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Als er seine Augen schloss, suchte er Kontakt.
Jan hatte fast alles vergessen.
Es war schon verdammt lange her, dass er auf diese Art Kontakt gesucht hatte. Noch länger war es her, dass er die Erdäen bereiste. Doch die Worte von Marsha, sie hatten in ihm die Sorge um die Menschen entfacht. Warum das so war, das konnte er nicht sagen. Eigentlich hatte er die Menschheit gründlich satt. Zu oft schon hatten die Menschen ihn enttäuscht und verletzt. Doch auch er war ein Mensch. Vielleicht war es dieser Umstand, der das menschliche Handeln ihn besser verstehen ließ. Menschen waren schwach und leidenschaftlich, wissbegierig und selbstbewusst. Man durfte sie nicht einfach untergehen lassen.

Jedenfalls redete Jan sich das ein, als er Kontakt suchte. Er hatte sich dabei einiges vorgenommen. Es sollte nicht nur der Kontakt zu irgendeinem Xyral sein. Er suchte nach einem Kontakt jenseits alle dem, was selbst für einen Xyral denkbar gewesen war. Es war der Versuch nach einem Kontakt in den entferntesten Weiten des Seins. Dieser Ruf in das Unbekannte, er wurde von den Xyralen, als Narrenruf bezeichnet. Es war ein Ruf, der nicht nur ziellos, sondern auch gefährlich war. Man konnte dabei niemals wissen, was oder wer diesen Ruf beantworten würde. In den Weiten des Seins waren Mächte und Wesenheiten verborgen, denen selbst die mächtigsten Xyrale größten Respekt zollten. Sicherlich war es auch ein wenig die Furcht vor dem Unbekannten. Doch Jan hielt es für wahrscheinlicher, dass sie dort Kontakte fürchteten, die ihnen Wesenheiten nahe brachten, die das Potential besaßen, das Sein in seinen Grundfesten erschüttern zu können. Sie hatten dabei sicher nur Angst um ihre eigene Haut. Es war die Bedrohung ihrer eigenen Macht, der Macht des Waagumals und des gesamten System, vor der sie sich fürchteten. Daher hatten sie nur selten den Narrenruf probiert. In Anbetracht der Geschichte von Marsha hielt es Jan für notwendig, ganz neue Wege zu versuchen und etwas zu wagen. Was hatte er, der alte Flaschensammler und Versager, in der Welt der Menschen schon noch zu verlieren?

Doch seine mutige Idee, sie sollte sich schwieriger realisieren lassen, als er sich es gewünscht hatte. Er war nicht in Übung, nur wenig in Stimmung und ein alter Mann. Jan war eigentlich nicht mehr, als nur ein Ex-Xyral mit wenigen Erinnerungen. Mehr war er nicht. Auch wenn er damals ein ganz großer Könner seiner Zunft gewesen war, so war Jan sich heute nicht mehr sicher, dass er sein Handwerk noch verstand. Dementsprechend sahen auch seine ersten Versuche aus.

Er entspannte sich. Auf seinem Bett lag er. Larissa lag neben ihm. Sie schlief. Jan tat das schließlich, nach einigen Augenblicken der Entspannung, auch. Er schnarchte dabei. So sehr schnarchte er, dass Larissa das Weite suchte. Sie fand im Kleiderschrank einen relativ ruhigen Platz.

Als Jan nach einigen Stunden wieder erwachte, war er ein wenig wütend auf sich selbst. Mürrisch stand er auf. Er ging erst einmal mit Larissa vor die Tür. Obwohl die junge Hundedame sich nur schnell erleichterte, schaute Jan sich stets unruhig um. Er wollte nicht unbedingt wieder auf diese üblen Umbrae Mortis stoßen.

Kaum war er wieder in seiner Kellerwohnung, setzte er sich an den Esstisch. Er versuchte die Kraft des Xyralums einzusetzen. Er dachte angestrengt nach. Jan musste es einfach schaffen. Tief in sich spürte er diese seltsame Kraft, wie sie durch das Xyralum ausgelöst wurde. Er erinnerte sich allmählich wieder an seine Jugend. Viele Bilder schossen ihm durch den Kopf. Es waren zumeist lustige Erlebnisse, aber auch einiges Unheimliches, an das er sich erinnerte. An jede Erinnerung versuchte er sich zu klammern. Er versuchte sich regelrecht festzukrallen, um sie nicht mehr zu verlieren. Sie waren kostbar für ihn. Doch entglitten sie ihm immer wieder, als würden sie auf einem reißenden Gedankenfluss treiben. Es kostete ihn unheimliche viel Kraft, sich auf seine Erinnerungen zu konzentrieren. Kaum hatte er sie fassen können, entfernten sie sich auch schon wieder von ihm. Jan versuchte es immer wieder und wieder.

Nach einigen Stunden ließ er völlig erschöpft seinen Kopf auf die schmutzige Tischplatte sinken. Er befreite seinen Geist von jedem einzelnen Gedanken, bis er völlig leer zu sein schien. Nur noch seine Gefühle umhüllten seinen leeren Geist. Es war, als würden sie regelrecht darauf warten, sich auf neue Eindrücke stürzen zu können. Doch diese blieben aus. Es kamen keine neuen Eindrücke mehr in seinen Geist. Als würde sein Kopf einer Festung gleichen, die sich vor einer Belagerung schützte, so fühlte er sich an. Nun fand Jan endlich seine Ruhe. Er ließ sich völlig entspannt hängen. Jan versuchte, an überhaupt nichts mehr zu denken. Nach einer Weile lief ihm etwas Speichel aus dem Mundwinkel und fiel direkt auf die Tischplatte. Jan bemerkte es nicht. Er war völlig leer. Doch dann meinte er schon, etwas wahrzunehmen. Ganz plötzlich schien es ihm, als wäre er nicht mehr für sich alleine. Er war nicht mehr alleine. Da war etwas ganz tief in ihm drin. Es schien sich allmählich seinem Geist nähern. Jan sah keinen Grund zur Unruhe, auch wenn es nicht seine Erinnerungen waren, die sich ihm näherten. Es war viel mehr etwas, was nicht zu ihm selbst gehörte. Etwas völlig Fremdes näherte sich ihm, als würde es sich wie ein kleines Tier im Nebel auf ihn zu bewegen. Doch Jan konnte es einfach nicht richtig erkennen. Er versuchte es deutlicher zu sehen und ließ seinen Geist näher heran. Doch das Fremde in ihm, es wich zurück. Wieder probierte es Jan, und wieder wich das Fremde zurück. War das möglich? War dort etwas in der Ferne seines Geistes, dem er tatsächlich folgen sollte? Jan wollte es wissen und ließ seinen Geist die Verfolgung aufnehmen. Immer schneller und schneller bewegte sich das Fremde vor ihm durch den Nebel seines Geistes. Instinktiv spürte er, wie er sich von seinem realen Bewusstsein als Mensch im Erdäum Terra entfernte. Inzwischen rauschte er mit dem Fremden vor sich so rasant durch das Sein, wie er niemals zuvor zwischen den Erdäen gereist war. Als Xyral waren es nur Augenblicke, um von einem Erdäum, zu einem anderen zu reisen. Es war mehr ein Springen von einer Welt, zur nächsten. Mehr als vier bis fünf Erdäen pro Reise waren für einen Xyral, eine enorme spirituelle Herausforderung. Das Xyralum löste Entfernungen praktisch auf und ermöglichte damit eine Reise. Doch diese Reise jetzt, sie war völlig anders. Sie dauerte an, und Jan spürte die hohe Geschwindigkeit. Er bekam allmählich Angst. Ihm wurde übel. Diese Gefühl wirkte sich unmittelbar auf seine Reise aus. Es schien die Geschwindigkeit massiv zu bremsen. Davon war er so sehr fasziniert, dass die Angst in ihm wieder ein wenig wich und seine Reise wieder an Geschwindigkeit gewann. Es waren die Gefühle in ihm, mit denen er seine Fahrt steuern konnte. Das hatte er nun verstanden. Sie behinderten deutlich die Geschwindigkeit, waren sie da. Konnte er sich von ihnen befreien, dann nahm die Geschwindigkeit wieder zu. Offenbar lenkten sie ihn vom Reisen ab.

Bald schon erkannte er, dass dieser weiße Nebel nicht aus kleinsten Wassertröpfchen bestand, wie man meinen konnte, sondern aus vielen winzigen Bildern. Es waren die schier unendlich vielen Erdäen, die an ihm vorbeiflogen. Die Geschwindigkeit war es, die ihm den Eindruck verschaffte, es wäre nur ein feiner Nebel, durch die er reiste. Würde er jetzt die Reise enden lassen, dann würde er wohl unverzüglich in eines der winzigen Bilder eintauchen und damit das betreffende Erdäum besuchen. Es waren demnach schier unzählige Milliarden von Erdäen mit ihren Gesellschaften, die an ihm vorbeiflogen. Sie klebten dicht an dicht aneinander, im gleichen Augenblick, meistens ohne etwas voneinander zu wissen. Vielleicht hatten einige eine vage Ahnung, doch mehr wussten sie nicht. Sie alle wurden nur durch das Xyralum getrennt. Das Xyralum trennte und verband alle Erdäen miteinander. Ohne das Xyralum würde sich dieser Nebel wohl zu einem chaotischen Ozean im Sein vereinen. Jan spürte eine tiefe Beeindruckung in sich. Es war ein Gefühl größter Demut vor der Natur, das in ihm glühte. Jan war eben auch ein sehr emotionaler Mensch, und er war ein alter Xyral. Als ein wirklich ärgerlicher Umstand erwies sich das für ihn. Seine aufkeimenden Gefühle brachten seinen Geist zu einer regelrechten Vollbremsung. Seine Reise büßte massiv an Geschwindigkeit ein. Sein Geist wirbelte plötzlich wirr zwischen dem Nebel der Erdäen umher. Daraufhin bekam er spontan Angst und bremste durch sie nur noch heftiger seine Reise ab. Er wirbelte wie ein Bruchpilot völlig wirr herum. Dann erwachte Jan plötzlich in irgendeinem Erdäum im kalten und stinkenden Morast. Er lag mitten im nassen Dreck.

So laut und so verzweifelt, wie es jetzt tat, so hatte Jan schon lange nicht mehr geschrien. Es war die Panik. Das Entsetzen suchte sich einen Weg ins Freie. Vögel stiegen kreischend in die Nachtluft auf. Augenblicklich verstummten sämtliche Frösche und Unken im gesamten Umkreis. Dann war es wieder völlig still im Moor. Nach einer Weile vernahm man in der Finsternis ein knurrendes: »Scheiße...«.

Stöhnend erhob sich Jan. Er war bis auf die Knochen nass. Stinkender Morast klebte in seinem Gesicht. Er trug die einfache Kleidung eines Bauerngesellen. Vorsichtig stapfte er durch das sumpfige Gebiet, bis er festen Boden unter seinen Füßen spürte. Jan hatte nicht die leiseste Ahnung, in welchem Erdäum er gelandet war. Er konnte überall sein. Glücklicherweise erinnerte er sich noch an sein gutes, altes Erdäum Terra. So konnte er später wenigstens versuchen, wieder nach Hause zu gelangen. Es war schon oft vorgekommen, das Xyrale derart unsanft aus ihrer Reise gerissen wurden, dass sie dabei ihren heimatlichen Ursprung vergaßen. Immerhin hatte auch Jan keine normale und sanfte Reise hinter sich. Er war sich sicher, sehr weit in unbekanntes Terrain vorgedrungen zu sein. Vielleicht war er sogar der erste Xyral, der überhaupt jemals in diesem Erdäum abgestiegen war?

Jan sah sich um. Er spürte instinktiv, dass noch nie ein Xyral vor ihm an diesem Ort erwacht war. Vielleicht gab es einheimische Xyrale, aber fremde waren hier sicher noch nicht erwacht. Dieses Erdäum schien wild und nur wenig wohlwollend vom Waagumal bedacht worden zu sein. Das Xyralum vor Ort, es war kräftig und ungewöhnlich ruhig. Schlecht gelaunt stolperte Jan den kleinen Pfad entlang. Irgendwohin musste er führen und Jan war gespannt, wie es dort wohl aussehen würde.

 

Nachdem Marsha die Kellerwohnung von Jan verlassen hatte, folgte sie einem brennenden Verlangen tief in sich, einen sogenannten Kraftort in Terra aufzusuchen. Kraftorte waren Orte, an denen sich das Xyralum immer wieder in großen Mengen ansammelte. Einige Zeit verweilte es dort, nur um sich dann wieder aufzulösen und zu verteilen. Niemand hatte jemals die Ursache für dieses Phänomen ergründen können. Doch an diesen Orten war das Xyralum zeitweise so stark konzentriert, dass nahezu alle Lebensformen im Erdäum in der Lage waren, es zu spüren und es manchmal auch für sich nutzbar zu machen. Die Menschen Terras kannten solche Kraftorte natürlich auch und gaben ihnen immer wieder die verschiedensten Namen. Diese Orte wurden oft von sensiblen Menschen aufgesucht, um sich dort spirituell zu betätigen. Nicht selten wurden Heiligtümer an diesen Stellen errichtet. Diese wurden dann über viele Epochen hinweg betrieben und liebevoll gepflegt. Gottheiten wurden dort angebetet, die Toten wurden dort bestattet und heilige Rituale durchgeführt. Das Xyralum ließ die Lebewesen der Erdäen an diesen Orten spüren, dass es noch mehr im Sein gab als das, was mit den regulären Sinnen des Körpers wahrnehmbar war. Kraftorte sind Orte der Wunder. An diesen Orten schienen die Grenzen zwischen den Erdäen dünner zu sein und man konnte die Anwesenheit anderer Erdäen erahnen. Genau so einen Kraftort wollte Marsha nun aufsuchen. Etwas zog sie dort hin. Vermutlich kam eine Botschaft für sie durch.

»Du blöder Idiot. Schon immer warst du stur und verbohrt. Das hatte uns früher schon oft in Schwierigkeiten gebracht.«, fluchte sie leise vor sich hin, während sie die Straße entlang hastete. Marsha spürte, wie sich das Waagumal Stunde, um Stunde, veränderte. Sie musste handeln und zwar schnell. Doch Jan hatte sie abgewiesen. Er hatte seine ursprüngliche Funktion einfach vergessen. Seine Fantasiefähigkeit, sie hatte sich offenbar völlig zerstreut. Nun musste Marsha nach einem Weg suchen, alleine mit dem Problem fertig zu werden. Es war ihre Pflicht und ihre Aufgabe als Xyral, das Erdäum Terra und das Waagumal zu schützen. Auch dann war es ihre Aufgabe, wenn es viele Gefahren für die Menschen und für sie selbst mit sich brachte.

Sie näherte sich der alten Kirche im Stadtzentrum. Zwar gab es auch neuere Kirchen, die schneller zu erreichen gewesen waren, doch trotz ihrer aufwendigen Segnung waren sie keine Kraftorte. Viele Kirchen wurden inzwischen immer wieder an Plätzen gebaut, die keine Kraftorte waren. Offenbar hatten die Kirchen keinen wirklich guten Draht zum Xyralum mehr. Viele Kaufleute und Verwalter standen für die Kirchen. Zu viel hatten die Kirchen an Sinn für Spiritualität verloren. Nach einigen Minuten der Hetzerei durch die Stadt, erreichte Marsha schließlich das alte Gotteshaus. Als sie dort eintrat, leuchteten viele kleine Opferkerzen in der rechten Ecke. Der protzige Altar türmte sich in der Mitte auf. In den alten Holzbänken saßen und knieten einige alte Frauen, um ein wenig zu beten. Marsha suchte eine Stelle in der Kirche auf, die eher unbedeutend und trist zu sein schien. Es war eine dunkle Stelle im linken Kirchenschiff. In einem der alten Sandsteine der Kirchenmauer war dort kunstvoll ein kleiner Esel gemeißelt, der zwischen seinen Augen ein Horn trug. Unter dessen Beinen saß ein kleiner Mann, der drei Finger erhoben hatte. Genau diese Stelle suchte Marsha auf. Der gehörnte Esel wies auf die Geschichte Bileams hin. In ihr war es ein einfacher Esel, der den Engel des Herrn sehen konnte, als er ihm erschien, jedoch nicht sein Hüter Bileam selbst. Der Engel wollte eine Botschaft überbringen. Wegen der Erscheinung wollte der Esel seinem Herrn Bileam nicht weiter auf dem Weg folgen. Er wurde deshalb von seinem Hüter geschlagen und misshandelt. Das spitze Horn zwischen seinen Augen auf dem Bild, es symbolisierte das dritte Auge Ru. Es deutete damit auf die Fähigkeit hin, das Xyralum erkennen und gegebenenfalls für sich nutzbar machen zu können. Der Mann unter dem Esel, er zeigte mit seinen Fingern die bedeutungsreiche Zahl 3. Sie galt als das Symbol für die drei Pfade des Leidens, die zur spirituellen Vollkommenheit und zu den Reichen der Engel führen sollten. Alles das zeigte Marsha, dass sie hier die richtige Stelle gefunden hatte. Jetzt musste sie nur noch auf den Augenblick der Konzentration des Xyralums warten, um nach der Botschaft Ausschau halten zu können. Auch musste sie auf die Umbrae Mortis achten, die sich oft in der Nähe von Kraftorten aufhielten. Sie gaben sich stets wie hungrige Wespen, die um einen reich gedeckten Kaffeetisch kreisten. Nicht ohne Grund wussten die Kirchen von der Existenz der Schatten. Sie brachten diese mit dem Bösen in Verbindung. Doch auch wenn die Umbrae Mortis sich um einen Kraftort scharten, so waren sie in ihrer Gier nach dem Xyralum nahezu blind für alles andere um sie herum. Ein Xyral konnte sich dort relativ sicher aufhalten, auch wenn die Anwesenheit eines Hundes sicherlich beruhigender gewesen wäre. Daher sollte man an Kraftorten doch immer auf Menschen achten, die einen Hund mit sich führen. Es konnten durchaus Xyrale sein, die das Xyralum des Kraftortes nutzen wollten. Marsha saß eine Weile auf einer der alten Bänke in der Nähe des Kraftortes, als sie deutlich einen Anstieg des Xyralums spürte. Offenbar war es nun so weit. Sie lief so unauffällig, wie es ihr möglich war, zu dem Kraftort und legte ihre Hand auf den Boden. Marsha spürte, wie ihre Sinne sich regelrecht aufbäumten und starke Gefühle ihr Herz zu heftigem Klopfen brachten. Plötzlich wurde es ganz still um sie herum. Ihr schossen seltsame Bilder durch den Kopf. Sie sah ein fernes Erdäum, das sie schon einmal früher besucht hatte. Dort waren drei Männer zu sehen, die sich gegenseitig bedrohten. Einer der Männer, er hatte einen Hund bei sich. Dieser bedrohte die beiden anderen Männer. Sein Nackenfell und die Haare am Schwanz, sie waren aufgestellt. Die Zähne hatte er bedrohlich gefletscht. Plötzlich warf sich einer der Männer dem Hund entgegen und stieß ihm eine glitzernde Klinge in den Hals. Sofort jaulte der Hund auf und brach blutend zusammen. Noch während der Hund um sein Leben kämpfte, fielen dutzende Schatten über den bedrohten Mann her und saugten ihm gnadenlos alles Xyralum aus. Es war nicht wirklich schwer zu erraten, dass es Xyralum war. Marsha kannte den Mann, der dort um sein Leben kämpfte. Es war Barun. Barun war ein recht erfahrener Xyral. Er war ein alter und treuer Freund von Marsha. Barun ging langsam auf die Knie und starb bei dem Angriff der Umbrae Mortis, während die beiden anderen Männer untätig dabei zusahen. In ihren Gesichtern erkannte man Zufriedenheit. Dann fiel Barun plötzlich auf seinen toten Hund und blieb dort regungslos liegen.

Marsha war entsetzt. Gerade als das Bild vor ihrem inneren Auge verblasste, dreht sich einer der Mörder Baruns um und starrte sie wütend an. Doch Marsha war bereits wieder in der Kirche und lag auf dem kalten Kirchenboden.

»Kann ich ihnen helfen, junge Frau?«, hörte sie eine Männerstimme und blickte erschrocken auf.

Dort stand der Gemeindepfarrer und sah sie besorgt an. »Nein, oh nein, danke...«, stammelte Marsha. Doch kaum hatte sie das gesagt, wurde es in ihrem Teil der Kirche plötzlich gleißend hell. Ein greller Lichtstrahl schoss direkt aus dem Kraftort in die Höhe und gegen das Dach der Kirche. Ergriffen von Schrecken und Angst schrien die alten Frauen in ihren Bänken auf. Einige andere hatten nur ihre Münder weit geöffnet und staunten wortlos. Andere gaben sich nahezu hysterisch.

»Ein Engel! Das ist ein Engel!«, rief eine etwas jüngere Frau, die gerade zur Kirchentür hereingekommen war. Sie lief mit verklärtem Gesichtsausdruck auf den Lichtstrahl zu, in dem sich inzwischen ein schwarzer Fleck gebildet hatte.

Der Gemeindepfarrer suchte Halt an dem kleinen Kreuz, das er um seinen Hals trug. Mit verkrampften Fingern klammerte er sich daran fest. Aus dem schwarzen Fleck hatte sich inzwischen das Gesicht jenes Mannes geformt, der Barun getötet und Marsha entdeckt hatte.

»Ich habe dich gefunden, mieser Xyral. Ich habe dich gesehen und dich gefunden...!«, donnerte eine tiefe Stimme durch die Kirche.

Die verklärt wirkende Frau vom Kircheneingang, sie war nun bei dem Lichtstrahl angekommen und hatte ihre Arme so sehr weit geöffnet, als wollte sie den Lichtstrahl umarmen. »Nein, tun sie das nicht!«, schrie Marsha sie an.

Doch da war es schon zu spät. Der Lichtstrahl trennte der Frau den rechten Arm sauber ab. Die Frau fiel zu Boden, was ihr den anderen Arm rettete.

»Weiche von uns, du Diener der Finsternis! Verlasse das Haus Gottes. Unverzüglich! Ich befehle es dir!«, polterte der Geistliche neben Marsha plötzlich los.

»Halten sie ihren Mund, verdammt, Sie Narr!«, brüllte ihn Marsha an. Dann schritt sie mutig auf den Lichtstrahl zu, was offenbar einige Umbrae Mortis bemerkten. Sie hatten sich bisher in einer finsteren Ecke der Kirche aufgehalten, was sie immer ganz gerne tun. In der eher dunklen Kirche waren sie rasch zu übersehen. Nun jedoch, waren sie plötzlich nur noch von ihrer Gier nach dem Xyralum getrieben. Sie bewegten sich rasch auf Marsha und den Lichtstrahl zu. Doch die junge Frau hatte sie sogleich bemerkt und sich von dem Lichtstrahl entfernt. Die Umbrae Mortis flogen direkt in den gleißenden Lichtstrahl hinein, der sich sofort mehr und mehr verdunkelte. Sie sogen gierig das Xyralum auf, bis der Mörder Baruns nicht mehr genügend Kraft besaß, seine Verbindung zu dem Kraftort aufrecht zu erhalten. Der Lichtstrahl verschwand. Es wurde wieder dunkel in der Kirche.

»Ruft schnell einen Krankenwagen!«, rief eine der älteren Frauen. Eine andere aus dem Kreis der Betenden lief eilig herbei, um der Verletzten zu helfen, die zitternd auf dem Boden lag.

»Das war ein Angriff auf das Haus des Herrn. Die Mächte der Finsternis waren stark an diesem Ort. Oh, mein Gott! Oh, Herr!«, redete der Gemeindepfarrer vor sich hin und war dabei leichenblass im Gesicht.

»Nein, Hochwürden, es ist ein Engel getötet worden.«, entgegnete Marsha verbittert. Sie wollte jetzt nur noch rasch die Kirche verlassen, bevor die Umbrae Mortis auf sie aufmerksam wurden. Als sie zur Kirchentür lief, hörte sie den Pfarrer rufen: »Haltet die junge Frau auf. Sie hat irgendetwas mit dieser Sache hier zu tun. Schnell, haltet sie auf!«

Sofort begann Marsha zu rennen. Sie war schon fast bei der schweren Holztür, als sich ihr von linker Seite ein älterer Mann näherte. Doch gerade in dem Augenblick, als er sie am Arm festhalten wollte, kam ein kleiner Jagdhund unter den Bänken hervor gelaufen. Offenbar hatte er sich in der Aufregung von seinem Frauchen gelöst. Der hastige alte Mann stolperte über den Hund und fiel ziemlich unsanft auf den Steinboden. Dieser war sehr glatt. So rutschte der Mann, auf dem Bauch liegend, über den Boden.

Es gelang Marsha in letzter Sekunde, aus der Kirche zu fliehen. Sie rannte die Straßen der Stadt entlang. Dabei bog sie mehrfach ab, um nicht doch noch durch ihre Verfolger gestellt zu werden. Offenbar folgte ihr jedoch niemand. Völlig außer Atem ging sie in die Knie. Sie versuchte wieder etwas Luft zu bekommen. Tränen liefen ihr durch das verschwitztes Gesicht. Ein lieber Freund war gestorben. Nein, er war kaltblütig ermordet worden. Für seine Nachricht war es zu spät gewesen. Die Mörder hatten ihr Ziel erreicht. Offenbar sollten sie die Übermittlung der Nachricht verhindern. War das Erdäum Terra womöglich deutlich mehr in Gefahr, als Marsha es bereits ahnte?

 

Nach einer Weile wurde der finstere Wald um Jan heller. Man konnte in der Ferne die Lichter eines Bauernhauses erkennen. Als er sich näherte erkannte er, dass es mit Schilfrohr gedeckt und im Prinzip sehr einfach erbaut worden war. Doch so nahe am Wald und dem Sumpf, da war ein Reetdach wohl auch zweckmäßig. Jan war damit aber auch sogleich klar, dass er in diesem Erdäum wohl kein Kabelfernsehen und kein Internet erwarten durfte. Doch er musste zunächst wieder ein wenig zur Ruhe kommen, um sich für eine Fortsetzung seiner Reise konzentrieren zu können. Einen weiteren Narrenruf musste er probieren. Also begab er sich zu dem Haus und klopfte gegen die alte Holztür. Zunächst geschah nichts. Doch dann, einen Augenblick später, da hörte er ein leises Rascheln.

»Wer ist dort? Verschwindet am besten gleich, sonst werde ich euch Beine machen. Gäste sind zu dieser Zeit immer unerwünscht.«, hörte Jan eine Frauenstimme durch die Tür zu ihm sprechen.

»Ich bin alleine und ein armer Reisender, der sich hoffnungslos verirrt hat. Nur eine Suppe, etwas Brot und Wasser begehre ich. Auch wenn ihr mir sagen könntet, wo ich mich hier befinde, wäre ich euch sehr dankbar.«

»Ich wiederhole mich nur ungern, ihr armer Reisender. Verschwindet, sonst wird es euch schlecht ergehen!«

»So habt doch Erbarmen.«

Nach einem stillen Moment wurde die Tür geöffnet. Jan blickte direkt auf die Spitze eines Pfleils, der in eine Armbrust gespannt war.

»Oh, nein, junge Frau, wer wird denn gleich...?«, meinte Jan und sprang zur Seite, so gut es sein verschmutzter Körper eben zuließ. Es hatte ihn in diesem Erdäum nicht wirklich besser getroffen, als er es in Terra gewohnt war. Jan war hier zwar in einem etwas jüngerem Körper erwacht, aber das fiel ihm selbst kaum spürbar auf. Wie in Terra auch, so war er hier ebenso ärmlich gekleidet, auch in einem eher gesetzten Alter und fand sich selbst nicht wirklich adrett.

»Verschwindet...! Rasch!«

»Ist ja schon gut. Nur ganz ruhig bleiben. Ich werde gehen.«

Jan hob seine Arme und entfernte sich langsam von der Tür, indem er vorsichtig rückwärts lief.

In der Tür stand eine Frau mittleren Alters, von nicht geringer Schönheit. Sie hatte ein hübsches Gesicht, trug blonde Haare und hatte eine wohl proportionierte Figur. Da war wirklich alles an seinem Platz, sah man einmal von der gespannten Armbrust ab, die noch immer bedrohlich auf ihn gerichtet war. Die Frau beobachtete seinen Rückzug genau und musterte ihn ausgiebig. Ihr fiel seine schmutzige, nasse Kleidung auf. Er war zudem wirklich nicht mehr in dem Alter der jungen Taugenichtse aus dem Dorf. Von denen hatte sie nur Schlechtes gehört und nur Ärgerliches erlebt. Sie fühlte sich als Frau von diesen sprunghaften Gestalten bedroht. Waren sie betrunken, was sie ohnehin fast immer waren, fielen sie schon einmal über eine hilflose Frau her und bedrängten sie. Doch dieser alte Mann, er war nicht betrunken, sah friedlich und eher interessant aus. Also ließ sie die Armbrust langsam sinken und meinte zu ihm: »Schon gut. Ich glaube euch. Ihr seid willkommen. Tretet ein.«

Jan seufzte erleichtert auf. Er betrat zögernd und sehr vorsichtig das kleine Bauernhaus.

»Hier treiben sich viele üble Gestalten herum. Da kann man nicht vorsichtig genug sein.«, meinte sie zu ihm.

»Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Doch ich bin wirklich in einer Notlage und habe mich nur in diesem Moor verirrt. Ich hege nicht den Gedanken, euch Leid zuzufügen. Bitte glaubt mir.«

»Wenn ihr das sagt, dann wird es wohl auch so sein. Nehmt am Tisch Platz. Ich will sehen, ob noch etwas Knollenbrei da ist. Doch solltet ihr Übles im Sinn haben, dann seid ihr ein toter Mann.«

»Das hört sich fein an, gute Frau. Mein Name ist Jan. Ich bin vorhin im Sumpf erwacht und kann mich an nichts mehr erinnern. Wahrscheinlich hat man mich überfallen und dann einfach dort liegen gelassen.«

»Die Leute nennen mich Bina. Seit mein Mann im Sumpf umgekommen ist, lebe ich hier alleine und versuche das Beste aus meinem Leben zu machen. Ich mag die Einsamkeit und den Geruch des Moores. Hier kann ich mit meinem toten Mann sprechen, wie und wann es mir beliebt, ohne das man über mich schlecht redet und lacht. Menschen mag ich nicht besonders, so müsst ihr wissen. Aber das habt ihr sicher ohnehin schon selbst bemerkt.« Bina legte die Armbrust auf einen Stuhl neben der Tür. Dann sah sie in einem alten Topf nach, ob sie dort noch etwas Essbares für diesen Jan finden konnte.

»Ja, ich kann euch ganz gut verstehen. Ich mag die Menschen auch nicht besonders, Bina. Menschen waren es, die zwei gute Freunde von mir getötet und mich dann einfach meinem Schicksal überlassen haben. Ist man ein wenig anders als es die Mitmenschen erwarten, schwimmt man nicht mit ihnen im Strom der allgemeinen Meinung, dann hat man fast immer nur Ärger mit ihnen.«

»Hier, stärkt euch erst einmal. Es ist nicht viel, aber es ist sehr nahrhaft.«

Bina stellte Jan eine Schale mit dampfendem Knollenbrei auf den Tisch. Einen Löffel aus Holz legte sie dazu. Dann holte sie einen Krug Wasser und einen Becher aus Keramik. Der Brei war ziemlich fest gegart, so dass Jan ihn kaum schlucken konnte. Doch spülte er dann mit etwas Wasser nach, war diese üble Eigenschaft erträglich. Bina hatte sich zu ihm an den Tisch gesetzt und fragte: »Ihr seid nicht von hier. Woher kommt ihr, und was führt euch in diese trostlose Gegend?«

Wäre Jan nicht früher ein Xyral gewesen und es daher nicht gewohnt, solche Fragen zu beantworten, dann wäre er jetzt aufgeschmissen gewesen. Doch er war ein Xyral und log deshalb völlig gelassen: »Ich kann mich nur an eine kleine Stadt erinnern. Ich brach auf, um Handel zu treiben. Offenbar wurde ich hier im Sumpf überfallen. Man hat mich heimtückisch niedergeschlagen. Ich kann mich an fast nichts mehr erinnern. Offenbar habe ich einiges aus meinem Gedächtnis verloren. So weiß ich nun nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich wollte.«

»Das ist ja schrecklich, vielleicht auch praktisch. Ich wünschte, ich könnte euch helfen, wenn ich denn soll« Bina lachte.

»Ihr helft doch bereits mit Speis, Trank und einem Dach über dem Kopf.«

»So ist es auch gut. Bleibt bitte über Nacht. Vielleicht fällt euch am frischen Morgen und nach einer Mütze voll Schlaf alles wieder ein? Seid bitte mein Gast.«

Jan nickte ihr freundlich zu. Er hatte erreicht, was er wollte. Die gewonnene Zeit wollte er nutzen, um sich seine nächsten Schritte gut zu überlegen. Er musste zumindest versuchen, wieder in das Erdäum Terra zu gelangen. Vielleicht schaffte er es auch, dieses fremde Element im Strom seines Geistes erneut zu finden. Offenbar sollte er sogar den Weg in diese entlegene Gegend des Seins finden. Dann würde das Fremde in seinem Geist sicher erneut versuchen, sich ihm zu nähern. Allerdings musste Jan dann erneut einen Narrenruf probieren.

Als er fertig gegessen hatte, zeigte ihm Bina zwei Säcke, die mit Stroh gefüllt waren und eine weiche Decke. Hier sollte er nächtigen. Sie stellte ihm vor dem Haus zwei Eimer Wasser hin. Er sollte sich ausziehen und ihr seine schmutzigen Kleider geben. Dann sollte er sich erst einmal richtig waschen. Sie ging wieder in das Haus und holte ein paar Hosen. Danach gab sie ihm ein weit geschnittenes Hemd aus Baumwolle.

»Das hatte früher meinem Mann gehört. Nun gehört es euch. Ihr müsst etwas Sauberes zum Anziehen haben, wenn ihr morgen weiter in die Stadt wollt.«

Jan nahm die Kleidung dankend an. Als Bina wieder in das Haus gegangen war, zog er sich aus und wusch sich mit dem kalten Wasser. Nach einer Weile kam Bina wieder. Jan war noch nackt. Sie musterte ihn kurz und meinte dann schmunzelnd: »Ich hätte das Wasser vorher erwärmen sollen. Verzeiht mir...« Dann ließ sie Jan wieder alleine.

Als er frisch und rein in das Haus kam, hatte Bina bereits ein wenig aufgeräumt. Sie hatte eine Art Tee gekocht, der in zwei Bechern auf dem Tisch stand und dampfte.

»Wenn ihr mögt, dann trinkt mit mir noch einen Becher Gebräu. Diese Kräuter des Sumpfes, sie werden euch sicher gut tun. Ich habe sie selbst gesammelt und aufbereitet.« Jan setzte sich mit Bina an den Tisch und schlürfte den kräftigen Tee. Das schmackhafte Gebräu, es hatte eine wahrhaft seltsame Wirkung auf ihn. Ihm wurde ganz warm. Seine Hemmungen zu dieser ziemlich sinnlichen Frau, sie schienen sich allmählich vollkommen aufzulösen. Auch ihre Augen, sie schienen bereits mehr zu glänzen, als zuvor. Nach weiteren Schlucken von dem Tee bekam er eine Erektion und suchte die Nähe zu Bina. Sie hatte sich bereits ihre Kleidung ein wenig geöffnet, und man konnte ihre weibliche Üppigkeit deutlich erahnen.

»Meine Güte, was hast du mir hier für einen Tee gebraut? Mir wird so ganz anders.«

»Der Tee entspannt und tut gut, hat aber einige Nebenwirkungen. So ist es mit den meisten Kräutern des Sumpfes.« Bina lächelt ihn ein wenig aufreizend an.

Er wollte sie küssen. »Bina, ich denke, es war ein langer Tag heute. Ich werde mich zum Schlafen legen. Das ist wohl wirklich besser so, oder was meinst du?«

»Nun, wenn ihr das denkt, dann solltet ihr es auch tun.« Als Jan wenig später entspannt zwischen seinen Strohsäcken lag, beobachtete er Bina, wie sie sich für die Nacht vorbereitete. Der Tee zeigte noch immer seine Wirkung. Bina entkleidete sich freizügig vor seinen Augen. Er sah ihr dabei einfach zu. Ohne den Tee hätte er sich das wohl niemals getraut. Doch diese Frau, sie war wundervoll. Binas Hals war schlank und makellos. Ihre Lippen, sie schienen unendlich weich und sinnlich. Er bewunderte ihre wohlgeformten Brüste. Beide Nippel lagen im Zentrum der großen Warzen und reckten sich vorwitzig dem kalten Wasser entgegen. Durch ihre dünnen Schamhaare konnte er ihr Geschlecht erahnen, was ihn unglaublich erregte. Binas Beine, sie waren lang. Ihre Haut schien unendlich seidig zu sein. Jan war ganz gierig danach, sie zu berühren und ihren Duft aufzunehmen. Bina war nicht so ein junges Geschöpf, nicht fast noch ein Mädchen, nicht so grün, wie es Marsha war. Nein, sie war eine echte Frau, reif und betörend schön, und Jan begehrte sie sehr.

Bina bemerkte natürlich seine gierigen Blicke und sah immer wieder lächelnd zu ihm. »Der Tee ist gut, oder nicht? Seine Magie verzaubert, aber er raubt den Menschen nicht völlig ihren Willen.«, erklärte sie nur kurz und streifte sich dabei ihr Nachthemd über. Dann sprang sie ausgelassen in ihr Bett. Das war sehr einfach gebaut, wie eben alles in diesem Haus von einfacher Art war. Sie löschte das Licht. Es war fast ganz dunkel im Raum. Nur etwas Licht von der Glut des Feuers war noch zu erahnen.

»Gute Nacht, Jan, träume etwas Schönes.«, hörte er sie flüstern. Er wusste sofort, wie sie das meinte.

»Das werde ich, Bina. Das werde ich...«

Danach drehte er sich um und versuchte krampfhaft an etwas anderes zu denken. Er war müde und wollte eigentlich schlafen. Das war jedoch nicht wirklich einfach. Eine Erektion, sie konnte schon etwas Nervtötendes sein, wollte man einfach nur schlafen und keinen Sex. Doch der Tag, er war aufregend gewesen. Die vielen neuen Eindrücke, sie zeigten allmählich ihre Wirkung, und Jan war schließlich irgendwann doch eingeschlafen.

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    Es war ein kühler Morgen im frühen Herbst. Kaum ein Mensch war auf der Straße. Alles war noch still. Nur an dem Flaschencontainer an der großen Kreuzung, dort bewegte sich etwas. Es war Jan. Er suchte nach leeren Pfandflaschen. Jan war ein Mann in den Fünfzigern. Zudem war er ein Mann, der stets...

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  • Der Fluch Karakums (2)

    Die Sonne drang nur spärlich durch die Wolken und tauchte die Stadt in ein unwirkliches Licht. Es war schwül. Nebel hing zwischen den Häusern. Die Luft war aufgeladen. In der Ferne hörte man immer wieder lautes Krachen. Blitze überzogen ständig den Horizont und tauchten die entfernten Vororte der...

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  • Getrennte Wege (3)

    Als er seine Augen schloss, suchte er Kontakt. Jan hatte fast alles vergessen. Es war schon verdammt lange her, dass er auf diese Art Kontakt gesucht hatte. Noch länger war es her, dass er die Erdäen bereiste. Doch die Worte von Marsha, sie hatten in ihm die Sorge um die Menschen entfacht. Warum...

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  • Auf geheimer Mission (4)

    Marsha fühlte sich leer. Sie hatte einen Freund verloren. Zudem wurde sie von diesen unheimlichen Männern bedroht. Sie kannte Baruns Mörder nicht. Auch kamen sie nicht aus Baruns Erdäum. Doch noch bedrohlicher war der Umstand, dass sie offenbar die Umbrae Mortis kontrollieren konnten. Niemand...

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  • Der kleine Professor (5)

    Marshas Bewusstsein war auf geheimer Mission. Auch Jan war nicht mehr im Erdäum Terra. Doch die Menschen, sie waren dort, und sie waren fassungslos. Die Erde spielte ziemlich verrückt. Schwere Unwetter suchten immer wieder weite Landstriche heim. Erdbeben mit enormen Kräften zerstörten ganze...

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  • Ein Mann und kein Mann (6)

    Als Jan erwachte, war es draußen bereits hell. In dem kleinen Haus roch es bereits nach Frühstück. Bina war schon lange wach und deckte gerade den alten Holztisch. Jan setzte sich auf. Er hatte ein wenig Kopfschmerzen. Offenbar waren sie eine der Nachwirkungen des Tees vom Vorabend. Als er etwas...

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  • Der Feind im Nebel (7)

    Finsternis, sie hatte sich ausgebreitet. Die Schatten des Todes nahmen inzwischen die gesamte Strasse ein. Barados stand noch immer am Fenster. Er fühlte sich bedroht. Betroffen verfolgte er das grausame Schauspiel. Im Hintergrund versuchte der alte Karam ebenfalls an das Fenster zu gelangen....

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  • In der Falle (8)

    Alles war ruhig, als Bina mit den drei Burschen aus dem Dorf bei der Hütte ankam. Ihren angeschlagenen Peiniger, den schleppten die beiden Freunde von Naham noch immer mit sich. Da der unwissende Jan noch immer ohnmächtig war, wusste nur Bina von der Möglichkeit, dass lauernde Umbrae Mortis auf...

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  • Das Haus der Vernunft (9)

    Als Jan seine Augen öffnete, da befand er sich an einem hellen Ort. Er hatte eigentlich eine Art Nichts erwartet.Doch er lag nun an einem Ort, umgeben von gleissendem Licht.Er war sich selbst bewusst. Jan war in dem Körper eines Mannes erwacht, der noch älter war als jener, in dem er zuvor...

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  • Der Feind in Terra (10)

    Als Marsha ihre Augen öffnete, sah sie sich sich unsicher um. Es war kalt. Sie fror. Marsha lag auf einem Rasen. Der Nebel war auf seinen schmalen Blättern zu Morgenreif erstarrt. Neben ihr lag Püppi auf dem Boden und leckte sich andächtig seine Pfoten. Offenbar war die junge Frau nach ihrer...

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  • Das Licht der Hoffnung (11)

    Jan hatte einige Tage im Haus der Vernunft bei Naya verbracht. Die große Raubkatze hatte ihm sehr viele ihrer Gedanken übertragen. Aber dennoch erschien alles im Haus der Vernunft unendlich friedvoll und angenehm. Es gab an diesem Ort auch einige andere Raubkatzen. Doch inzwischen hatte Jan...

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  • Esgana Cão (12)

    Als der Morgen in Berlin anbrach, war es Memba, die zuerst erwachte. Neben ihr lag Marani und schlief noch fest. Da es nicht sonderlich dunkel im Zimmer war, konnte sie ihn recht gut neben sich erkennen. Sie beobachtete den schlafenden Mann eine Weile. Er gefiel ihr ausgesprochen gut. Hier in...

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  • Bina in Not (13)

    Bina wusste nicht, was sie tun sollte. Der Morgen war inzwischen heran gebrochen. Einige Vögel zwitscherten im Wald. Die beiden unheimlichen Männer standen noch immer vor ihrem Haus und wollten den unwissenden Jan sprechen. Viel wahrscheinlicher war es jedoch, dass sie ihn nur töten wollten.»Ich...

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  • Im Sinne d. Waagumals (14)

    Die U-Bahn war fast leer. Das war gut so. Wäre sie voll gewesen, hätte die kleine Gruppe sie wegen Püppi nicht nehmen können. Große Hunde in vollen U-Bahnen waren ein Problem, hatten man für sie keinen Maulkorb dabei. Da half es auch nicht, für sie einen ermässigten Fahrschein zu besitzen. Die...

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  • Ohne Ausweg (15)

    Obwohl es auf dem zugigen Bahnsteig ziemlich eng war, hatten die Männer sie schon bald eingekreist. Püppi bellte. Marsha konnte ihn kaum halten. Memba sah sich panisch um. Marani versuchte Tina zu schützen. Dann fasste einer der Männer Memba an der Schulter an. Sie dreht sich um und schlug gekonnt zu. Der...

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  • Der Sonnenaufgang (16)

    Es war weit nach Mitternacht, als Bina meinte, dass die Umbrae Mortis wohl wieder wieder fort wären. Die Schatten waren nicht in das Haus gelangt. Sie hatten offenbar Glück gehabt. Auch schwebte das Licht der Hoffnung völlig ruhig in der Luft und war mehr nur noch zu erahnen, als dass man es sehen...

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