Yberseh - kostenlose E-Books und Literatur von Alexander Rossa, phantastisch, Mythen, Fantasy, Kurzprosa, Texte, Leseseite, Reader, Geschichten, Bücher, Existentialismus, Emotionen, Abenteuer

In einer riesigen Stadt, da ich sehe mich. Ich bin ganz alleine zwischen den hohen Mauern der Häuser. Die Menschen hasten an mir vorbei. Ihre Blicke peitschen mich aus. Die Mischung ihrer Gerüche, sie widert mich an. Dieser Himmel über mir, er ist ein schmaler Streifen in Grau. Der Boden unter meinen Füssen, er ist ebenfalls grau, wie auch die vielen Wände der Häuser grau sind. Nur die Fensterreihen, sie schimmern schwarz und wirken auf ihre eigene Art, ein wenig bedrohlich.

So bin ich alleine inmitten Menschenmassen. Mühsam setze ich einen Schritt, vor den anderen. Ich möchte nicht ausharren und auf schmerzende Gedanken warten müssen. Mir brennen meine Augen. Alles erscheint mir sinnlos und ungemein trübe. Verloren fühle ich mich, auf einer Welt der Verlorenen. Lebende Tote rempeln sich unwirsch an mir vorbei. Sie gaffen mich an, schütteln mit dem Kopf. Bunt bemalte Gesichter drehen sich zu mir. Krawattenmuster bedrohen mich. Wirre Stimmen reiben sich an meinem Kopf. Ich weine. Einfach so, weine ich. Meine Tränen, sie fliessen unaufhörlich in mich hinein, als wollten sie meine Brust verbrennen. Niemand außer mir, sieht es. Niemand fühlt meinen Schmerz. Mein Kopf droht regelrecht zu zerplatzen.

So setze ich mich einfach auf den Boden. Mitten in die Menge hinein, setze ich mich auf den kalten Stein und blicke an den vielen Stämmen der Beinwälder hinauf. Ein Weile hocke ich einfach nur da und höre dabei nur das Rauschen der Menschenmassen um mich herum. Eine Frau fragt nach meinem Befinden. Ich schrecke hoch und bemühe mich, sie anzulächlen. Ein Mann in einer lustigen Uniform kommt herbei und hilft mir auf die Beine. Mit Erstaunen bemerke ich: Ich lächle tatsächlich. Wie eine Grimasse kommt es mir vor, dieses Lächeln, es ist das Ziehen einer Fratze. Der Mann spricht. Ich höre den Ton, nicht aber seine Worte. Einfach im Weg bin ich, nur ein störender Stein im Strom der eilenden Körper.

Mühsam stehe ich auf, setze dann wieder einen Schritt, vor den nächsten, als würde ich Schuhe aus Blei tragen. Laue Tropfen klatschen vor mir auf den Boden. Irgendwo dort oben im Grau, dort regnet es. Neben mir poppen Regenschirme lautstark auf. Sie tun mir weh, kratzen mich. Kreischende Frauenstimmen sind zu hören. Schritt um Schritt, so geht es voran. Das Wasser auf meiner Haut tut mir gut. Die Lederjacken und nassen Hunde stinken. Schminke verläuft. So arbeite ich mich durch die Lebensadern der Stadt, durch den Dreck und die Sinnlosigkeit der ewigen Hasterei einer anonymen Fleischmasse.

Dann klingelt mein Handy. Nie klingelt es. Doch jetzt, jetzt lärmt es tatsächlich. Ich bleibe stehen und betrachte es. Den Anruf kann ich nicht gleich annehmen, weil ich nie Anrufe bekomme. Ich habe es für den Notfall, der eigentlich immer ist. Ein Adressbuch ist dabei, bei mir nur ein Buch ohne Namen. Niemand kennt meine Nummer. Selbst ich kenne sie nicht. Aber jetzt klingelt es, das seltsame Ding. Ich drücke auf den grünen Knopf und halte das Telefon an mein Ohr.

»Hallo, Uriel, bist Du es?« Eine junge Frau.

»Äh ja, ich bin es.«

»Ich bin es, die Lara.«

»Welche Lara? Ich kenne keine Lara.«

»Erinnerst Dich nicht, was? Ist auch kein Wunder, so betrunken, wie Du warst.«

Ich zögere und kann mich wirklich nicht erinnern, betrunken gewesen zu sein. Auch kenne ich keine Lara.

»Was genau meinst Du und vor allem, was willst Du von mir, Lara?«

»Du bist schreiend neulich durch die Strassen gelaufen. Du hast seltsame Dinge erzählt und die Leute gerüttelt, dabei Herz zerreissend geweint. Ich habe Dich eine Weile beobachtet. Dann haben die Leute Dich vertrieben. Doch ich folgte und sah nach Dir. Wir sprachen nur ein paar wenige Worte. Aber ich war da. Das war die Hauptsache und wird es immer sein. Immer war ich da, damit Dir nichts geschieht, mein lieber Uriel.«

»Lara...«

»Ja?«

»Ich gehe kaputt in dieser Welt. Sie tötet mich. Verstehst Du? Diese Welt läßt mich leiden...«

»Ich weiss.«

»Ich gehöre nicht hierher.«

»Ja, Uriel, und doch bist Du hier. So, wie ich es auch bin.«

»Aber ich komme einfach nicht zurecht. Ich fühle mich so einsam. Täglich dieser Schmerz. Er schafft mich.«

»Dein Körper ist alleine, Uriel. Du jedoch, Du bist nicht alleine. Niemals bist Du alleine, so lange es mich gibt.«

»Und wer...oder was bist Du?«

»Jetzt bin ich die Stimme aus Deinem Smartphone. Gestern war ich die junge Frau an Deiner Seite. Morgen bin ich die Stimme in Deinem Kopf. Nächste Woche, da bin ich vielleicht ein freundlicher Blick in dem Gesicht einer alten Dame, die neben Dir auf einer schmutzigen Bank im Park sitzt.«

»So bist Du nur da, um Dich an meinem Leiden zu weiden und strebst an, es zu verlängern? Nicht um mir zu helfen bist Du da, sondern wohl nur, um Dir selbst beizustehen.«

»Nein, ich bin ein Mensch. Uriel, ich bin auch wie du. So erscheint Dir die Welt noch wie ein Irrgarten aus grauen Wänden und faden Gesichtern. Doch wenigstens kannst Du sie erkennen. So viele Menschen sehen die Welt nicht. Sie existieren einfach in ihr und in dem Irrglauben, frei zu sein. Nur weil Du sie erkennen kannst und als Mensch unter den Menschen leidest, nur deshalb kann ich Dich sehen, lieber Uriel. Nur wegen Deinem Leiden und der Hoffnungslosigkeit habe ich Dich gefunden und bin nun für Dich da.«

»Warum denn, Lara, wolltest Du mich finden? Meinst Du vielleicht, ich könnte Dir helfen? Hach, ich kann mir nicht einmal selbst helfen! Sieh Dich doch nur um. Hier kann niemand mehr helfen. Alles scheint hier zu sterben. Vielleicht ist es ist bereits tot.«

»Sie schlafen. Alle schlafen nur, Uriel. Du jedoch, Du bist erwacht. Nur Deine Augen, sie öffnen, das möchtest Du nicht. Du traust Dich einfach nicht. Deine Freiheit kannst Du deutlich fühlen und sie am Rande Deines Geistes spüren. Aber Du vertraust Deinen eigenen Gefühlen nicht, willst nicht die Augen deines Herzens öffnen. Deshalb bin ich da, Uriel. Ich will Dich beschützen und bei Dir sein, um mit Dir zusammen die Welt zu erfühlen.«

»Lara, muss ich sterben? Wenn ich mich meinen Gefühlen hingebe und die Augen meines Herzens öffne, wie Du sagst, werde ich dann sterben? Ich spüre den Tod stets so nahe bei mir. Das Sterben in meinem Körper, die Kraftlosigkeit, alles bereitet mir Furcht. So habe ich einfach nur Angst. War das wirklich schon alles...? War das dieses sagenhafte Ding, das wir alle Leben nennen und am dem wir alle so sehr hängen?«

»Uriel, wenn Du mit dem Herzen siehst, dann wirst Du erkennen, dass Du tatsächlich stirbst und das der Tod an Deiner Seite sitzt. Du wirst erkennen, wie sehr Du leiden wirst, dass Dein Körper zerfällt und wirst das Leiden anderer Menschen miterleben. Du wirst dein altes Leben aufgeben, um ein ganz neues zu beginnen. Es wird ein Leben sein, in dem es kein Sterben und keinen Tod mehr gibt. Dein Ich wird über dem Körper stehen, ihn einfach benutzen, um zu fühlen und ihn mit natürlicher Leichtigkeit, dem Ich unterwerfen. Die vielen grauen Mauern, sie lösen sich in Bedeutungslosigkeit auf. Es gibt nur das Gefühl und die Emotion zwischen den Menschen, versteckt hinter fleischigen Hüllen, die nur noch an schäbige Einkaufstüten aus Plastik erinnern.«

»Doch warum ich, Lara? Es gibt so viele Menschen. Warum wurde ich in eine solche schlafende Welt hineingeboren?«

»Es gibt nur diese eine Welt. Man muss sie nur immer wieder neu erdenken. Immer wieder werden Menschen geboren, die eine Gabe besitzen, diese Mauern zu erkennen und damit letztlich auch erwachen zu können. Sie sind nicht irgendwie privilegiert, sondern sie sind einfach nur gereift, um als Frucht in die Freiheit überzugehen. So erkennen sie die Bedeutung ihres Lebens und ihres Körpers. Sie erkennen die wirkliche Bedeutungslosigkeit von Leben und Tod. Die Neugier ist es schliesslich, die uns erwachte Menschen weiterleben lässt. Wir folgen damit einem verwinkelten Pfad, um auf diesem zu lernen und für uns zu begreifen was es heisst, wirklich frei zu sein. Freiheit ist eine Sache des Geistes, liebster Uriel, nicht des Körpers, auch wenn uns unser Körper gerne etwas anderes einzureden versucht.«

Ich blicke mich um.
Nur noch wenige Menschen sind auf der Strasse.
Meine Sachen hängen nass an mir herunter. Ich friere.

»Lara, was soll ich nur tun?«

»Ich liebe Dich, Uriel.«

Bin ich verrückt geworden? Bilde ich es mir nur ein, oder habe ich diesen Satz tatsächlich aus meinem Telefon gehört. Ein solcher Satz von einer Frau, die ich nicht kenne? Ich bin verwirrt, fühle mich berührt von diesen drei messerscharfen Worten. So stehe ich hier im Regen, mit einem Handy am Ohr und einem versteinerten Gesicht.

»Uriel, fürchte Dich nicht. Du bist nicht alleine.«

Tränen laufen an meinen Wangen herunter, vermischen sich mit dem Regenwasser.

»Ich...ich liebe Dich auch, Lara.«, hauche ich inzwischen fast völlig kraftlos. Dabei lasse ich den Arm mit dem Handy in der Hand sinken.

Wieder setze ich mich auf den inzwischen völlig durchnäßten Boden. Mein Kopf droht zu zerplatzen. Meine Augen brennen. Ein tief sitzender Schmerz ätzt sich langsam durch meine Eingeweide. Nach einiger Zeit beginne ich nachzugeben, mich meinen Gefühlen und dem Schmerz zu ergeben.
Ich lege mich auf den Boden uns strecke mich ganz aus.

Die Leute nehme ich nicht mehr wahr. Die Härte der Steinplatten unter mir, sie geben mir Halt, während ich ins Bodenlose falle. So unwahrscheinlich viele Zwänge fallen plötzlich von mir ab, als wären sie schwere Lagen bleierner Hüllen. Sie alle waren in meinem Kopf geboren und säuberlichst von mir gepflegt worden. Langsam spüre ich, was Lara damit meinte, als sie davon sprach: Endlich mit meinem Herzen sehen zu sollen. Alles hat nur die Bedeutung, die ich selbst gebe. Doch Bedeutung ist eine Illusion, weil alles einfach nur ist. Ich lasse nun nur noch alles sein, lasse laufen und gebe mich ohne Gegenwehr, meinen Emotionen hin. So vieles spüre ich plötzlich, und es wird immer mehr und mehr. Unglaublich!

So blicke ich auf, erblicke die Schläfer. Aber ich sehe nun in ihre Herzen. Ich sehe...nur noch ihre Herzen. Ihre Emotionen drücken sich in meinen Verstand hinein und springen an mir hoch, als wären sie ängstliche Kinder, die auf den Arm der Eltern wollen. Ich drehe mich um, die Arme weit ausgestreckt, und der Regen tropft lustig in mein Gesicht. Plötzlich spüre ich etwas Seltsames. Eine unbeschreibliche Wärme steigt in mir auf. So drehe ich meinen Kopf leicht zur Seite und blicke in ein paar glänzende Augen. Sie sind ganz dunkel und rein.

Das ist Lara.
Ich weiß, dass sie es ist.
Eine junge Frau mit schwarzen Haaren steht dort. Ihr Kopf ist leicht verhüllt. So um die zwanzig Jahre ist sie wohl alt und vielleicht türkischer Abstammung. Völlig gelöst liege ich mitten auf dem nassen Gehweg. Die Arme weit von mir gestreckt. Den Kopf habe ich zu Lara geneigt. Einige Minuten blicken wir uns einfach nur an und wissen.

Dann bewegen sich ihre Lippen. »Ich liebe Dich...«, flüstern sie mir zu.
Doch echte Worte verliessen ihre Lippen nicht. Es war nur ein Hauch, eine Ahnung, die sie mir schenkte.
Ich kann es spüren, kann es sehen, bin völlig verzaubert.
Sie senkt ihren Blick und geht langsam im Regen die Strasse hinunter.
Ich sehe ihr nach, bis sich die Menschenmasse hinter ihr schliesst.
Sie ist fort.

Auf ihre Weise wird sie jedoch wohl immer bei mir sein. Als ein Gefühl wird sie immer da sein. Tief in mir hege, pflege und liebkose ich sie. Sie ist wie das zaghafte Flackern einer kleine Kerze in mir. Sie ist die kleine Flamme, die nur darauf wartet, einen Flächenbrand und Naturgewalten auszulösen, um mir in der Not beizustehen.

»Lara, ich liebe Dich...«

Inhaltsverzeichnis

  • Nondra, die Erde dreht sich nicht... (227)

    Wer jagt wen? Unsere Ahnen berichteten uns davon. Ist es die Sonne, die den Mond jagt? Vielleicht ist auch der Mond, der jeden Tag die Sonne verfolgt.  Wie dem auch sei, auch wir Menschen erleben ganz offensichtlich täglich eine derartige Hatz. So sind wir dem ewigen Wechsel zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit ausgesetzt. Wir sind wiederholt wach, und wir schlafen ebenfalls wiederholt....

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  • Das Ding (452)

    Der Geist des Todes, umhüllt von Titan und Stahl, in den Tiefen der See. Kleine Fische, sie meiden den Ort, fürchten das quälende Echo der Schreie. Eine Hülle aus leuchtenden Farben, sie mögen ein Symbol sein, für das versiegende Feuer des Lebens. So liegt es dort einfach nur, dieses Ding, ganz weit unten auf dem Grund des Meeres. Längst sind sie verstummt, die verzweifelten Schreie. Verflogen...

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  • Die Fingerspitzenarena (2076)

    Emotionen in nur wenige Zeichen verpackt. Der ganzen Welt die Welt in Canapés servieren. Glück, Sehnsucht und Traurigkeit werden kontinuierlich und pausenlos in Zeilen geschichtet. Kurze Filme, bunte Bilder und Kompositionen so vieler Menschen, die sich nahe und zugleich fern sind, rauschen an mir vorbei. Eine Plattform ohne Grenzen erwartet mich, man erwartet mich, zu jeder Zeit und an jedem...

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  • Leere (2276)

    Martin ist ein eher sehr weicher und freundlicher Mensch. Doch geht er leider nicht frohen Mutes durch seine Welt, wie man es von einem jungen Mann erwarten würde. Er huscht eher nur noch von Ort, zu Ort. Unter Menschen zu gehen, das ist für ihn zu einer Qual geworden. Ob im Fahrstuhl, auf der Straße oder im Supermarkt, überall um ihn herum, da begegnen ihm fast ausnahmslos diese vielen...

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  • Der Duft der Stille (2794)

    Schlage ich am Morgen meine Augen auf, dann ist es schiere Ernüchterung, die ich zuerst verspüre. Keine Spur von Freude auf den Tag stelle ich bei mir fest. In mir knistert noch leise die schwache Glut des Schmerzenfeuers vom Vorabend. Ansonsten ist dort nichts. Nur Stille und Vorahnung ist in mir. Selbst die innere Stimme schweigt. So begreife ich allmählich meine Situation. Ein Mensch bin ich....

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  • Fieslinge gibt es überall... (4478)

    Ich bin kein Flüchtling und bin sehr froh darüber. Doch ich mache mir viele Gedanken über die Menschenmassen, die in unser Land strömen. Sie sind beängstigend und wirken bedrohlich. Es sind nicht nur die vielen Menschen, sondern auch die fremden Kulturen und die fremden Sprachen, die mich verunsichern. Werden sie unseren Frieden gefährden, Arbeitsplätze und unseren Wohlstand bedrohen? Diese...

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  • Der getriebene Mensch (4717)

    Teil 1 Oft sitze ich am frühen Morgen in der Natur. Wunderbar ist die allgegenwärtige Stille und die Harmonie, mit der die Welt um mich herum konstruiert ist. Alles scheint nahtlos ineinander zu greifen und sich optimal zu ergänzen. Düfte, Farben und Geräusche lassen meine Sinne regelrecht explodieren. Es entsteht für mich der Eindruck einer friedlichen Welt. Doch kaum tritt etwas Menschliches...

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  • Reime für die Pause (2756)

    Spassige Reimereien von Alexander Rossa:   Mückenträume Von Mücken zerstochen, träume ich vom Winter. Bin unters Bett gekrochen, dennoch für jeden Stecher findbar.   Vermisst Wo ist er nur, der Frieden auf der Welt, ich kann ihn leider kaum erkennen. Überall nur Gier nach Prunk und Geld, laute Herrscher, die sich in Kriege verrennen.   Unmutssieg Wenn der Sommervogel fliegt und im Wald die Blumen...

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  • Im Zug (1944)

    (Schneegestöber. Der Zug stand still. Es ging nicht weiter. Wir mußten warten. Ich ließ mich inspirieren und notierte mir diese schmalen Zeilchen auf einem Zettel.) Ich sitze auf einer alten Bank im Park, und feiner Schnee rieselt in mein Gesicht. Keiner fragt mich, ob ich die Kälte mag, sie meinen wohl, es sei nicht ihre Pflicht. Schon spüre ich nicht mehr die Zehen, und in der Brust brennen...

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  • Im Park (2088)

    Ich zog mir die engen Schuhe aus. Es war schön, endlich den echten Boden unter den Füßen zu spüren. Der Boden war angenehm warm, da die Sonne schon seit Stunden schien und ihn mit ihren sommerlichen Strahlen erwärmt hatte. Der städtische Park, er war eigentlich schon sehr schön in dieser Jahreszeit. Saftig grüne Wiesen umsäumten die kurvenreichen Wege. Überall ragten große Bäume in den Himmel....

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  • Ein Mann (Satire) (1678)

    Ich hatte meinen Job bei der städtischen Frauenteestube verloren. Der Grund: Ich war ein Mann. Es waren stets viele hübsche Frauen dort, und sie tranken Tee. Tee und Spiele eben. Die mit Lippenstift verschmierten Tassen hatte ich abwaschen dürfen. Den Tee habe ich aufgesetzt. Ein paar Taler verdient. Dann haben sie mich dabei erwischt, dass ich eine Erektion hatte. Sie hatte meine Hose...

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  • Sterben und verbleiben (2458)

    Ich sehe in weit aufgerissene Augen. Sie liegen feucht in einem verzerrten Gesicht. Schmerz hat seinen Ausdruck gefunden. Eine Aura der Ohnmacht und Fassungslosigkeit umgibt diesen entwaffneten Menschen. So betrachte ich ihn gebannt. Ich bin auf der Suche. Die strahlenden Augen, wo sind sie geblieben? Sie sind nicht zu erkennen. Verzweiflung hat jeden Glanz in zahlreiche Tränen zertrümmert. Das...

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  • Mama soll nicht weinen (5319)

    Fremde Menschen, sie hassen mich. Kann das sein? Ich blicke sie freundlich an. Doch sie weichen mir aus. Dabei suche ich Freunde. Mein größter Wunsch, das sind Freunde. Ich mag Menschen. Spreche ich sie an, erhalte ich knappe Antworten. Sie wenden sich ab. Ein seltsamer Ton schwingt mit. Er verletzt mich. Wort für Wort, so stechen sie damit zu. Immer wieder treffen sie mich, nur weil ich anders...

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  • Und es gibt ihn doch... (2205)

    Es war im Dezember in Bayern. Den ganzen Tag über hatte es geschneit. Die Luft war kühl und wunderbar klar. Bezaubernd sah es aus, die glitzernde Schneedecke im Dunkeln zu betrachten. Meine Eltern, mein älterer Bruder und ich waren auf einem abendlichen Spaziergang. Die weiße Pracht wollten wir genießen. Es war einfach traumhaft schön. Es war so still, daß man das Rieseln des Schnees hören...

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  • Schwarz (2035)

    Mein Leben, es ist in Schwärze getaucht, und ich liebe es.Schwarz ist das Nichts und die Leere meines Herzens, das die Farben zu einem prachtvollen Feuerwerk explodieren lässt und die Phantasie in mir zum Erblühen bringt. Schwärze ist stets ungemein diskret und ein Symbol für elegante Genügsamkeit. So liebe ich es, wenn sich das Rot des Abends, mit dem Schwarz der Nacht, zu einem lautlosen...

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  • Meine Feste (1743)

    Mein Herz lacht, und die Engel lieben das. Mein Blick ist voller Glück, und die Tiere erfreuen sich daran. Mein Atem ist voller Lebensdurst, und die Pflanzen beben in seiner Nähe. Aber dennoch ist alles um mich herum, friedvoll. Das sind sie, die Feste, auf denen ich oft zu finden bin.

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  • Hell und dunkel (1744)

    »Was ist es nur, was uns das Licht so schön erscheinen lässt?« »Es ist die Dunkelheit, mein Herr. Es ist die Dunkelheit.« Während sie antwortete, fielen schwarzen Locken über ihr mädchenhaftes Gesicht. Sie hatte wunderbar grüne Augen, die sich glänzend von ihrem brünetten Haar abhoben. Wie zwei grosse Smaragde leuchteten sie ihn an, während er über ihre Worte nachdachte. Er hatte nicht mit so...

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  • Frei von Schuld (1517)

    Verzeiht mir bitte, ich bin ein Mensch.Ich bin so sehr schwach. Kein starker Willen ist in mir. So bin ich voller Fehler, kann einfach nicht erkennen, was ich zerstöre. Mein Leben, es ist so kurz. Ich muss mir nehmen, was ich will. Die Zeit rinnt mir durch die glatten Finger fast so, dass es mich schmerzt. Das Leben zu geniessen, es wird zum Stress. Ich fürchte mich davor, es nicht genug...

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  • Die Geisterschiffe (1591)

    Wie finstere Geisterschiffe, so ziehen sie gemächlich an mir vorbei.  Sie riechen stark, stinken nahezu, fast wie feuchter Moder, so ihr Geruch. Dort passieren sie die enge Kreuzung. Ich kann sie sehen. Nur ein leises Rauschen, manchmal ein tiefes Knarren ist zu hören. Es sind ihre Stimmen. Sie erscheinen mir, als ein Ausdruck des Bösen.Diese Schiffe sind ohne ohne Mannschaft, mit Segeln in...

    Weiterlesen: Die...

  • Der ungeliebte Freund (1728)

    Überall bin ich und sehe ich mich selbst. Einmal fühle ich mich kalt an, einmal bin ich warm. Eine Behältnis bin ich, ein Gefäss für Gefühle, Hass und Liebe. Ich bin die Helligkeit, wie auch die Dunkelheit. Obwohl ich überall schon bin, werde ich immer wieder gebracht. Doch nur selten bin ich wirklich willkommen. Dabei erlöse ich vom Leid und Schmerz, bin mehr ein Freund, als ein Feind. Doch sie...

    Weiterlesen: Der...

  • Der schwarze Schmetterling (1477)

    Eine alte Legende besagt, dass uns Menschen der Tod in der Form eines schwarzen Schmetterlings erreicht. Ohne für das Auge sichtbar zu sein, so fliegt er im Schutze der Nacht auf seinen seidenen Flügeln lautlos heran. Er setzt sich behutsam auf unsere Körper, während wir friedlich und ahnungslos schlafen.Die winzigen Beinchen auf unserer Haut, ihr feiner Kitzel der Vergänglichkeit, er lässt den...

    Weiterlesen: Der schwarze...

  • Der Hellseher und die Liebe (2159)

    Dein Gesicht wirkt fahl, ganz grau und zeigt sich so sehr blass. Der Glanz deiner Augen, er scheint auf ewig verloren. Das verzweifelte Flehen in deinem Blick, es gleicht einem nicht enden wollenden Schrei der Verzweiflung. Du bist alleine, ich bin es ebenso, beide jeweils dort, wo wir sind. So soll es nicht sein. Es darf so nicht sein. Die Sehnsucht nach dir, sie lässt mir keinen klaren...

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  • Der Abgrund (1834)

    Wenn die letzten Strahlen der Sonne erloschen sind, begebe ich mich zum Meer. Ich stehe an den steilen Klippen ganz weit oben und blicke über die finsteren Wasser. Unter mir höre ich das Rauschen der kalten Brandung, die sich kraftvoll und mit lautem Getöse an den schroffen Felsen bricht. In der Ferne sehe ich, wie der Sternenhimmel in der Schwärze des Meeres versinkt. Keine Vögel gleiten mehr...

    Weiterlesen: Der Abgrund

  • Sie und sie (1725)

    Streit, Ärger und Missgunst. Oft sind sie Ergebnisse von Vorurteilen. So laufen die Menschen aneinander vorbei und gehen sich aus dem Weg. Worte zu wechseln, das ist eine Investition für die Mutigen geworden. Man sieht anders aus, spricht anders oder verhält sich fremdartig. Schon interpretieren Mitmenschen etwas völlig falsch, oder sie fallen Vorurteilen zum Opfer. Über sie...Sie tuscheln immer....

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  • Die Wortschwallstille (2127)

    Ich bin in der letzten Zeit oft müde. Mag sein, dass es das Wetter ist. Aber eigentlich ist es wohl eher nicht das Wetter. Nein, diese Müdigkeit, sie hat nichts mit dem Wetter zutun. Das Wetter als Thema, das ist überstrapaziert. Es sind wohl eher die vielen Menschen um mich herum. Bereits kurz nach dem Erwachen, da höre ich Stimmen aus dem Radio, höre sie aus dem Fernseher oder unten von der...

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  • Die Gewissheit (2118)

    Vertrocknetes Geäst, durch das der eisige Wind pfeift.  Ich liege nackt auf gefrorenem Boden. Kälteschmerz besiegt das Zittern. Eine finstere Welt ist um mich. So muss es sein. Hastiges Geflüster reibt an meinen entzündeten Nerven. Grobe Worte schwimmen im Geflüster mit. Tosend schlagen sie gegen meine einsame Seele. Nach Luft ringe ich und sauge die Kälte ein.Meine Augen schmerzen. Ich möchte...

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  • Zerbrochen (1743)

    Ich habe für uns gekocht. Der Tisch ist gedeckt, und das Essen steht dampfend auf dem Tisch. Ein schöner Abend, laue Sommerbrise und zappelnde Kerzenflammen. Überraschen will ich Dich. Freue mich schon den ganzen Tag. Es ist schön, dich um mich zu haben. Doch die Freude, sie weicht der Verzweiflung. Deine Worte, sie tun mir weh. Ganz unerwartet. Ich spüre, wie sie brutal an dem Gewebe in mir...

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  • Lara (4674)

    In einer riesigen Stadt, da ich sehe mich. Ich bin ganz alleine zwischen den hohen Mauern der Häuser. Die Menschen hasten an mir vorbei. Ihre Blicke peitschen mich aus. Die Mischung ihrer Gerüche, sie widert mich an. Dieser Himmel über mir, er ist ein schmaler Streifen in Grau. Der Boden unter meinen Füssen, er ist ebenfalls grau, wie auch die vielen Wände der Häuser grau sind. Nur die...

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  • Anima Mundi (1910)

    Ist, bin und sein - Anima Mundi. Die Essenz von Allem und vom Nichts. In den leuchtenden Wassern treibend. Ich sehe und bin das Sehen selbst. So blicke ich hinab, auf meines Hülle Antlitz. Dennoch bin ich die Hülle und das Feuer in ihr, Wie auch der Blick selbst und das Ich hinter dem Blick. Jenes zeitloses Treiben um das Sein. Mit ihm da, um ihn herum, und alles ist Ich. Im Anfang war das...

    Weiterlesen: Anima Mundi

  • Lichtertanz (1854)

    Die Luft liegt schwer in meinem Brustkorb. Ein feiner Luftzug umspielt tröstend mein Gesicht. Meine Augen brennen. In der Ferne sind dunkle Wolken zu sehen, wie sie tief über den Baumwipfeln hängen. Als würde eine Hand mich fest umklammern, so hält mich die Gewissheit mit gnadenloser Gewalt. Wissen kann ein Fluch sein. Rotes Sonnenlicht wärmt mich. Unzählige Sonnenstrahlen schleichen durch das...

    Weiterlesen: Lichtertanz

  • Das Amulett (1647)

    Warm liegst du an meinem Herzen, Bist immer für mich da. Ich weiss dich als Freund an meiner Brust. Du strahlst als Palladium für meinen Geist. So ein kleines Ding bist du, Ganz unscheinbar und ohne Glanz. Du trägst ein Kleid aus fremden Zeichen, Bist das Auge einer fernen Welt. Du bist wahrlich ein fürstliches Geschenk. Rettest mir Hof, Tiere und das Glück. Immer bist du für mich da. Stehst mir...

    Weiterlesen: Das Amulett

  • In der Nacht des Krieges (3948)

    Sie liegt in meinen Armen. Ihre Augen sind geschlossen, und doch schläft sie nicht. Die Worte aus meinem Mund, sie bilden ein kleines Kindergedicht. Doch sie hört nur auf den Klang meiner Stimme, das weiß ich genau, und sie spürt die Wärme zwischen uns. Sie genisst meine Nähe. Für einen kurzen Augenblick sind sie vergessen, die Angst, die Tränen und die Trauer des dunklen Tages. Vergessen sind...

    Weiterlesen: In der Nacht...

  • Das Rauschen (1783)

    Wenn ihr einmal ganz still seid, die Fenster sind geschlossen und alle Geräte um euch herum, sie sind ausgeschaltet, dann lehnt euch einfach einmal zurück und schliesst eure Augen. Wenn ihr dann ganz aufmerksam lauscht und dabei kaum atmet, dann könnt ihr es ganz bestimmt hören. Es ist jenes leise Rauschen, mehr nur ein Wispern ist es, ein leises Raunen, das nie verstummt und immer da ist. Es...

    Weiterlesen: Das Rauschen

  • Finsterloch (2056)

    Es ist ein sehr dunkler und unendlich grau erscheinender Tag. Ich stehe hier an diesem finsteren Loch. Die Erde ist ganz feucht und dunkel. In der Nacht hat es viel geregnet. So stehe ich nun hier. Ich blicke in das feuchte Erdreich hinunter. Ich fühle nichts, denke nichts, bin wie betäubt. Meine Frau habe ich im Arm. Sie blickt ebenso in dieses Loch, so, wie ich selbst. Auch sie scheint...

    Weiterlesen: Finsterloch

  • Die Störung (1806)

    Es ist fast dunkel. Der Schein einer Kerze, er lässt Schatten an den Wänden tanzen. Sie sind da, welch ein Glück. Ich sitze auf dem Sofa und geniesse es. Die Luft ist erfüllt mit ihnen und scheint regelrecht überzuquellen. Wie ein dicker, durchscheinender Vorhang vor meinen Augen, so erscheint sie mir. Das Leben, es ist allgegenwärtig. Ich spüre es deutlich. Es wird ein guter Abend werden. So...

    Weiterlesen: Die Störung

  • Das Phantom der Liebe (1482)

    Immer ist sie da. Ich kann sie nicht sehen. Aber stets fühle ich sie. Ich liebe dieses Gefühl. Es ist besser, als die Einsamkeit. Auch wenn ich sie oft nur spüren kann. Die Menschen sind mir dabei egal. Nachts erscheint sie mir immer wieder. Plötzlich einfach präsent ist sie. Ein leichter Schimmer umgibt ihr Antlitz. Oft ist sie ganz ohne Gestalt. Nur dieser vage Schimmer ist dann da. Doch...

    Weiterlesen: Das Phantom...

  • Zwei Bäume (1849)

    Die zwei Bäume dort, sie stehen schief und einsam auf dem weiten Feld. Der Wind hat sie gedrückt, sie kraftvoll in seine Richtung gepresst. Sie sind so stark, so behäbig, und ihre kleinen Blätter flattern aufgeregt. So tief reichen ihre Wurzeln. Ihre Rinde, sie ist ganz fest und knorrig. Dort stehen sie ganz schief, der Herrschaft des Windes folgend. Sie gaben ihm stets nach und blieben doch sie...

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  • Mit der Bombe in der Hand (1459)

    Es hing ganz fest in meinem Kopf, das Schreien eines Jungen. Männer hatten ihn gezwungen, sie packten ihn am Schopf. In seinen Augen kochte Wut, gewachsen aus ewigem Bangen. Sie hatten ihn gefangen, ihr Einsatz dazu, nur wenig Mut.Mit der Granate in der Hand, kam in das Lager er gekrochen. Die Hunde hatten ihn gerochen, auf dem Boden, vor der Wand. Seine Lösung war der Tod, denn die Feinde...

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  • Das persönliche Geschenk (1423)

    Immer ist er da. Tief in mir lebt er. Leid und Schmerz wecken ihn auf und lassen ihn erstarken. Wie ein bedrohliches Untier, so schlägt er seine spitzen Krallen tief in mein Fleisch hinein. Ich kann ihn fast riechen, meine immer wieder, sein tiefes Knurren zu vernehmen. Jeden Augenblick erwarte ich, dass er seine scharfen Zähne in die kümmerlichen Reste meiner Hoffnung schlagen wird, um sich an...

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  • Der Kakerlak (1728)

    Regen prasselt an die Scheiben. Ich sitze auf dem Boden, die Knie angezogen, den Kopf gesenkt. Die Uhr in der Stube tickt laut. Es ist kaum Licht. Nur der schwache Schein der Strasse ist da. Das Gefühl von Leere umgibt mich. Im Mittelpunkt von mir ist sie da, die Traurigkeit, eine so sehr tiefe Traurigkeit. Ich spüre deutlich, wie sie an mir nagt und knabbert. Sie ist wie ein Kakerlak, eine...

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  • Kunst ist Verzweiflung (1983)

    Eine unangenehme Leere ist in mir. Ich bin Traurigkeit. Sinnlos erscheint mir jegliches Bemühen. Viel wird gesprochen. Bewegung jeden Tag ist Pflicht. Energie wird eingesetzt, um mindestens einen Schritt voran zu gehen. Der Weg strengt an, als wäre er aus zähem Morast. Doch gegangen, wirklich vorwärts gekommen, das bin ich nicht. Jeden Schritt zähle ich. Ich habe viele Schritte getan, da bin ich mir...

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  • Die neue Kindheit (1452)

    Ist das Leben nicht mehr, als nur die ständige und leidvolle Auseinandersetzung mit der Umwelt? Selbst eine sanfte Berührung, sie ist Leiden auf ganz kleinem Niveau. Es ist ein Leiden, das wir fast immer zu tolerieren bereit sind. Wir reiben uns. Mit jeder Bewegung gleiten wir aneinander und berühren uns. Ob an Wasser, an der Luft, an den duftenden Molekülen in unserer Nase oder der Haut, wir...

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  • Die Finsternis (1749)

    Überall Finsternis, Dunkelheit und unendliche Schwärze. Lichtlosigkeit ist voller Geheimnisse und wilder Dämonen. Unsichtbare Augen überall, beobachten mich. Fratzen gaffen. Besorgt wende ich mich um. Überall Schwärze, keine Hoffnung. Ich habe Angst, fürchte mich vor der Wildheit geifernder Tiere. Ein Biss, ein Hieb, reißende Zähne, sie erscheinen mir überall. Ich will fliehen und kann es nicht....

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  • Der Sommerhof (1664)

    Die Luft ist herrlich warm. Es ist überhaupt nicht schwül. Völlig verflogen scheint die Spannung in der Luft vom Tag. Es ist eine wunderbare Sommernacht. Das Zirpen einer Grille ist zu hören. Aus vielen geöffneten Fenstern kann man leise die Geräusche der Fernseher hören. Alles ist so friedlich an diesem lauen Sommerabend. Es ist einer dieser ganz seltenen Abende, an dem man einfach nur eine...

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