Yberseh - kostenlose E-Books und Literatur von Alexander Rossa, phantastisch, Mythen, Fantasy, Kurzprosa, Texte, Leseseite, Reader, Geschichten, Bücher, Existentialismus, Emotionen, Abenteuer

Es ist ein sehr dunkler und unendlich grau erscheinender Tag. Ich stehe hier an diesem finsteren Loch. Die Erde ist ganz feucht und dunkel. In der Nacht hat es viel geregnet. So stehe ich nun hier. Ich blicke in das feuchte Erdreich hinunter. Ich fühle nichts, denke nichts, bin wie betäubt. Meine Frau habe ich im Arm. Sie blickt ebenso in dieses Loch, so, wie ich selbst. Auch sie scheint betäubt, ganz kraftlos zu sein. So stehen wir beide hier alleine an diesem Erdloch.

Die frisch ausgehobene Erde, sie hat einen seltsamen Geruch. Ein weisser Stein schimmert auf dem Erdhaufen seltsam hell. Er glänzt nass vom kalten Regen. Ich habe Angst. Helfen soll ich, obwohl ich es nicht möchte. Es ist alles so ganz ohne Sinn underscheint mir völlig falsch. Ich nehme meine Frau ganz fest in den Arm.

Ein Auto fährt vor, ganz weit oben auf dem Hügel. Es steigt ein Mann aus. Er trägt einen schwarzen Anzug, der ihm zu klein ist. Aus dem Wagen zieht er eine weisse Kiste. Betroffen blicke ich auf den Boden. Meine Frau beginnt zu weinen. Ich höre ihr Schniefen und spüre ihr Zittern. Ganz leise ist sie. Doch ich kann es deutlich hören. Schmerzhaftes Krampfen spüre ich in meiner Brust. Das Atmen wird zur Qual. Es ist schrecklich.

Der Mann kommt langsam den Berg hinunter. Die kleine Kiste trägt er ganz vorsichtig. Etwas Zerbrechliches liegt darin. Jeder Schritt bringt pochenden Schmerz. Dann steht er neben uns, blickt mich an. Ich nicke ihm nur schnell zu, bin unsicher. Niemand hat mir gesagt, was ich tun soll. Er legt die Kiste neben das dunkle Loch. Zwei breite Riemen liegen schlaff darunter. Er zupft alles sorgfältig zurecht, ist dabei nahezu pedantisch. Ich finde das Szenario regelrecht obszön. Dann blickt er mich erenut fragend an, wirkt auch etwas nervös. Der schreckliche Augenblick, er ist gekommen.

Jener Augenblick ist nun da, den nie ein Vater erleben sollte. Ich trete vor und nehme einen der Riemen auf. Den anderen Riemen nimmt der Mann in Schwarz. Er nickt, und wir beide heben den kleinen Sarg. Langsam lassen wir ihn in das Loch hinab. Als der Sarg den Boden erreicht, trete ich zurück. Ich nehme meine Frau wieder in den Arm. Sie weint. In mir scheint alles betäubt.

Der Mann stellt sich neben uns und schweigt. Er nimmt an dem Augenblick Anteil, blickt nach unten. Alle schauen wir nun in das Loch, auf den weissen Sarg. Feiner Nebel legt seine Tröpfchen kalt auf mein Gesicht. Nach einer Weile blickt der Mann hoch, uns kurz an und geht. Seine Augen sind ausdruckslos. Langsam schreitet er den Berg hinauf. Er dreht sich nicht um.

Wir sind alleine, meine Frau, mein Kind und ich. So stehen wir an dieser Grube, gehören nicht an diesen Ort. Worin steckt er hier, der Sinn? 40 Wochen reift ein Kind heran, nur um dann zu sterben? Liebe der Eltern, sie wächst heran, nur um in der Trauer zu verwelken. Ein Kind entsteht, nur um Leid zu bringen? Es stirbt ohne erkennbaren Sinn, einfach so.

Ich spüre fremde Blicke auf mir. Dort steht ein Mann. Es ist der Pfarrer vom Dorf. Was will er hier? Er soll gehen. Jetzt ist es zu spät, und er hat versagt. Wo war er, als man ihn brauchte? Alles wohl eine Prüfung Gottes, so meinte er später zu uns. Routinierte Anteilnahme? Es waren Worte aus dem Eisschrank.

Gott muss pervers sein, sollte es ihn geben. Er lässt ein kleines Kind wachsen, um es dann zu töten. Liebe lässt er keimen, nur um besseres Leiden zu ermöglichen. Der Pfarrer dreht sich weg. Er geht, ohne sich umzublicken. Gut ist es, dass er geht. Sein Gott hat uns verlassen, warum nicht nun auch er?

Über eine Stunde stehen wir alleine. Alleine an diesem Erdloch. Wir nehmen Abschied von unserem Kind. Ich hasse dieses Verscharren in der Erde. Widerlich und grob ist es. Völlig durchnässt sind wir und spüren es nicht einmal. Die Welt um uns herum, sie ist schwarz geworden. Alles ist taub, verschwommen und nicht mehr zu fühlen. Es ist ein kalter Abschied von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Ein Teil unserer Zukunft ist von uns gerissen worden. Ein kleines Menschenkind ist gestorben. Nur gefühlt habe wir unser Kind. Niemals haben wir sein Lachen gesehen. Seine Kinderaugen sind seinen Eltern fremd. Nur das Gefühl der Schuld wurde geboren. Es ist fett und rosig. Ein wahrhaft göttlicher Ersatz für ein Kind. Gierig frisst es sich in uns und nährt sich von Tränen. Es wird uns ein Leben lang begleiten. Immer wird es bei uns sein. Fettes, rosiges Monster.

Ich weiss nicht mehr, was ich denken soll. So stehe ich noch eine Weile an diesem Loch. Meine Frau habe ich im Arm. Alles erscheint so sehr ohne jeglichen Sinn. Die Zeit verrinnt, und wir gehen irgendwann. Langsam lassen wir jetzt auch das Loch hinter uns. Wir raffen uns auf, schleppen uns die Treppen hinauf. Wir lassen einen Teil unserer Zukunft und unserer Träume zurück.

Inhaltsverzeichnis

  • Nondra, die Erde dreht sich nicht... (227)

    Wer jagt wen? Unsere Ahnen berichteten uns davon. Ist es die Sonne, die den Mond jagt? Vielleicht ist auch der Mond, der jeden Tag die Sonne verfolgt.  Wie dem auch sei, auch wir Menschen erleben ganz offensichtlich täglich eine derartige Hatz. So sind wir dem ewigen Wechsel zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit ausgesetzt. Wir sind wiederholt wach, und wir schlafen ebenfalls wiederholt....

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  • Das Ding (453)

    Der Geist des Todes, umhüllt von Titan und Stahl, in den Tiefen der See. Kleine Fische, sie meiden den Ort, fürchten das quälende Echo der Schreie. Eine Hülle aus leuchtenden Farben, sie mögen ein Symbol sein, für das versiegende Feuer des Lebens. So liegt es dort einfach nur, dieses Ding, ganz weit unten auf dem Grund des Meeres. Längst sind sie verstummt, die verzweifelten Schreie. Verflogen...

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  • Die Fingerspitzenarena (2077)

    Emotionen in nur wenige Zeichen verpackt. Der ganzen Welt die Welt in Canapés servieren. Glück, Sehnsucht und Traurigkeit werden kontinuierlich und pausenlos in Zeilen geschichtet. Kurze Filme, bunte Bilder und Kompositionen so vieler Menschen, die sich nahe und zugleich fern sind, rauschen an mir vorbei. Eine Plattform ohne Grenzen erwartet mich, man erwartet mich, zu jeder Zeit und an jedem...

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  • Leere (2276)

    Martin ist ein eher sehr weicher und freundlicher Mensch. Doch geht er leider nicht frohen Mutes durch seine Welt, wie man es von einem jungen Mann erwarten würde. Er huscht eher nur noch von Ort, zu Ort. Unter Menschen zu gehen, das ist für ihn zu einer Qual geworden. Ob im Fahrstuhl, auf der Straße oder im Supermarkt, überall um ihn herum, da begegnen ihm fast ausnahmslos diese vielen...

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  • Der Duft der Stille (2795)

    Schlage ich am Morgen meine Augen auf, dann ist es schiere Ernüchterung, die ich zuerst verspüre. Keine Spur von Freude auf den Tag stelle ich bei mir fest. In mir knistert noch leise die schwache Glut des Schmerzenfeuers vom Vorabend. Ansonsten ist dort nichts. Nur Stille und Vorahnung ist in mir. Selbst die innere Stimme schweigt. So begreife ich allmählich meine Situation. Ein Mensch bin ich....

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  • Fieslinge gibt es überall... (4479)

    Ich bin kein Flüchtling und bin sehr froh darüber. Doch ich mache mir viele Gedanken über die Menschenmassen, die in unser Land strömen. Sie sind beängstigend und wirken bedrohlich. Es sind nicht nur die vielen Menschen, sondern auch die fremden Kulturen und die fremden Sprachen, die mich verunsichern. Werden sie unseren Frieden gefährden, Arbeitsplätze und unseren Wohlstand bedrohen? Diese...

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  • Der getriebene Mensch (4718)

    Teil 1 Oft sitze ich am frühen Morgen in der Natur. Wunderbar ist die allgegenwärtige Stille und die Harmonie, mit der die Welt um mich herum konstruiert ist. Alles scheint nahtlos ineinander zu greifen und sich optimal zu ergänzen. Düfte, Farben und Geräusche lassen meine Sinne regelrecht explodieren. Es entsteht für mich der Eindruck einer friedlichen Welt. Doch kaum tritt etwas Menschliches...

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  • Reime für die Pause (2756)

    Spassige Reimereien von Alexander Rossa:   Mückenträume Von Mücken zerstochen, träume ich vom Winter. Bin unters Bett gekrochen, dennoch für jeden Stecher findbar.   Vermisst Wo ist er nur, der Frieden auf der Welt, ich kann ihn leider kaum erkennen. Überall nur Gier nach Prunk und Geld, laute Herrscher, die sich in Kriege verrennen.   Unmutssieg Wenn der Sommervogel fliegt und im Wald die Blumen...

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  • Im Zug (1945)

    (Schneegestöber. Der Zug stand still. Es ging nicht weiter. Wir mußten warten. Ich ließ mich inspirieren und notierte mir diese schmalen Zeilchen auf einem Zettel.) Ich sitze auf einer alten Bank im Park, und feiner Schnee rieselt in mein Gesicht. Keiner fragt mich, ob ich die Kälte mag, sie meinen wohl, es sei nicht ihre Pflicht. Schon spüre ich nicht mehr die Zehen, und in der Brust brennen...

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  • Im Park (2088)

    Ich zog mir die engen Schuhe aus. Es war schön, endlich den echten Boden unter den Füßen zu spüren. Der Boden war angenehm warm, da die Sonne schon seit Stunden schien und ihn mit ihren sommerlichen Strahlen erwärmt hatte. Der städtische Park, er war eigentlich schon sehr schön in dieser Jahreszeit. Saftig grüne Wiesen umsäumten die kurvenreichen Wege. Überall ragten große Bäume in den Himmel....

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  • Ein Mann (Satire) (1679)

    Ich hatte meinen Job bei der städtischen Frauenteestube verloren. Der Grund: Ich war ein Mann. Es waren stets viele hübsche Frauen dort, und sie tranken Tee. Tee und Spiele eben. Die mit Lippenstift verschmierten Tassen hatte ich abwaschen dürfen. Den Tee habe ich aufgesetzt. Ein paar Taler verdient. Dann haben sie mich dabei erwischt, dass ich eine Erektion hatte. Sie hatte meine Hose...

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  • Sterben und verbleiben (2458)

    Ich sehe in weit aufgerissene Augen. Sie liegen feucht in einem verzerrten Gesicht. Schmerz hat seinen Ausdruck gefunden. Eine Aura der Ohnmacht und Fassungslosigkeit umgibt diesen entwaffneten Menschen. So betrachte ich ihn gebannt. Ich bin auf der Suche. Die strahlenden Augen, wo sind sie geblieben? Sie sind nicht zu erkennen. Verzweiflung hat jeden Glanz in zahlreiche Tränen zertrümmert. Das...

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  • Mama soll nicht weinen (5319)

    Fremde Menschen, sie hassen mich. Kann das sein? Ich blicke sie freundlich an. Doch sie weichen mir aus. Dabei suche ich Freunde. Mein größter Wunsch, das sind Freunde. Ich mag Menschen. Spreche ich sie an, erhalte ich knappe Antworten. Sie wenden sich ab. Ein seltsamer Ton schwingt mit. Er verletzt mich. Wort für Wort, so stechen sie damit zu. Immer wieder treffen sie mich, nur weil ich anders...

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  • Und es gibt ihn doch... (2206)

    Es war im Dezember in Bayern. Den ganzen Tag über hatte es geschneit. Die Luft war kühl und wunderbar klar. Bezaubernd sah es aus, die glitzernde Schneedecke im Dunkeln zu betrachten. Meine Eltern, mein älterer Bruder und ich waren auf einem abendlichen Spaziergang. Die weiße Pracht wollten wir genießen. Es war einfach traumhaft schön. Es war so still, daß man das Rieseln des Schnees hören...

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  • Schwarz (2036)

    Mein Leben, es ist in Schwärze getaucht, und ich liebe es.Schwarz ist das Nichts und die Leere meines Herzens, das die Farben zu einem prachtvollen Feuerwerk explodieren lässt und die Phantasie in mir zum Erblühen bringt. Schwärze ist stets ungemein diskret und ein Symbol für elegante Genügsamkeit. So liebe ich es, wenn sich das Rot des Abends, mit dem Schwarz der Nacht, zu einem lautlosen...

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  • Meine Feste (1744)

    Mein Herz lacht, und die Engel lieben das. Mein Blick ist voller Glück, und die Tiere erfreuen sich daran. Mein Atem ist voller Lebensdurst, und die Pflanzen beben in seiner Nähe. Aber dennoch ist alles um mich herum, friedvoll. Das sind sie, die Feste, auf denen ich oft zu finden bin.

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  • Hell und dunkel (1745)

    »Was ist es nur, was uns das Licht so schön erscheinen lässt?« »Es ist die Dunkelheit, mein Herr. Es ist die Dunkelheit.« Während sie antwortete, fielen schwarzen Locken über ihr mädchenhaftes Gesicht. Sie hatte wunderbar grüne Augen, die sich glänzend von ihrem brünetten Haar abhoben. Wie zwei grosse Smaragde leuchteten sie ihn an, während er über ihre Worte nachdachte. Er hatte nicht mit so...

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  • Frei von Schuld (1517)

    Verzeiht mir bitte, ich bin ein Mensch.Ich bin so sehr schwach. Kein starker Willen ist in mir. So bin ich voller Fehler, kann einfach nicht erkennen, was ich zerstöre. Mein Leben, es ist so kurz. Ich muss mir nehmen, was ich will. Die Zeit rinnt mir durch die glatten Finger fast so, dass es mich schmerzt. Das Leben zu geniessen, es wird zum Stress. Ich fürchte mich davor, es nicht genug...

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  • Die Geisterschiffe (1592)

    Wie finstere Geisterschiffe, so ziehen sie gemächlich an mir vorbei.  Sie riechen stark, stinken nahezu, fast wie feuchter Moder, so ihr Geruch. Dort passieren sie die enge Kreuzung. Ich kann sie sehen. Nur ein leises Rauschen, manchmal ein tiefes Knarren ist zu hören. Es sind ihre Stimmen. Sie erscheinen mir, als ein Ausdruck des Bösen.Diese Schiffe sind ohne ohne Mannschaft, mit Segeln in...

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  • Der ungeliebte Freund (1729)

    Überall bin ich und sehe ich mich selbst. Einmal fühle ich mich kalt an, einmal bin ich warm. Eine Behältnis bin ich, ein Gefäss für Gefühle, Hass und Liebe. Ich bin die Helligkeit, wie auch die Dunkelheit. Obwohl ich überall schon bin, werde ich immer wieder gebracht. Doch nur selten bin ich wirklich willkommen. Dabei erlöse ich vom Leid und Schmerz, bin mehr ein Freund, als ein Feind. Doch sie...

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  • Der schwarze Schmetterling (1478)

    Eine alte Legende besagt, dass uns Menschen der Tod in der Form eines schwarzen Schmetterlings erreicht. Ohne für das Auge sichtbar zu sein, so fliegt er im Schutze der Nacht auf seinen seidenen Flügeln lautlos heran. Er setzt sich behutsam auf unsere Körper, während wir friedlich und ahnungslos schlafen.Die winzigen Beinchen auf unserer Haut, ihr feiner Kitzel der Vergänglichkeit, er lässt den...

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  • Der Hellseher und die Liebe (2160)

    Dein Gesicht wirkt fahl, ganz grau und zeigt sich so sehr blass. Der Glanz deiner Augen, er scheint auf ewig verloren. Das verzweifelte Flehen in deinem Blick, es gleicht einem nicht enden wollenden Schrei der Verzweiflung. Du bist alleine, ich bin es ebenso, beide jeweils dort, wo wir sind. So soll es nicht sein. Es darf so nicht sein. Die Sehnsucht nach dir, sie lässt mir keinen klaren...

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  • Der Abgrund (1834)

    Wenn die letzten Strahlen der Sonne erloschen sind, begebe ich mich zum Meer. Ich stehe an den steilen Klippen ganz weit oben und blicke über die finsteren Wasser. Unter mir höre ich das Rauschen der kalten Brandung, die sich kraftvoll und mit lautem Getöse an den schroffen Felsen bricht. In der Ferne sehe ich, wie der Sternenhimmel in der Schwärze des Meeres versinkt. Keine Vögel gleiten mehr...

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  • Sie und sie (1725)

    Streit, Ärger und Missgunst. Oft sind sie Ergebnisse von Vorurteilen. So laufen die Menschen aneinander vorbei und gehen sich aus dem Weg. Worte zu wechseln, das ist eine Investition für die Mutigen geworden. Man sieht anders aus, spricht anders oder verhält sich fremdartig. Schon interpretieren Mitmenschen etwas völlig falsch, oder sie fallen Vorurteilen zum Opfer. Über sie...Sie tuscheln immer....

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  • Die Wortschwallstille (2128)

    Ich bin in der letzten Zeit oft müde. Mag sein, dass es das Wetter ist. Aber eigentlich ist es wohl eher nicht das Wetter. Nein, diese Müdigkeit, sie hat nichts mit dem Wetter zutun. Das Wetter als Thema, das ist überstrapaziert. Es sind wohl eher die vielen Menschen um mich herum. Bereits kurz nach dem Erwachen, da höre ich Stimmen aus dem Radio, höre sie aus dem Fernseher oder unten von der...

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  • Die Gewissheit (2119)

    Vertrocknetes Geäst, durch das der eisige Wind pfeift.  Ich liege nackt auf gefrorenem Boden. Kälteschmerz besiegt das Zittern. Eine finstere Welt ist um mich. So muss es sein. Hastiges Geflüster reibt an meinen entzündeten Nerven. Grobe Worte schwimmen im Geflüster mit. Tosend schlagen sie gegen meine einsame Seele. Nach Luft ringe ich und sauge die Kälte ein.Meine Augen schmerzen. Ich möchte...

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  • Zerbrochen (1744)

    Ich habe für uns gekocht. Der Tisch ist gedeckt, und das Essen steht dampfend auf dem Tisch. Ein schöner Abend, laue Sommerbrise und zappelnde Kerzenflammen. Überraschen will ich Dich. Freue mich schon den ganzen Tag. Es ist schön, dich um mich zu haben. Doch die Freude, sie weicht der Verzweiflung. Deine Worte, sie tun mir weh. Ganz unerwartet. Ich spüre, wie sie brutal an dem Gewebe in mir...

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  • Lara (4674)

    In einer riesigen Stadt, da ich sehe mich. Ich bin ganz alleine zwischen den hohen Mauern der Häuser. Die Menschen hasten an mir vorbei. Ihre Blicke peitschen mich aus. Die Mischung ihrer Gerüche, sie widert mich an. Dieser Himmel über mir, er ist ein schmaler Streifen in Grau. Der Boden unter meinen Füssen, er ist ebenfalls grau, wie auch die vielen Wände der Häuser grau sind. Nur die...

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  • Anima Mundi (1911)

    Ist, bin und sein - Anima Mundi. Die Essenz von Allem und vom Nichts. In den leuchtenden Wassern treibend. Ich sehe und bin das Sehen selbst. So blicke ich hinab, auf meines Hülle Antlitz. Dennoch bin ich die Hülle und das Feuer in ihr, Wie auch der Blick selbst und das Ich hinter dem Blick. Jenes zeitloses Treiben um das Sein. Mit ihm da, um ihn herum, und alles ist Ich. Im Anfang war das...

    Weiterlesen: Anima Mundi

  • Lichtertanz (1855)

    Die Luft liegt schwer in meinem Brustkorb. Ein feiner Luftzug umspielt tröstend mein Gesicht. Meine Augen brennen. In der Ferne sind dunkle Wolken zu sehen, wie sie tief über den Baumwipfeln hängen. Als würde eine Hand mich fest umklammern, so hält mich die Gewissheit mit gnadenloser Gewalt. Wissen kann ein Fluch sein. Rotes Sonnenlicht wärmt mich. Unzählige Sonnenstrahlen schleichen durch das...

    Weiterlesen: Lichtertanz

  • Das Amulett (1647)

    Warm liegst du an meinem Herzen, Bist immer für mich da. Ich weiss dich als Freund an meiner Brust. Du strahlst als Palladium für meinen Geist. So ein kleines Ding bist du, Ganz unscheinbar und ohne Glanz. Du trägst ein Kleid aus fremden Zeichen, Bist das Auge einer fernen Welt. Du bist wahrlich ein fürstliches Geschenk. Rettest mir Hof, Tiere und das Glück. Immer bist du für mich da. Stehst mir...

    Weiterlesen: Das Amulett

  • In der Nacht des Krieges (3949)

    Sie liegt in meinen Armen. Ihre Augen sind geschlossen, und doch schläft sie nicht. Die Worte aus meinem Mund, sie bilden ein kleines Kindergedicht. Doch sie hört nur auf den Klang meiner Stimme, das weiß ich genau, und sie spürt die Wärme zwischen uns. Sie genisst meine Nähe. Für einen kurzen Augenblick sind sie vergessen, die Angst, die Tränen und die Trauer des dunklen Tages. Vergessen sind...

    Weiterlesen: In der Nacht...

  • Das Rauschen (1783)

    Wenn ihr einmal ganz still seid, die Fenster sind geschlossen und alle Geräte um euch herum, sie sind ausgeschaltet, dann lehnt euch einfach einmal zurück und schliesst eure Augen. Wenn ihr dann ganz aufmerksam lauscht und dabei kaum atmet, dann könnt ihr es ganz bestimmt hören. Es ist jenes leise Rauschen, mehr nur ein Wispern ist es, ein leises Raunen, das nie verstummt und immer da ist. Es...

    Weiterlesen: Das Rauschen

  • Finsterloch (2057)

    Es ist ein sehr dunkler und unendlich grau erscheinender Tag. Ich stehe hier an diesem finsteren Loch. Die Erde ist ganz feucht und dunkel. In der Nacht hat es viel geregnet. So stehe ich nun hier. Ich blicke in das feuchte Erdreich hinunter. Ich fühle nichts, denke nichts, bin wie betäubt. Meine Frau habe ich im Arm. Sie blickt ebenso in dieses Loch, so, wie ich selbst. Auch sie scheint...

    Weiterlesen: Finsterloch

  • Die Störung (1806)

    Es ist fast dunkel. Der Schein einer Kerze, er lässt Schatten an den Wänden tanzen. Sie sind da, welch ein Glück. Ich sitze auf dem Sofa und geniesse es. Die Luft ist erfüllt mit ihnen und scheint regelrecht überzuquellen. Wie ein dicker, durchscheinender Vorhang vor meinen Augen, so erscheint sie mir. Das Leben, es ist allgegenwärtig. Ich spüre es deutlich. Es wird ein guter Abend werden. So...

    Weiterlesen: Die Störung

  • Das Phantom der Liebe (1483)

    Immer ist sie da. Ich kann sie nicht sehen. Aber stets fühle ich sie. Ich liebe dieses Gefühl. Es ist besser, als die Einsamkeit. Auch wenn ich sie oft nur spüren kann. Die Menschen sind mir dabei egal. Nachts erscheint sie mir immer wieder. Plötzlich einfach präsent ist sie. Ein leichter Schimmer umgibt ihr Antlitz. Oft ist sie ganz ohne Gestalt. Nur dieser vage Schimmer ist dann da. Doch...

    Weiterlesen: Das Phantom...

  • Zwei Bäume (1850)

    Die zwei Bäume dort, sie stehen schief und einsam auf dem weiten Feld. Der Wind hat sie gedrückt, sie kraftvoll in seine Richtung gepresst. Sie sind so stark, so behäbig, und ihre kleinen Blätter flattern aufgeregt. So tief reichen ihre Wurzeln. Ihre Rinde, sie ist ganz fest und knorrig. Dort stehen sie ganz schief, der Herrschaft des Windes folgend. Sie gaben ihm stets nach und blieben doch sie...

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  • Mit der Bombe in der Hand (1460)

    Es hing ganz fest in meinem Kopf, das Schreien eines Jungen. Männer hatten ihn gezwungen, sie packten ihn am Schopf. In seinen Augen kochte Wut, gewachsen aus ewigem Bangen. Sie hatten ihn gefangen, ihr Einsatz dazu, nur wenig Mut.Mit der Granate in der Hand, kam in das Lager er gekrochen. Die Hunde hatten ihn gerochen, auf dem Boden, vor der Wand. Seine Lösung war der Tod, denn die Feinde...

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  • Das persönliche Geschenk (1424)

    Immer ist er da. Tief in mir lebt er. Leid und Schmerz wecken ihn auf und lassen ihn erstarken. Wie ein bedrohliches Untier, so schlägt er seine spitzen Krallen tief in mein Fleisch hinein. Ich kann ihn fast riechen, meine immer wieder, sein tiefes Knurren zu vernehmen. Jeden Augenblick erwarte ich, dass er seine scharfen Zähne in die kümmerlichen Reste meiner Hoffnung schlagen wird, um sich an...

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  • Der Kakerlak (1729)

    Regen prasselt an die Scheiben. Ich sitze auf dem Boden, die Knie angezogen, den Kopf gesenkt. Die Uhr in der Stube tickt laut. Es ist kaum Licht. Nur der schwache Schein der Strasse ist da. Das Gefühl von Leere umgibt mich. Im Mittelpunkt von mir ist sie da, die Traurigkeit, eine so sehr tiefe Traurigkeit. Ich spüre deutlich, wie sie an mir nagt und knabbert. Sie ist wie ein Kakerlak, eine...

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  • Kunst ist Verzweiflung (1984)

    Eine unangenehme Leere ist in mir. Ich bin Traurigkeit. Sinnlos erscheint mir jegliches Bemühen. Viel wird gesprochen. Bewegung jeden Tag ist Pflicht. Energie wird eingesetzt, um mindestens einen Schritt voran zu gehen. Der Weg strengt an, als wäre er aus zähem Morast. Doch gegangen, wirklich vorwärts gekommen, das bin ich nicht. Jeden Schritt zähle ich. Ich habe viele Schritte getan, da bin ich mir...

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  • Die neue Kindheit (1453)

    Ist das Leben nicht mehr, als nur die ständige und leidvolle Auseinandersetzung mit der Umwelt? Selbst eine sanfte Berührung, sie ist Leiden auf ganz kleinem Niveau. Es ist ein Leiden, das wir fast immer zu tolerieren bereit sind. Wir reiben uns. Mit jeder Bewegung gleiten wir aneinander und berühren uns. Ob an Wasser, an der Luft, an den duftenden Molekülen in unserer Nase oder der Haut, wir...

    Weiterlesen: Die neue...

  • Die Finsternis (1749)

    Überall Finsternis, Dunkelheit und unendliche Schwärze. Lichtlosigkeit ist voller Geheimnisse und wilder Dämonen. Unsichtbare Augen überall, beobachten mich. Fratzen gaffen. Besorgt wende ich mich um. Überall Schwärze, keine Hoffnung. Ich habe Angst, fürchte mich vor der Wildheit geifernder Tiere. Ein Biss, ein Hieb, reißende Zähne, sie erscheinen mir überall. Ich will fliehen und kann es nicht....

    Weiterlesen: Die Finsternis

  • Der Sommerhof (1665)

    Die Luft ist herrlich warm. Es ist überhaupt nicht schwül. Völlig verflogen scheint die Spannung in der Luft vom Tag. Es ist eine wunderbare Sommernacht. Das Zirpen einer Grille ist zu hören. Aus vielen geöffneten Fenstern kann man leise die Geräusche der Fernseher hören. Alles ist so friedlich an diesem lauen Sommerabend. Es ist einer dieser ganz seltenen Abende, an dem man einfach nur eine...

    Weiterlesen: Der Sommerhof

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