind gleich mehrere bedeutende Geistliche ermordet worden. Die Terroristen haben zeitgleich auf allen Kontinenten der Erde zugeschlagen und waren sehr erfolgreich. Auffällig ist bei den Terrorakten vor allem gewesen, dass diese quer durch alle Glaubensrichtungen verliefen. Die jeweils obersten Führer jedoch, sie wurden aus irgendeinem Grund ausgelassen. Zielobjekte waren zumeist tatsächlich spirituell extrem aktive und auffällige Personen gewesen. Daher gehen wir davon aus, dass es sich um unsere Angreifer handelte, die mit dieser Aktion erstmals konzertiert zugeschlagen haben. Eine abgestimmte Aktion dieser Art, sie bedarf einer erstklassigen Organisation, Geld und guten Kontakten, bis in die obersten Ränge der Glaubensinstitutionen hinein. Der Bundeskanzler hat mich angerufen und mir unmissverständlich erklärt, dass er rasch Ergebnisse vorweisen muss. Er wird uns alle Mittel zur Verfügung stellen, die wir für Ergebnisse benötigen. Doch verlangt er im Gegenzug eindeutige und fühlbare Ergebnisse. Wir müssen endlich voran kommen.«, setzte der kleine Professor mit ernster Miene fort.

Alle im Team wirkten betroffen und schwiegen.

»Wir sind noch nicht soweit, Herr Professor. Das wissen Sie.«, meinte der Laborleiter plötzlich.

»Wir können nicht in den Krieg gegen etwas ziehen, was wir nicht kennen und dessen Art und Zielsetzung uns noch völlig unbekannt ist.«, meinte Tina nervös. Der Gedanke an Krieg, er bereitete ihr Angst und verunsicherte sie. Sie blinzelte nervös und schenkte sich ein stilles Mineralwasser ein.

»Ja, ich weiß das natürlich. Doch ich kann die allgemeine Nervosität in der Politik gut verstehen. Eine Vernichtung der spirituellen Köpfe der Weltreligionen wäre für die Menschen fatal. Gerade in diesen unsicheren Zeiten sehnen sich die Menschen danach, ein wenig Halt in ihrem Glauben zu finden. Wenn sie dort keinen Halt mehr finden können, dann wird die Politik gefordert sein. Sie würde unweigerlich in den Fokus allen Übels geraten. Die politische Macht in vielen Ländern, sie würde wohl mächtig ins Wanken geraten. Wir würden vor einem Chaos stehen. Genau darauf haben es die Angreifer offenbar abgesehen. Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist. Sind sich die Menschen untereinander nicht eins und verfallen sie in schwere Krisen, dann werden unsere Angreifer ihre Ziele rasch und ungehindert verwirklichen können. Für sie wäre so eine Entwicklung eine perfekte Tarnung. Das sollten wir mit allen Mitteln verhindern. Ich sehe das ebenso, wie unser Bundeskanzler und die Regierung.«, erklärte der kleine Professor.

»Doch was bitte sollen wir schon gegen Angreifer ausrichten können, die wir nicht kennen? Wir können doch nicht einfach wild mordend und folternd durch die Straßen laufen. Zudem sollen wir unsere Gründe dafür im Verborgenen halten. Das ist doch lächerlich, Professor.«, warf ein junger Wissenschaftler ein und lachte künstlich erregt auf.

Es ging ein leises Raunen durch das Team. Viele sahen das wohl auch so, wie er.

»Ich habe auch nicht gesagt, dass wir morden und foltern sollen. Wir werden zunächst versuchen, sie zu enttarnen und aus dem Verkehr zu ziehen. Ebenso werden wir weiter nach ihren Schwächen forschen. Wir werden Waffen entwickeln, sie genau dort zu treffen, wo man sie treffen kann. Auch werden wir versuchen, ihre Strategien und Pläne auszukundschaften, um ihnen immer einen Schritt voraus sein zu können. Meine Damen und Herren, genau das ist es, was mir für dieses Team vorschwebt und ich von ihnen erwarte.«, meinte der Kleine Professor deutlich.

»Wir sind doch viel zu langsam in allem, was wir tun. Es ist völlig aussichtslos.«, beschwerte sich Gabriel.

»Dann müssen wir eben schneller arbeiten. Gerade auch du, Gabriel, du musst für uns aufklären. Du musst heraus bekommen, was diese Kreaturen vor haben, wann sie es vor haben und warum sie es vor haben. Die Zeit für langsames Arbeiten und Kaffeepausen ist vorbei. Diese Kreaturen haben uns den Krieg erklärt. Es geht um unser Überleben. Die Angreifer nutzen uns aus, wollen unsere Welt an sich reißen und töten uns, ohne vorher zu fragen. Ich denke, das ist Motivation genug, um schneller voran zu kommen. Wir werden drei Arbeitsgruppen bilden. Gabriel wird den Nachrichtendienst leiten und für uns aufklären. Er wird dazu technische Spezialeinheiten formieren, die in der Lage sind, alle Informationen entsprechend zu steuern, zu sichern und bereit zu halten. Tinas Gruppe wird nach Möglichkeiten suchen, sie zu bekämpfen und ihre Aktionen zu stören. Sie wird Kommandoeinheiten ausbilden, die schnell und effektiv Angriffe vereiteln. Marani wird eine Gruppe zusammenstellen, die sich auf das Enttarnen der Angreifer spezialisiert. Er wird Jagdkommandos ausbilden und einsetzen, um die Feinde in der Bevölkerung aufzuspüren. Wir werden alle Mittel von der Regierung bekommen, die wir dazu benötigen. Ob Wissenschaftler, Soldaten oder Technik, alles wird beschafft. Unser Ziel ist es, den Angriff der Fremden zu stören und ihn möglichst zu vereiteln.«

Tina und Marani sahen sich an und zuckten nur mit ihren Schultern. Die Wissenschaftler begannen sich untereinander auszutauschen.

Der kleine Professor sah sich sein Team in aller Ruhe an und meinte dann barsch: »So, nun ist es Zeit den Fremden zu zeigen, wer wir Menschen sind. An die Arbeit. Ich erwarte täglich genau um Mittag einen Lagebericht der Gruppenleiter.«

Kaum hatte er geendet, verließ er den Raum und wurde vor der Tür direkt von zwei hohen Regierungsbeamten erwartet, die mit ihm fort gingen.

Die Wissenschaftler kehrten zunächst in ihre Arbeitsbereiche zurück.

Tina, Marani und Gabriel blieben alleine im Besprechungsraum.
Sie waren innerlich sehr aufgebracht.
Der kleine Professor hatte ihnen die Verantwortung für die Abwehr der Fremden übertragen. Doch sie wussten nicht, wie sie weiter vorgehen sollten.

»Das ist wirklich klasse. Ich darf sie bekämpfen. Dabei bin ich eine Frau des Friedens. Meine innerster Glaube verbietet mir, einfach so zu töten. Ich kann das nicht. Er kann doch nicht wirklich von mir verlangen, dass ich meine Finger in Blut tränke?«, begann Tina aufgeregt die Unterhaltung.

»Gabriel und mir geht es doch auch nicht besser. Er schickt uns in den Krieg. Krieg ist nie toll. Bitte vergiss nicht, dass diese Kreaturen eine Invasion auf unsere Erde vorbereiten. Sie haben bereits damit begonnen, Blut zu vergießen, Tina. Es ist Selbstverteidigung. Wenn wir sie nicht zuerst erwischen, dann werden sie uns alle töten. Oder willst du dabei einfach nur zusehen, wie sie unsere Welt zerstören?«, erwiderte Marani.

»Das ist wohl alles richtig. Aber wir haben nicht das Recht einfach Leben zu nehmen. Wir wären dann auch nicht besser, als diese Kreaturen. Das sie dabei auch noch wie Menschen aussehen und sich so verhalten, das verbessert die Sache nicht wirklich.«

Tina war sichtlich aufgebracht.

»Sie sehen nicht nur aus wie Menschen, sie sind es auch. Die Angreifer haben sich bei den Menschen einfach nur eingenistet, zeitweise von ihnen und ihrem Bewusstsein Besitz ergriffen. Wie sie das machen, woher sie kommen und wer sie wirklich sind, das ist mir unklar.«, begann Marani eine Antwort.

»Ihnen wird es wohl nicht um die Menschen und die Erde gehen. Sie sind hier, weil sie etwas von uns benötigen. Da bin ich mir sicher.«, warf Gabriel einen Satz in das Gespräch ein. Er hatte sich inzwischen wieder an den Tisch gesetzt und wirkte plötzlich seltsam ruhig. Marani und Tina sahen ihn erwartungsvoll an.

»Es ist viel Unruhe dort, wo sich meine Gedanken immer wieder befinden. Wir sind offenbar nicht die einzigen, die von ihnen überfallen werden. Ich spüre viel Angst und Verwirrung. Es hat sich etwas in der Zwischenwelt verändert. Wir sind nicht so wichtig. Zu unbedeutend und schwach sind wir. Doch es gibt auch Gefühle und die Suche nach neuer Hoffnung, Kräfte, die für uns sind. Ich höre immer wieder das Bellen von Hunden. Das ist wirklich seltsam. Immer wieder sind es Hunde, die meine Gedanken begleiten. Sehr verwirrend ist das alles.«, ließ Gabriel Tina und Marani an seiner Welt teilhaben.

»Wenn du dir sicher bist, Gabriel, dann versuche doch rasch heraus zu bekommen, was es ist, was diese Kreaturen hier bei uns suchen. Vielleicht müssen wir es ihnen nur geben, und sie verschwinden dann wieder? Wir wollen doch alle keine Auseinandersetzung mit einer fremden Lebensform, die uns überlegen ist.«, meinte Marani.

Tina nickte nur bestätigend und sagte: »Ja, wenn sie es nicht auf uns abgesehen haben, dann werden sie uns sicher in Ruhe lassen, wenn sie das bekommen haben, was sie eigentlich wollen. Das ist ein guter Gedanke, Marani.«

Gabriel schüttelte mit dem Kopf. »Ganz so einfach ist das offenbar nicht. Sie suchen etwas, was wir selbst zum Überleben benötigen.«

Marani setzte sich nun auch an den Tisch und seufzte. Dann meinte er zerknirscht: »Als hätten wir Menschen auf der Erde nicht schon genug Probleme mit unseren Rohstoffen. Nein, da kommen jetzt auch noch Fremde, um uns unsere Rohstoffe zu entreißen. Das ist wirklich übel. Da kann einem wirklich nur schlecht werden, wenn man das hört. Was kann es sein, was sie wollen? Wollen sie auch Öl vom uns, oder ist es Wasser, was sie suchen?«

»Ich denke nicht, dass es materielle Dinge sind, die sie suchen. Es sind immerhin mehr geistige Wesen. Sie werden mit einfachen Rohstoffen kaum etwas anzufangen wissen. Auch bewegen sie sich nicht auf materielle Art und Weise fort. Nein, ich denke, sie suchen eine Art Energie, vielleicht so eine Art Seelenkraft.«, überlegte Tina laut.

Beide Männer nickten zustimmend.

»Genau hier liegt die Lösung unseres Problems. Wir müssen herausfinden, was sie bei uns suchen. Wenn wir nicht wissen, was sie suchen, können wir uns auch nicht effektiv vor ihnen schützen.«, stellte Marani fest.

Gabriel seufzte und meinte: »Kein schlimmes Wort gegen eure Ideen möchte ich verlauten lassen. Doch ich denke mir, das alles weitaus schwieriger ist, als es uns allen hier und jetzt erscheint. Es sind Kräfte am Werk, die wir nicht einmal erahnen können, von denen wir nichts wissen. Wir sind Primitive im Umgang mit allem, was aus dem Bereich des Spirituellen auf uns einwirkt. In den letzten Jahrhunderten haben wir Menschen uns immerhin sehr bemüht, unser spirituelles Erbe entweder zu ignorieren oder es schlicht zu vernachlässigen. Wir waren da sehr erfolgreich. Denke ich hier nur an die Kirchen, die bei spirituellen Ansichten und Pfaden nur jene zugelassen haben, die von ihnen selbst anerkannt oder vorgegeben waren, dann wundert es mich kaum, dass wir heute in einer spirituellen Steinzeit leben. Männer weinen nicht. Gefühle zu zeigen, das galt doch seit je her, als ein Makel, den man beseitigen musste, um Erfolg haben zu können. Das ist so ein Irrsinn. Immer wieder wurde nachgewiesen, dass kreative und sensible Menschen von der Gesellschaft benachteiligt wurden. Wir Menschen haben uns selbst zu einer Lebensweise erzogen, die uns völlig handlungsunfähig gegenüber derartigen Kräften und Manipulationen erscheinen lässt. Ich denke mir, dass man uns jetzt richtig kalt erwischt hat. Ich erlebe das jeden Tag. Ja, fast jeden Augenblick wird mein Kopf regelrecht von Inhalten und Gefühlen überflutet, deren Ursprung irgendwo dort draußen liegt. Da ist ein ganzes Universum um uns herum, und wir wissen absolut nichts davon.«

»Es hilft aber auch nicht, jetzt nur anzuklagen und die Hände in den Schoß zu legen, Gabriel.«, erwiderte Tina kritisch.

Marani räusperte sich. Er hatte Gabriel nachdenklich zugehört und meinte dann: »Es ist sicher ein Irrsinn, was die Menschheit sich selbst angetan hat. Wir suchen stets auf fremden Planeten nach Leben. Dabei könnte ein ganzes Universum voller Leben und Kulturen nur einen einzigen Gedanken weit von uns entfernt sein. Die Lösungen für so viele Ängste und Unsicherheiten, sie könnten in uns selbst stecken. Doch wir Menschen sind zu eingefahren in unserem Denken, diese Möglichkeit auch nur in Erwägung zu ziehen. Wir Menschen stellen da lieber Regeln auf. Alle sollen sich daran halten. Wir geben sie weiter. Irgendwann sind sie Gesetz, und keiner hinterfragt sie mehr. So soll unsere Welt schließlich funktionieren. Das ist so unglaublich dumm. Niemand war vor Millionen Jahren dabei, um von dieser Zeit berichten zu können. Höre ich den Theorien und Mutmaßungen vieler Wissenschaftler zu, dann könnte ich mir auch gleich ein Märchen vorlesen lassen.«

»Dann tun sie das doch, Marani. Vielleicht werden wir mit Märchen diesen Krieg abwenden können. Wer weiß das schon? «, wurde Marani unerwartet unterbrochen.

Der kleine Professor war in den Besprechungsraum gekommen.
Marani stand auf.
Ihm war es peinlich, dass Professor Dr. Schmidt seine Ansichten zur modernen Wissenschaft mit angehört hatte.

»Bleiben sie nur sitzen, Marani. Sie haben ja recht. Doch wir sollten dieses Gespräch besser vertagen. Die Zeit drängt. Es wäre gut, wenn sie sich alle ein paar Wissenschaftler aussuchen würden, um mit ihnen gemeinsam eine Strategie zu entwickeln. Wir können sie nicht einfach weiter auf unserer Erde herumlaufen lassen, um nach Belieben Menschen umzubringen.«, setzte der kleine Professor fort.

»Wir haben eben festgestellt, dass es sinnvoll wäre zu erfahren, was genau diese Kreaturen von uns wollen und wonach sie suchen. Wissen wir davon, können wir unsere Aktionen besser ausrichten.«, erklärte Tina.

»Gut, machen sie das. Marani wird inzwischen eine Möglichkeit erarbeiten, die Angreifer aufzuspüren. Irgendetwas wird es da doch sicherlich geben, woran man sie erkennen kann.«, meinte der Professor.

Gabriel stand auf und sagte überraschend entschlossen: »Ich werde meine Fühlerchen ausstrecken und mir die Gegend einmal so richtig ansehen. Dabei werde ich jede Einzelheit von den Wissis aufschreiben lassen. Alles werde ich diktieren, was ich in der Zwischenwelt erfahre, fühle und sehe. Im Anschluss daran, werde ich mich mit meinen Wissis an die Arbeit machen, Muster zu erkennen und Strukturen aufzudecken. Vielleicht entdecken wir Nützliches oder sogar den Grund für diese Invasion.«

Der kleine Professor nickte nur bestätigend und meinte: »Na, dann los. Viel Arbeit wartet auf uns. Bis morgen will ich erste verwertbare Ergebnisse sehen.«

Es beeindruckte den Professor wenig, dass Gabriel die Wissenschaftler als Wissis bezeichnete. Ihm war wichtig, dass das Team funktionierte.
Damit war das Treffen beendet.
Das ungewöhnliche Team brach auf.
Es nahm seine Arbeit auf.

Inhaltsverzeichnis

  • Um was es geht...

    Dieses kostenlose Fantasy E-Book Abenteuer beschreibt unsere Welt als ein Erdäum unter vielen, das in ein grenzenloses Multiversum aus parallel existierenden Welten eingebunden ist. Nur jene Wesen können die Grenzen zwischen den Erdäen überwinden, die in der Lage dazu sind, das sagenumwobene...

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  • Melanies Bericht

    Mein Name ist Melanie, bin heute 28 Jahre alt, und ich komme aus Mannheim. Ich habe lange Zeit meinen Mund gehalten. Angst vor der Wahrheit hatte ich. Doch ich will nicht mehr schweigen. Von diesem Vorfall müssen die Menschen einfach erfahren. Es geht vielleicht um die Sicherheit dieses Landes,...

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  • Schlimmster Traum

    »Wer bist Du?«, hörte ich eine Stimme. Ich sah mich um. Dort stand eine junge Frau und sah mich an. »Kennen wir uns nicht?«, fragte ich unhöflich zurück. Doch ich war über diesen Anblick so erstaunt, dass ich an Höflichkeit nicht denken konnte. Das Gesicht der Frau, es kam mir sehr bekannt vor....

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  • Die fehlender Erinnerung (1)

    Es war ein kühler Morgen im frühen Herbst. Kaum ein Mensch war auf der Straße. Alles war noch still. Nur an dem Flaschencontainer an der großen Kreuzung, dort bewegte sich etwas. Es war Jan. Er suchte nach leeren Pfandflaschen. Jan war ein Mann in den Fünfzigern. Zudem war er ein Mann, der stets...

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  • Der Fluch Karakums (2)

    Die Sonne drang nur spärlich durch die Wolken und tauchte die Stadt in ein unwirkliches Licht. Es war schwül. Nebel hing zwischen den Häusern. Die Luft war aufgeladen. In der Ferne hörte man immer wieder lautes Krachen. Blitze überzogen ständig den Horizont und tauchten die entfernten Vororte der...

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  • Getrennte Wege (3)

    Als er seine Augen schloss, suchte er Kontakt. Jan hatte fast alles vergessen. Es war schon verdammt lange her, dass er auf diese Art Kontakt gesucht hatte. Noch länger war es her, dass er die Erdäen bereiste. Doch die Worte von Marsha, sie hatten in ihm die Sorge um die Menschen entfacht. Warum...

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  • Auf geheimer Mission (4)

    Marsha fühlte sich leer. Sie hatte einen Freund verloren. Zudem wurde sie von diesen unheimlichen Männern bedroht. Sie kannte Baruns Mörder nicht. Auch kamen sie nicht aus Baruns Erdäum. Doch noch bedrohlicher war der Umstand, dass sie offenbar die Umbrae Mortis kontrollieren konnten. Niemand...

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  • Der kleine Professor (5)

    Marshas Bewusstsein war auf geheimer Mission. Auch Jan war nicht mehr im Erdäum Terra. Doch die Menschen, sie waren dort, und sie waren fassungslos. Die Erde spielte ziemlich verrückt. Schwere Unwetter suchten immer wieder weite Landstriche heim. Erdbeben mit enormen Kräften zerstörten ganze...

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  • Ein Mann und kein Mann (6)

    Als Jan erwachte, war es draußen bereits hell. In dem kleinen Haus roch es bereits nach Frühstück. Bina war schon lange wach und deckte gerade den alten Holztisch. Jan setzte sich auf. Er hatte ein wenig Kopfschmerzen. Offenbar waren sie eine der Nachwirkungen des Tees vom Vorabend. Als er etwas...

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  • Der Feind im Nebel (7)

    Finsternis, sie hatte sich ausgebreitet. Die Schatten des Todes nahmen inzwischen die gesamte Strasse ein. Barados stand noch immer am Fenster. Er fühlte sich bedroht. Betroffen verfolgte er das grausame Schauspiel. Im Hintergrund versuchte der alte Karam ebenfalls an das Fenster zu gelangen....

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  • In der Falle (8)

    Alles war ruhig, als Bina mit den drei Burschen aus dem Dorf bei der Hütte ankam. Ihren angeschlagenen Peiniger, den schleppten die beiden Freunde von Naham noch immer mit sich. Da der unwissende Jan noch immer ohnmächtig war, wusste nur Bina von der Möglichkeit, dass lauernde Umbrae Mortis auf...

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  • Das Haus der Vernunft (9)

    Als Jan seine Augen öffnete, da befand er sich an einem hellen Ort. Er hatte eigentlich eine Art Nichts erwartet.Doch er lag nun an einem Ort, umgeben von gleissendem Licht.Er war sich selbst bewusst. Jan war in dem Körper eines Mannes erwacht, der noch älter war als jener, in dem er zuvor...

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  • Der Feind in Terra (10)

    Als Marsha ihre Augen öffnete, sah sie sich sich unsicher um. Es war kalt. Sie fror. Marsha lag auf einem Rasen. Der Nebel war auf seinen schmalen Blättern zu Morgenreif erstarrt. Neben ihr lag Püppi auf dem Boden und leckte sich andächtig seine Pfoten. Offenbar war die junge Frau nach ihrer...

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  • Das Licht der Hoffnung (11)

    Jan hatte einige Tage im Haus der Vernunft bei Naya verbracht. Die große Raubkatze hatte ihm sehr viele ihrer Gedanken übertragen. Aber dennoch erschien alles im Haus der Vernunft unendlich friedvoll und angenehm. Es gab an diesem Ort auch einige andere Raubkatzen. Doch inzwischen hatte Jan...

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  • Esgana Cão (12)

    Als der Morgen in Berlin anbrach, war es Memba, die zuerst erwachte. Neben ihr lag Marani und schlief noch fest. Da es nicht sonderlich dunkel im Zimmer war, konnte sie ihn recht gut neben sich erkennen. Sie beobachtete den schlafenden Mann eine Weile. Er gefiel ihr ausgesprochen gut. Hier in...

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  • Bina in Not (13)

    Bina wusste nicht, was sie tun sollte. Der Morgen war inzwischen heran gebrochen. Einige Vögel zwitscherten im Wald. Die beiden unheimlichen Männer standen noch immer vor ihrem Haus und wollten den unwissenden Jan sprechen. Viel wahrscheinlicher war es jedoch, dass sie ihn nur töten wollten.»Ich...

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  • Im Sinne d. Waagumals (14)

    Die U-Bahn war fast leer. Das war gut so. Wäre sie voll gewesen, hätte die kleine Gruppe sie wegen Püppi nicht nehmen können. Große Hunde in vollen U-Bahnen waren ein Problem, hatten man für sie keinen Maulkorb dabei. Da half es auch nicht, für sie einen ermässigten Fahrschein zu besitzen. Die...

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  • Ohne Ausweg (15)

    Obwohl es auf dem zugigen Bahnsteig ziemlich eng war, hatten die Männer sie schon bald eingekreist. Püppi bellte. Marsha konnte ihn kaum halten. Memba sah sich panisch um. Marani versuchte Tina zu schützen. Dann fasste einer der Männer Memba an der Schulter an. Sie dreht sich um und schlug gekonnt zu. Der...

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  • Der Sonnenaufgang (16)

    Es war weit nach Mitternacht, als Bina meinte, dass die Umbrae Mortis wohl wieder wieder fort wären. Die Schatten waren nicht in das Haus gelangt. Sie hatten offenbar Glück gehabt. Auch schwebte das Licht der Hoffnung völlig ruhig in der Luft und war mehr nur noch zu erahnen, als dass man es sehen...

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